Immer mehr deutsche Unternehmen nutzen in China lokale Logistik-Angebote - ob alle Anbieter so arbeiten wie dieser Herr darf aber natürlich bezweifelt werden.

Immer mehr deutsche Unternehmen nutzen in China lokale Logistik-Angebote - ob alle Anbieter so arbeiten wie dieser Herr darf aber natürlich bezweifelt werden. - Bild: Pixabay

In den letzten Jahren konnten laut Studie die chinesischen Logistik-Anbieter im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz die Zufriedenheit ihrer Kunden im Transport- und Lagerwesen sowie bei der Überwachung der Supply Chain teils erheblich steigern. Grundlage der Studie ist eine aktuelle Befragung von 200 deutschen Unternehmen, die in China aktiv sind, sowie eine Gegenüberstellung der Ergebnisse mit Daten aus dem Jahr 2011.

Zufriedenheit steigt

Ein Vergleich zu einer PwC-Erhebung aus dem Jahr 2011 zeigt, dass die hohe Zufriedenheit der deutschen Kunden mit ihren chinesischen Logistikern im Transportsegment steigt (+7 Prozentpunkte), während sie mit den internationalen Logistikern (-8 Prozentpunkte) abnimmt. In den Bereichen Lagerhaltung und Überwachung der Supply Chain zeigt sich die gleiche Entwicklung.

„Für chinesische Logistiker sind ihre steigende Reputation im Heimatmarkt sowie der wachsende Markt für grenzüberschreitende Paketdienste optimale Voraussetzungen, ihre Marktanteile global auszubauen. Vor allem für internationale Expressdienstleister sollte das ein Warnzeichen sein, denn zufriedene Kunden chinesischer Logistikdienstleister im größten Logistikmarkt der Welt sind eine gute Basis, um auch den europäischen und amerikanischen Markt erfolgreich zu durchdringen.“, sagt Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC.

Logistik-Kompetenz entwickelt sich branchenabhängig

Im chinesischen Markt sind Know-how und Können der Logistikdienstleister nach Einschätzung der befragten deutschen Unternehmen im Durchschnitt über alle Branchen bei den Sicherheitsstandards, dem Risikomanagement und der Speziallagerung gestiegen. Qualitätsmanagement, Mitarbeiterqualifikation und Hygienestandards haben dagegen nachgelassen – diese Ergebnisse variieren jedoch stark je nach Branchenzugehörigkeit.

So können beispielsweise die Logistikdienstleister die Ansprüche der Handels- und Konsumgüterunternehmen bei den Sicherheitsstandards heute deutlich besser erfüllen als in 2011 (+13 Prozentpunkte). Im Maschinenbau dagegen sehen in diesem Segment heute weniger Unternehmen einen hohen Entwicklungsstand der Anbieter (-6 Prozentpunkte) als in der letzten Befragung. In der Automobilbranche sind im Bereich Risikomanagement (+12 Prozentpunkte) die Bewertungen für eine hohe Leistungsfähigkeit der Logistiker stärker gestiegen als im Durchschnitt aller befragten Unternehmen (+5 Prozentpunkte).

„Logistiker sind im Automobilsektor auf einem guten Weg, sich als kompetenter Partner bei der Vermeidung von Produktionsausfällen zu positionieren. Insbesondere im Maschinenbau schraubt die Angst vor Industriespionage oder Sabotage die Ansprüche der Kunden nach oben und immer weniger Unternehmen sehen ihr Sicherheitsbedürfnis bei den Logistikern erfüllt“, meint Dietmar Prümm.

  • Im Rahmen der Forschungs-Kooperation zwischen DB Schenker, MAN Truck & Bus und der Hochschule Fresenius werden vernetzte Lkw-Kolonnen über mehrere Monate im realen Logistikeinsatz auf der A9 zwischen München und Nürnberg getestet

    Im Rahmen der Forschungs-Kooperation zwischen DB Schenker, MAN Truck & Bus und der Hochschule Fresenius werden vernetzte Lkw-Kolonnen über mehrere Monate im realen Logistikeinsatz auf der A9 zwischen München und Nürnberg getestet. - Bild: MAN

  • Beim Platooning stellt ein eigens entwickeltes Display den Fahrern zahlreiche zusätzliche Informationen zum vernetzten Fahren in der Kolonne zur Verfügung

    Beim Platooning stellt ein eigens entwickeltes Display den Fahrern zahlreiche zusätzliche Informationen zum vernetzten Fahren in der Kolonne zur Verfügung. - Bild: MAN

  • DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius bringen vernetzte Lkw erstmals in die Praxisanwendung in der Logistikbranche

    DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius bringen vernetzte Lkw erstmals in die Praxisanwendung in der Logistikbranche. - Bild: MAN

  • Die verwendete Sensorik basiert zum einen auf vorhandenem Kamera- und Radarsensor, die bereits heute für den Notbremsassistenten EBA und den abstandsgeregelten Tempomaten ACC zur Anwendung kommen, zum anderen auf einem Laserscanner im Folgefahrzeug für die Erkennung von Längs- und Querabstand

    Die verwendete Sensorik basiert zum einen auf vorhandenem Kamera- und Radarsensor, die bereits heute für den Notbremsassistenten EBA und den abstandsgeregelten Tempomaten ACC zur Anwendung kommen, zum anderen auf einem Laserscanner im Folgefahrzeug für die Erkennung von Längs- und Querabstand. - Bild: MAN

  • Beim Platooning reagiert der hintere Lastwagen direkt und ohne aktives Eingreifen des Fahrers. Der Fahrer behält jedoch immer die Hände am Steuer

    Beim Platooning reagiert der hintere Lastwagen direkt und ohne aktives Eingreifen des Fahrers. Der Fahrer behält jedoch immer die Hände am Steuer. - Bild: MAN

  • Jetzt hat MAN an seinem Münchner Stammsitz die Testfahrzeuge für das gemeinsame Platooning-Projekt an DB Schenker und die Hochschule Fresenius übergeben. Ewald Kaiser, Chief Operating Officer DB Schenker (Mitte) und Prof. Dr. Christian T. Haas (rechts), Prodekan Forschung an der Hochschule Fresenius, nahmen die Schlüssel für die neuen MAN-Platooning-Fahrzeuge von Dr. Frederik Zohm (links), Vorstand Forschung und Entwicklung der MAN Truck & Bus AG, entgegen

    Jetzt hat MAN an seinem Münchner Stammsitz die Testfahrzeuge für das gemeinsame Platooning-Projekt an DB Schenker und die Hochschule Fresenius übergeben. Ewald Kaiser, Chief Operating Officer DB Schenker (Mitte) und Prof. Dr. Christian T. Haas (rechts), Prodekan Forschung an der Hochschule Fresenius, nahmen die Schlüssel für die neuen MAN-Platooning-Fahrzeuge von Dr. Frederik Zohm (links), Vorstand Forschung und Entwicklung der MAN Truck & Bus AG, entgegen. - Bild: MAN

Mehrheit bemängelt Digitalisierungsgrad

Über alle Branchen bewerten die deutschen Unternehmen den Digitalisierungsgrad der chinesischen Anbieter ähnlich, denn die Fähigkeit zur Analyse von Datenmengen, Programmierkenntnisse und die Nutzung moderner Medien betreffen alle Branchen gleich: Zwar vergibt jedes vierte Unternehmen Bestnoten an die Logistiker auf dem chinesischen Markt – die Mehrheit (58 Prozent) der Befragten sieht die Fähigkeiten jedoch eher im mittleren bis niedrigen Bereich.

Zurück zum eigenen Fuhrpark

 Ein weiterer wichtiger Trend: Unternehmen holen Transportleistungen wieder in die eigene Firma zurück und entziehen damit externen Dienstleistern die Aufträge.  Im Automobilsektor ist der Anteil von Unternehmen mit eigenem Fuhrpark um 22 Prozentpunkte und im Maschinenbau um sechs Prozentpunkte gestiegen. Als Gründe werden vor allem mangelnde Flexibilität (83 Prozent) und Nichterfüllung der Qualitätsansprüche (73 Prozent) angeführt. 

Mangel an qualifiziertem Personal spitzt sich zu

Die deutschen Automobil- und Maschinenbauunternehmen in China geben im Vergleich zu 2011 deutlich größere Probleme an, qualifiziertes Personal für den Logistikbereich zu finden. Eine Ausnahme bilden die Konsumgüterunternehmen: 82 Prozent finden ausreichend Personal für ihre Logistikabteilungen und damit 20 Prozent mehr als im Handel, dem Maschinenbau und in der Automobilindustrie.

„Das positive Image deutscher Produkte macht deutsche Konsumgüterhersteller als Arbeitgeber attraktiv. Aufgrund der demografischen Entwicklung zeichnet sich allerdings mittelfristig ein erheblicher Fachkräftemangel ab“, erklärt Gerd Bovensiepen, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC in Deutschland und EMEA.

Kontraktlogistiker verlieren Kunden in China

2011 gab noch ein Viertel der befragten Unternehmen an, einen Logistiker mit Mehrwertdienstleistungen zu beauftragen - 2017 sind es nur noch 16 Prozent. Effizienz, Flexibilität sowie Unabhängigkeit von Dienstleistern sind die wichtigsten Ausschlusskriterien. Die Unternehmen schätzen dennoch das Potenzial für die Kontralogistik aktuell höher ein als 2011, sofern qualifizierte Anbieter auf dem Markt sind. 

Unternehmen bauen Marketing, Vertrieb und After-Sales Services aus

 „China ist aufgrund der reinen Marktgröße und der weiter steigenden Kaufkraft der markenaffinen und kauffreudigen Mittelschicht ein „Must Play“-Markt für deutsche Unternehmen“, kommentiert Gerd Bovensiepen.  Da inzwischen China als Absatzmarkt im Vordergrund steht, haben die Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten in den letzten Jahren verändert. Sie bauen kundennahe Prozesse wie Marketing, Vertrieb und After-Sales-Services stark aus und vor allem mittelständische Unternehmen fahren den Anteil der Beschaffung und Produktion in China deutlich zurück.

Über die Studie

Für die Studie „Deutsche Unternehmen in China – Logistikprozesse im Wandel“ hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC 200 in China aktive deutsche Unternehmen zum chinesischen Logistikmarkt befragt. Sie stammen aus den Bereichen Maschinenbau, Automobilbau, Handel und Konsumgüter.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.pwc.de/China-Logistik-2018

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