Audi, Cockpit

Im Moment ist es zappenduster für Audi in China. - Bild: Pixabay

In China, dem nach Europa größten Absatzmarkt für Audi, sackten die Verkäufe im März gar um fast 19 Prozent ab. Im bisherigen Jahresverlauf lag der Einbruch bei 22,1 Prozent. In Europa steigerte der Premiumhersteller den Absatz im März dagegen um 1,3 Prozent.

Audi ließ via Pressemitteilung verlauten, dass die Verkäufe „stark durch temporäre Sondereffekte beeinflusst“ gewesen seien. Damit meint der Autobauer einen seit Wochen dauernden Streit mit chinesischen Händlern über Konditionen und Verträge.

Der Grund für den Streit

Der Ingolstädter Premiumhersteller will in der Volksrepublik künftig unter anderem die Autos über zwei Händlergruppen statt bisher über eine Händlergruppe an die Kunden bringen. Dazu befänden sich Audi und ihr Joint-Venture-Partner FAW "im sehr konstruktiven Dialog mit ihren Partnern im Handel", teilte der Konzern mit. Zweiter Partner soll SAIC werden. "Während der laufenden Gespräche steuerten die Audi-Händler ihr Geschäft im ersten Quartal zurückhaltend", hieß es in der Mitteilung. Infolgedessen gingen die von den Handelspartnern gemeldeten Auslieferungen um 22,1 Prozent auf 108.707 Automobile zurück, im Einzelmonat März um 18,9 Prozent auf 41.371 Einheiten.   

Der Konflikt zwischen Audi und den Händlern entwickelt sich zur Never-ending-story: Bereits Mitte November 2016 erklärte Audi via Pressemitteilung: „Der langjährige Volkswagen-Konzernpartner SAIC Motor hat mit der Audi AG Kooperationsgespräche aufgenommen, um eine langfristige Zusammenarbeit zu prüfen. Hierzu wurde am 11. November 2016 eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.“

Mitte Januar 2017 meldete jedoch die Zeitung China Daily, dass Audi seine Pläne für eine Partnerschaft bei Produktion und Vertrieb mit SAIC auf Eis lege. Das Blatt berief sich dabei auf Aussagen von Volkswagen-China-Chef Jochem Heizmann.

Es werde in diesem Jahr keine Vertriebs- oder Produktionskooperation dem chinesischen Autokonzern SAIC geben. Vielmehr hätten die bestehende Zusammenarbeit mit dem chinesischen Autobauer FAW und die Profitabilität der existierenden Händler Priorität.

Grund für den Sinneswandel

Chinesische Audi-Händler - oder besser gesagt FAW-Händler, die Audi-Modelle verkaufen – drohten die geplante Kooperation zu blockieren. Scheinbar blieb es nicht bei leeren Drohungen. Die Händler orderten deutlich weniger Neuwagen bei Audi. Ein Absatz-Einbruch im Januar war die Folge.

Audi musste also spätestens Mitte Januar gemerkt haben, dass es diesen Monat kein Absatz-Fest geben werde. Am 17. Januar erklärte Audi via Pressemitteilung, dass man mit der FAW Group einen strategischen Wachstumsplan für China unterzeichnet habe. In einem 10-Jahres-Plan hat der Autobauer mit FAW 21 strategische Zukunftsfelder definiert und entsprechende Ziele vereinbart.

Dieser Plan sieht unter anderem vor, dass Audi sein lokal bei FAW-VW produziertes Modellportfolio deutlich erweitern werde und neue Segmente insbesondere mit elektrifizierten Autos erschließen werde. Von einer Kooperation mit SAIC war diesmal keine Rede mehr.

"Haben chinesische Automobilgeschichte geschrieben"

Stattdessen betonte Audi die lange und gute Partnerschaft, die man mit FAW führe. Audi-Boss Rupert Stadler sagte: „Audi und FAW haben in den vergangenen 29 Jahren chinesische Automobilgeschichte geschrieben.“ Dietmar Voggenreiter stimmte in die Lobeshymnen über FAW ein: „Wir läuten die nächste Stufe auf unserem gemeinsamen Wachtumskurs in China ein. Mehr denn je legen wir dabei gemeinsam mit unseren Partnern den Fokus auf profitables, nachhaltiges Wachstum.“ Die Wogen schienen damit eigentlich geglättet zu sein.

