London, Großbritannien, Brexit, Automobilindustrie, Technologie, Bain & Company, Produktion, Zölle

Bei einem Komplettausstieg aus der EU drohen britischen Unternehmen einer Studie von Bain zu Folge schwierige Zeiten. - Bild: Fotolia, conorcrowe

Der britischen Industrie droht im Fall eines harten Brexit ein Gewinneinbruch von bis zu 30 Prozent. Dieses Szenario bezieht sich auf den Fall, dass Großbritannien sich vollständig aus dem gemeinsamen EU-Binnenmarkt verabschiedet. Dies ist ein Ergebnis einer Studie der Managementberatung Bain & Company, die Produktion vorliegt.

Bei einem Komplettausstieg würden auf EU-Importe und -Exporte Zölle im Rahmen des WTO-Standards je nach Warengruppe von zwei bis 13 Prozent anfallen. Dem Bain-Szenario zufolge würden die Arbeitskosten um rund 10 Prozent steigen und das britische Pfund 20 Prozent an Wert verlieren. Dadurch würden die Nettogewinne der fünf größten britischen Branchen um insgesamt drei Milliarden Pfund zurückgehen. Besonders betroffen wären die Automobilindustrie sowie Technologieunternehmen.

Die Studie kommt jedoch auch zu dem Ergebnis, dass es bei den exportorientierten Pharma- und Flugzeugherstellern zu einer Reduzierung ihrer Supply-Chain-Kosten kommen könnte.

Ein harter Brexit könnte jedoch selbst für Unternehmen innerhalb einer Branche unterschiedliche Auswirkungen haben. So führt Bain als Beispiel zwei britische Zuckerproduzenten an. Der eine könnte seine Kostenposition verbessern, weil für seine Zuckerrohrimporte aus Brasilien die hohen EU-Einfuhrzölle wegfallen. Der andere importiert Zuckerrüben aus der EU und muss künftig Zölle fürchten.

"Abzuwarten, bis sich ein klares Zukunftsbild abzeichnet, ist die riskanteste Option", sagt der Bain-Partner und Autor der Studie, Thomas Kwasniok. Wertvolle Zeit verstreiche, in der sich Wettbewerber Vorteile verschaffen könnten. Umsichtige Unternehmenslenker kalkulierten solche Unwägbarkeiten im Rahmen ihrer Strategie ein und bereiteten sich auf unterschiedliche Szenarien vor.

"Zum einen muss genau analysiert werden, wie sich die möglichen Brexit-Szenarien auf die eigene Lieferfkette auswirken", rät Kwasniok. Zum anderen sollte man Handlungsoptionen entwickeln, um sich bietende Vorteile maximal zu nutzen.

Dabei machten "No Regret"-Maßnahmen wie Kostensenkungsprogramme oder Produktivitätssteigerungen in jedem Szenario Sinn, meint der Berater. Dagegen erforderten "Big Bets" wie Produktionsverlagerungen oder Lieferantenwechsel häufig hohe Investitionen und lohnten sich nicht in jedem Fall. "Deshalb ist es ratsam, einen Lieferanten erst dann zu wechseln, wenn sich ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU abzeichnet", sagt Kwasniok. Solange Unsicherheit bestehe, böten beispielsweise langfristige Lieferverträge oder die Qualifizierung alternativer Lieferanten, die bei Bedarf schnell größere Teile des Einkaufsvolumens bedienen können, kostengünstigeren Schutz vor Risiken.

Die 10 größten britischen Industrieunternehmen

  • Platz 10: Der Marktwert der Antofagasta PLC beläuft sich auf 15,93 Milliarden US-Dollar. Das Bergbauunternehmen beschäftigt 5.637 Mitarbeiter. Hauptsitz der Firma ist in London. - Bild: Antofagasta PLC

    Platz 10: Der Marktwert der Antofagasta PLC beläuft sich auf 15,93 Milliarden US-Dollar. Das Bergbauunternehmen beschäftigt 5.637 Mitarbeiter. Hauptsitz der Firma ist in London. - Bild: Antofagasta PLC

  • Platz 9: Die Centrica PLC mit Hauptsitz in Windsor beschäftigt 29.408 Mitarbeiter. Der Energieversorger besitzt einen Marktwert von 23,64 Milliarden US-Dollar. - Bild: Pixabay

