Bild: Imago

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DÜSSELDORF (ks). Immer mehr Unternehmen aus Schwellenländern kaufen sich durch Mehrheitsübernahmen in Industrieländern ein. Im vergangenen Jahr ist dieses Segment mit einer Wachstumsrate von 26% fast drei Mal schneller angestiegen als der Gesamtmarkt für Mergers & Acquisitions (M&A), der immerhin wieder mit 10% zugelegt hat. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney hervor, für die der weltweite Markt für Mehrheitsübernahmen seit 2002 analysiert wurde. Der Anteil von Fusionen zwischen etablierten Nationen und Schwellenländern erreichte im vergangenen Jahr mit 9% wieder den Höchststand von 2008. Dies bestätigt die Prognose, dass es sich bei dieser wirtschaftlichen Kräfteverschiebung um einen nachhaltigen Trend handelt.

Nach einem dynamischen Wachstum zwischen 2004 und 2007 und einem enormen Rückgang während der Weltwirtschaftskrise ging in 2010 mit dem wirtschaftlichen Aufschwung auch ein Anstieg der M&A-Aktivitäten einher. Vor allem die Anzahl der grenzübergreifenden Deals zwischen Unternehmen aus Emerging und etablierten Ländern ist von 1.705 in 2009 auf 2.145 in 2010 gestiegen. Dies entspricht einem Wachstum von 26%.

„Wir erwarten, dass die Zahl der Transaktionen, die aus den Emerging Markets kommen, in den nächsten Jahren weiter deutlich steigen wird”, sagt der Autor der Studie Dr. Joachim von Hoyningen-Huene von A.T. Kearney. Die Akquisitionen aus China wachsen mit großem Abstand am rasantesten. Indien liegt zwar im Untersuchungszeitraum 2002 bis 2010 mit 774 Mehrheitsakquisitionen noch vor China mit 520, allerdings wächst die Anzahl der Deals in China (jährliches Wachstum 2006-2010 um 42%) rasant, während sie in Indien stagniert. Dr. Jürgen Rothenbücher, Partner bei A.T. Kearney: „Es gibt einen hohen Nachholbedarf bei chinesischen Käufern. Sie haben sehr viel später als ihre indischen Nachbarn damit begonnen, aktiv in westliche Märkte vorzustoßen.“

Die Transaktionsaktivitäten werden sowohl auf der Käufer-, als auch auf der Verkäuferseite von asiatischen Unternehmen dominiert. China ist ein strategisch wichtiger Markt und mit einem Anteil von 24% das attraktivste Zielland unter den Schwellenländern, gefolgt von Indien und Brasilien mit einem Anteil von 6 bzw. 5%.

Zudem findet jede vierte Mehrheitstransaktion von Unternehmen aus etablierten Ländern in Schwellenländern ihren Übernahmekandidaten in China. „Dies unterstreicht die Dominanz mit der China in den Köpfen der Top-Manager präsent ist. Häufig werden dabei allerdings den Chancen in anderen Emerging Markets zu wenig Beachtung geschenkt und die Risiken in China nicht hinreichend berücksichtigt“, so von Hoyningen-Huene.

Rohstoffsicherung wird immer wichtiger

Neben Marken, Zugang zu neuen Märkten und Kunden in Industrieländern und Prozess Know-how als traditionelle Hauptmotive für Käufer aus Schwellenländern gewinnt auch die Rohstoffsicherung (Mining) immer mehr an Bedeutung. Das beweist auch die größte chinesische Akquisition aller Zeiten in der Oil & Gas Industrie. So hat das spanische Unternehmen Repsol SA Ende letzten Jahres 40% seiner Anteile in Brasilien für 7,1 Mrd Dollar an das chinesische Großunternehmen Sinopec verkauft.

Schwellenländer gewinnen immer mehr an Bedeutung

In Summe zeigt sich, dass die Schwellenländer immer einflussreicher werden und deren Bedeutung stetig zunimmt. „Unsere Prognose ist, dass in 2024 die Hälfte des weltweiten GDP von Schwellenländern erwirtschaftet wird“, sagt von Hoyningen-Huene: „So erwarten wir, dass auch in diesem Jahr die Übernahme von Unternehmen aus Schwellenländern nochmal deutlich an Fahrt gewinnt. Westliche Unternehmen haben ihre Finanzen mittlerweile wieder im Griff und werden nun einen Teil der freien Mittel in die Expansion in wachsende Märkte investieren. Zudem sind auch die Kredit-Märkte wieder sehr viel aufnahmefähiger als es noch vor einem Jahr der Fall gewesen ist.“