Doch die aktuellen Probleme bei den Verkaufszahlen deuten in eine andere Richtung. Bereits im Februar dieses Jahres warnte Autoexperte Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, dass man mit einer Prognose sehr vorsichtig sein müsse. Schließlich hatte Mercedes vor einiger Zeit ebenfalls Probleme mit dem Vertriebspartner gehabt.

Erst als diese gelöst waren, konnte die Stuttgarter Marke ihren derzeitigen Siegeszug in China starten und die Verkaufszahlen signifikant steigern. Wie China Daily – ebenfalls im Februar dieses Jahres - schrieb, werde Audi diesen März wieder konkrete Gespräche mit SAIC aufnehmen. Das könnte die FAW-Händler wieder verärgert haben.

Dabei ist der Plan von Audi in China ein zweites Vertriebsnetz aufzuziehen alles andere als ungewöhnlich. Einige ausländische Hersteller verfügen über zwei Kooperationspartner in China, um der wachsenden Nachfrage auch in der Fläche gerecht zu werden. Volkswagen beispielsweise setzt auf FAW und SAIC.

Das verdienen Autobauer pro Fahrzeug

  • Opel,Marge,Monza

    Platz 10 in unserer Margen-Galerie belegt Opel. Die Rüsselsheimer verdienen pro verkauftem Auto (im Bild das Monza-Concept-Car) gerade einmal 190 Euro. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Opel

  • VW,Marge,ID Buzz

    Mit einem Gewinn von 400 Euro pro Auto rangiert die Pkw-Sparte von VW nur auf Platz 9. Ob der hier gezeigte ID Buzz daran etwas ändern kann? - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: VW

  • Renault,Marge,Trezor

    Ob der Renault Trezor je in Serie geht, steht in den Sternen. Aber vielleicht würde er den Gewinn von 720 Euro pro Auto für seinen Hersteller anheben und ihn von Platz 8 emporheben. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Renault

  • Peugeot,Marge,Onyx

    Auf Platz 7 mit einem Gewinn von 840 Euro pro Auto sitzt der Löwe von Peugeot. Der hier gezeigte Onyx ist allerdings kein Serienmodell. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Peugeot

  • Skoda,Marge,Octavia,RS

    Erstmals vierstellig wird der Gewinn pro Auto auf Platz 6 mit Skoda. Unter anderem mit ihrem Octavia RS (im Bild) machen die Tschechen 1.590 Euro pro Auto. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Skoda

  • Mercedes,Marge,AMG,Roadster,GT

    Auf Platz 5 leuchtet der Stern von Mercedes. 3.190 Euro Gewinn streichen die Stuttgarter im Schnitt pro Auto ein. Bei dem hier gezeigten AMG GT C Roadster Edition dürfte das wohl ein anderer Betrag sein. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Mercedes

  • Audi,Marge,RS7

    Platz 4 für vier Ringe: Audi verdient im Schnitt pro Auto 3.340 Euro. Wie viel man in Ingolstadt für den hier gezeigten RS7 erlöst, ist nicht bekannt. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Audi

  • BMW,M760,Marge

    Ob der Fußballverein aus der bayerischen Landeshauptstadt mit der Platzierung seiner Nachbarn zufrieden wäre, sei dahingestellt: BMW auf Platz 3 verdient pro Auto (also auch beim gezeigten M760li) im Schnitt 3.390 Euro. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: BMW

  • Jaguar,F-Type,Marge,Land Rover

    Von wegen Understatement: Jaguar-Land Rover hält nichts von britischer Zurückhaltung. Mit einer Marge von 4.070 Euro pro Fahrzeug lassen es die Damen und Herrn von der Insel auf Platz 2 mächtig krachen. genau wie der im Bild befindliche F-Type. - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: Jaguar

  • Porsche,Marge,918

    Was soll man sagen? Wer derart unangefochten auf Platz 1 steht wie Porsche (im Bild der 918 Spyder), der ist über Mäkeleien erhaben: 15.640 Euro Gewinn macht man in Zuffenhausen pro Auto. Respekt! - Quelle: CAR Uni Duisburg / Bild: