FRANKFURT (Dow Jones/rm). Bereits am Donnerstag haben Rheinland-Pfalz und Thüringen höhere Garantien in Aussicht gestellt, nun ist auch Nordrhein-Westfalen bereit, beim Rettungspaket der Länder mitzuziehen.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, es sei klar, dass der fehlende Bundesbeitrag durch höhere Länderbeiträge kompensiert werden müsse. Es sei aber noch zu früh, konkrete Zahlen zu nennen. Die WAZ-Mediengruppe hatte berichtet, das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland wolle seinen Anteil auf 160 Mio EUR verdoppeln.

Wie hoch der Beitrag Nordrhein-Westfalens letztlich ausfallen werde, hänge vom Finanzbedarf Opels ab, sagte der Sprecher. Bisher hatte das Land mit dem Opel-Standort in Bochum, wo der Rüsselsheimer Autobauer rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, 78 Mio EUR zum Bürgschaftsrahmen beitragen sollen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hatte am Donnerstag in Berlin erklärt, für sein Bundesland halte er eine Garantie über rund 100 Mio EUR für möglich. Wäre Opel wie beantragt vom Deutschlandsfonds mit 1,1 Mrd EUR unterstützt worden, hätte Rheinland-Pfalz nur etwa 62 Mio EUR beitragen müssen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht stellte daraufhin Bürgschaften von rund 68 Mio EUR in Aussicht, mehr als doppelt so viel wie zuvor.

Um die Sanierung von Opel und die geplanten milliardenschweren Investitionen in die Erneuerung der Produktpalette bezahlen zu können, hatte General Motors rund 1,8 Mrd EUR Staatshilfen in den europäischen Ländern mit Opel- und Vauxhall-Standorten beantragt. Rund 1,1 Mrd EUR sollten in Form von Kreditbürgschaften aus Deutschland kommen, von denen die Bundesländer etwa die Hälfte stemmen sollten. 1,9 Mrd EUR zum gesamten Finanzierungsbedarf, den Opel-Chef Reilly am Mittwoch auf 3,3 Mrd EUR bezifferte, will die US-Mutter selbst beisteuern.

Nachdem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am Mittwoch den Antrag von Opel ablehnte, fiel der gesamte Plan in sich zusammen. Reilly sprach von einer Finanzierungslücke von 400 Mio EUR.

Offen ist noch die Haltung Hessens, wo die Opel-Zentrale in Rüsselsheim beheimatet ist. Sollte auch Hessen wie die anderen Opel-Standortländer mit höheren Beiträgen mitziehen, könnte das Loch auf diesem Wege komplett geschlossen werden. Schließlich beschäftigt Opel am Stammsitz in Rüsselsheim mit 15.000 Menschen weit mehr als die Hälfte der Gesamtbeschäftigten in Deutschland – und die Bürgschaften sollen dementsprechend auf die Länder verteilt werden.

Die hessische Staatskanzlei war ist für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Laut dem Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen werden sich die Staatssekretäre der vier Bundesländer mit Opel-Standorten am Dienstag treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Gedeckt von den Landesbürgschaften könnte Opel dann einen Kredit bei der Europäische Investitionsbank (EIB) bekommen. Nach Informationen der “Wirtschaftswoche” soll dort ein besichertes Darlehen über 800 Mio EUR beantragt werden. Ein Opel-Sprecher bestätigte bereits am Vorabend, dass mit der EU-Bank über Unterstützungsmöglichkeiten gesprochen werde. Die ins Spiel gebrachte Kredithöhe wollte er aber nicht kommentieren.

Die EIB hat verschiedene Fördertöpfe, unter anderem für die Forschung und Entwicklung umweltfreundlicher Technologien und die Automobilproduktion in strukturschwachen Gegenden. Viele europäische Hersteller und Zulieferer werden mit millionenschweren Krediten und Bürgschaften von der EIB unterstützt.

Vom Bund darf sich Opel wohl auch bei einem Antrag auf ein EIB-Darlehen keine Hilfen erhoffen. Bundeswirtschaftsminister Brüderle hatte am Morgen eine neuerliche Ablehnung eines Antrags auf eine Bundesbürgschaft signalisiert, sollte sich die Lage nicht grundlegend ändern. Der FDP-Politiker ist der Meinung, dass GM die Zukunft der Europa-Tochter dank der verbesserten Geschäftslage auch ohne staatliche Hilfe sichern kann und vor gravierenden Wettbewerbsverzerrungen gewarnt, sollte Opel Staatshilfen erhalten.