    Platz 9: Die Centrica PLC mit Hauptsitz in Windsor beschäftigt 29.408 Mitarbeiter. Der Energieversorger besitzt einen Marktwert von 23,64 Milliarden US-Dollar. - Bild: Pixabay

  • Platz 8:  Das Bergbauunternehmen Eurasian Natural Resources beschäftigt 72.000 Mitarbeiter. Der Marktwert der Aktiengesellschaft beläuft sich auf 26,38 Milliarden US-Dollar. - Bild: Pixabay

    Platz 8: Das Bergbauunternehmen Eurasian Natural Resources beschäftigt 72.000 Mitarbeiter. Der Marktwert der Aktiengesellschaft beläuft sich auf 26,38 Milliarden US-Dollar. - Bild: Pixabay

  • Platz 7: Der Marktwert der BAE Systems PLC beträgt 33,73 Milliarden US-Dollar. Der Luft- und Raumfahrtkonzern, mit Sitz in London, beschäftigt 82.500 Mitarbeiter. - Bild: BAE Systems

    Platz 7: Der Marktwert der BAE Systems PLC beträgt 33,73 Milliarden US-Dollar. Der Luft- und Raumfahrtkonzern, mit Sitz in London, beschäftigt 82.500 Mitarbeiter. - Bild: BAE Systems

  • Platz 6: Der Pharmakonzern AstraZeneca PLC beschäftigt 57.500 Mitarbeiter. Das 1999 gegründete Unternehmen hat einen Marktwert von 54,86 Milliarden US-Dollar. - Bild: Astra Zeneca

    Platz 6: Der Pharmakonzern AstraZeneca PLC beschäftigt 57.500 Mitarbeiter. Das 1999 gegründete Unternehmen hat einen Marktwert von 54,86 Milliarden US-Dollar. - Bild: Astra Zeneca

  • Platz 5: Anglo American mit Sitz in London ist in der Bergbaubranche tätigt. Der Marktwert beträgt 85,05 Milliarden US-Dollar, beschäftigt werden 133.900 Mitarbeiter. - Bild: Anglo American

    Platz 5: Anglo American mit Sitz in London ist in der Bergbaubranche tätigt. Der Marktwert beträgt 85,05 Milliarden US-Dollar, beschäftigt werden 133.900 Mitarbeiter. - Bild: Anglo American

  • Platz 4: Das Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline PLC beschäftigt 97.921 Mitarbeiter. Der Konzern verbucht einen Marktwert von 120,05 Milliarden US-Dollar. - Bild: Glaxo Smith Kline

    Platz 4: Das Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline PLC beschäftigt 97.921 Mitarbeiter. Der Konzern verbucht einen Marktwert von 120,05 Milliarden US-Dollar. - Bild: Glaxo Smith Kline

  • Platz 3: Das zweitgrößte britische Bergbauunternehmen Rio Tinto besitzt einen Marktwert von 165,48 Milliarden US-Dollar. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 106.000 Mitarbeiter. - Bild: Rio Tinto

    Platz 3: Das zweitgrößte britische Bergbauunternehmen Rio Tinto besitzt einen Marktwert von 165,48 Milliarden US-Dollar. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 106.000 Mitarbeiter. - Bild: Rio Tinto

  • Platz 2: BHP Billiton ist ein in London und Melbourne ansässiges Bergbauunternehmen. Die Mitarbeiterzahl beträgt 47.044. Das 2001 gegründete Unternehmen wird mit einem Marktwert von 190,62 Milliarden US-Dollar datiert. - Bild: BHP Billiton

    Platz 2: BHP Billiton ist ein in London und Melbourne ansässiges Bergbauunternehmen. Die Mitarbeiterzahl beträgt 47.044. Das 2001 gegründete Unternehmen wird mit einem Marktwert von 190,62 Milliarden US-Dollar datiert. - Bild: BHP Billiton

  • Platz 1: Der Mineralölkonzern BP PLC wurde 1917 gegründet und beschäftigt mittlerweile 83.900 Mitarbeiter. Der Marktwert des größten britischen Unternehmens beträgt 204,94 US-Dollar. - Bild: BP

    Platz 1: Der Mineralölkonzern BP PLC wurde 1917 gegründet und beschäftigt mittlerweile 83.900 Mitarbeiter. Der Marktwert des größten britischen Unternehmens beträgt 204,94 US-Dollar. - Bild: BP