BERLIN (Dow Jones/rm). “Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Deutschland auch in Zukunft ein attraktiver Standort für leistungsstarke Wachstumsmotoren wie die Chemieindustrie bleibt”, sagte Brüderle am Freitag nach dem “Branchendialog” mit der Chemieindustrie in Berlin.

Der Minister nannte die Auflösung von Selbstblockaden etwa bei der Gentechnik, die Rohstoffsicherung sowie einen fairen Emissionshandel als vorrangige Handlungsfelder. “Technologiefeindlichkeit und Rückwärtsdenken schaden Deutschland”, sagte Brüderle. Das betreffe etwa die Nanotechnologie, die ein wichtiges Zunkunftsfeld der chemischen Industrie sei. “Wir dürfen diese Schlüsseltechnologie nicht durch überzogene neue Regelungen diskreditieren, sondern im Rahmen bestehender Gesetze weiterentwickeln”, sagte Brüderle.

Für den Vizepräsidenten des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Jürgen Hambrecht, liegt die größte Herausforderung für die chemische Industrie in Deutschland in der Energiepolitik. Die Branche brauche eine “ideologiefreie” Energiepolitik basierend auf wissenschaftlichen Grundlagen, die ihr die Wettbewerbsfähigkeit sichere. “Was wir gar nicht brauchen können, sind nationale oder regionale Alleingänge”, betonte Hambrecht.

In diesem Zusammenhang appellierte der VCI-Vize und BASF-Vorstandsvorsitzende an die Bundesregierung, bei der Ökosteuer im Sparpaket “mit Augenmaß” vorzugehen und nicht an der falschen Stelle die Bremse anzusetzen. “Wir brauchen Energie als Rohstoff”, betonte Hambrecht. In bestimmten Produktlinien seien bis zu 60% des Endproduktes energieträchtig.

Die chemische Industrie sei die Querschnittsindustrie in Deutschland. Sie sei “sehr innovationsgetrieben”, sagte Hambrecht. Der chemischen Industrie sei sehr daran gelegen, auf der Innovationsschiene weiter nach vorne zu kommen. Daher dringe sie auf Forschungsförderung auch über den Weg der steuerlichen Forschungsförderung. Zugleich müsse die öffentliche Akzeptanz gerade für Innovationen und neue Technologien erhöht werden. Häufig sei der Risikoausschluss das Bestreben. “Risikoausschluss ist der Tod des Wachstums”, sagte der VCI-Vize.

Brüderle bezeichnete den hohen Wertschöpfungsanteil der deutschen Industrie als einen Faktor dafür, dass Deutschland die Krise gut habe durchstehen können. “Wir wollen diesen Anteil auch halten, weil sich erwiesen hat, dass wir mit als Erster aus der Krise herauskommen”, sagte Brüderle. Es habe sich gezeigt, dass genau dieser Mix der Wertschöpfung mit dem großen Anteil der Industrie von rund 25% dazu beigetragen habe.