SMTG will den Schiess-Standort Aschersleben zu einer Art Forschungs- und Entwicklungszentrum

SMTG will den Schiess-Standort Aschersleben zu einer Art Forschungs- und Entwicklungszentrum ausbauen.

von Wolfgang Bahle

LANDSBERG (sm). Für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist China längst zum wichtigsten Auslandsmarkt geworden. Laut Zahlen vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) wurden im vergangenen Jahr (Jan. bis Nov.) Maschinen im Wert von über 1,5 Milliarden Euro in das Reich der Mitte ausgeführt. Das ist ein knappes Drittel des gesamten deutschen Werkzeugmaschinenexports und mehr als doppelt so viel wie noch 2006. Dies macht deutlich, welche Dynamik der chinesische Werkzeugmaschinen-Markt entwickelt hat. Dabei scheint dieser von der Rezession noch zusätzlich profitiert zu haben. „Vor der Finanzkrise wurden in China hauptsächlich Maschinen aus dem niedrigeren Marksegment nachgefragt“, sagte Che Xinjia, President der Shenyang Machine Tool Co. Ltd. (SMTCL) auf dem internationalen Kongress „China Day“ auf der diesjährigen EMO in Hannover. Das habe sich nach 2009 stark verändert. „Zur Zeit werden in China Maschinen aus dem mittleren Segment am stärksten gekauft, die Nachfrage nach Highend-Maschinen nimmt aber eindeutig zu.“ Diese Einschätzung wird auch von einer im September vorgestellten gemeinsamen Studie des VDW und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC geteilt. Danach wird in China das Marktvolumen des Highend-Segments, das in der Studie für 2010 mit 3,6 Mrd Euro angegeben wird, auf voraussichtlich über 10 Mrd Euro im Jahr 2015 steigen.

Zwar werden die in diesem Marksegment hervorragend aufgestellten deutschen Werkzeugmaschinenproduzenten von diesem Trend profitieren, doch die Hauptgewinner sind die Chinesen selbst. Denn längst sind die Erben Maos mit einem Produktionsvolumen von knapp 10 Mrd Euro im Jahr 2010 zum weltweit größten Produzenten von Werkzeugmaschinen aufgestiegen, noch vor den Japanern und den Deutschen. „Rund zehn Prozent der Werkzeugmaschinen aus chinesischer Produktion wird inzwischen exportiert“, sagte der CEO der China Machine Tool and Tool Builders Association, Wu Baili, auf dem China-Kongress in Hannover. Auch an die Destination Deutschland, die im chinesischen Werkzeugmaschinen-Exportranking aktuell allerdings nur Platz fünf einnimmt.

Welche Strategien Chinas Werkzeugmaschinenhersteller verfolgen, um den inländischen Markt im Highend-Segment möglichst schnell mit eigenen Produkten beliefern zu können, zeigt das Beispiel Schiess. Vor sieben Jahren wurde der damals insolvente Spezialist für Großbearbeitungszentren mit Sitz im ostdeutschen Aschersleben von Shenyang Machine Tool Group (SMTG) übernommen. SMTG, in der neben SMTCL aus Shenyang die Yunnan CY Group und die Kunming Machine Tool Co. Ltd. aus Kunming sowie Schiess in Aschersleben zusammengefasst sind, ist inzwischen mit 1,5 Mrd Euro Umsatz im Jahr 2010 zur Nummer drei im Branchen-Ranking der weltweiten Top Ten aufgerückt. Gestärkt durch frisches chinesisches Kapital und ein neues Produktportfolio ist der Hersteller mit dem berühmten Namen und aktuell wieder fast 400 Mitarbeitern inzwischen auf Erfolgskurs. Geplant ist, den Standort Aschersleben unter dem Dach von SMTG zu einer Art Forschungs- und Entwicklungszentrum auszubauen, weshalb in den kommenden Jahren 30 Mio Euro investiert werden sollen. „Bei Schiess werden dann die Prototypen für SMTG konstruiert und für die spätere Serienproduktion in China getestet und optimiert“, erklärte Ömer Sahin Ganiyusufoglu, Consultant to Chairman bei SMTG, auf dem China-Tag in Hannover die Strategie. Mit dem „Smart“ genannten Konzept, wobei die einzelnen Buchstaben firmenintern für Begriffe wie Simple, Maintenance friendly, Adaptable oder Reliable stehen, will die Shenyang-Gruppe in den Fertigungstechnologien Fräsen, Bohren und Drehen schon sehr bald die vorderen Plätze einnehmen. Und zwar global und in allen Marktsegmenten, einschließlich des Highend-Bereichs.