China

Der chinesische Riese streckt seine Hand zunehmend nach deutschen Unternehmen aus. - Bild: pixabay/davidpheat

Kuka, Aixtron und SGL Carbon: Das sind nur einige der vielen Namen, die aktuell zu hören sind, wenn es um Investitionen aus China geht. Die M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2016 deutlich zugenommen und könnten bis Jahresende sogar neue Rekorde erreichen. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC prognostiziert in ihrer Analyse "Chinesische M&A-Aktivitäten in Deutschland" für das 1. Halbjahr 2016 verglichen zum Vorjahreszeitraum einen signifikanten Anstieg der Transaktionsvolumen auf 3,4 Mrd. Euro von 737 Mio. Euro ersten Halbjahr 2015.

Die Zahl der Fusionen und Übernahmen wird sich der PwC-Halbjahresprognose zufolge auf 30 von 18 im gleichen Zeitraum 2015 nahezu verdoppeln. Verglichen dazu schlugen im 2. Halbjahr 2015 rund 17 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 503 Mio. Euro zu Buche.

"2016 wird nach derzeitigem Stand ein Rekordjahr für chinesische Investitionen in Deutschland werden", sagt Martin Schwarzer, Partner und Co-Head Mergers & Acquisitions bei PwC in Deutschland. Angetrieben wird diese Entwicklung durch den anhaltenden Wachstumsdruck der chinesischen Wirtschaft.

Die vereinfachten Genehmigungsprozesse rufen auch neue Investoren auf den Plan: Während in den vergangenen Jahren häufig der Branchenprimus als Käufer auftrat, gehen nun vermehrt auch chinesische Firmen aus der zweiten Reihe in Deutschland auf Einkaufstour.

"Bei ihren M&A-Transaktionen fokussieren sich Käufer aus China mittlerweile häufig auf Carve-outs deutscher Konzerne oder Familienunternehmen. Hauptgründe für die chinesischen Investitionen sind der deutsche Markteintritt sowie der Erwerb neuer Technologien, Expertise und Marken."

Die Zahl der börsennotierten Investoren aus Fernost dürfte 2016 ebenfalls kräftig steigen. "Börsennotierte Investoren verfügen häufig über eine gute Stellung in ihren Märkten, ein international erfahrenes Management und die notwendigen finanziellen Ressourcen für erfolgreiche M&A-Transaktionen", begründet Schwarzer diesen Trend.

UK und Deutschland wichtigste Zielländer in Westeuropa

Bei ihren M&A-Transaktionen fokussieren sich Käufer aus China mittlerweile häufig auf Carve-outs deutscher Konzerne oder Familienunternehmen. Hauptgründe für die chinesischen Investitionen sind der deutsche Markteintritt sowie der Erwerb neuer Technologien, Expertise und Marken.

Gleichzeitig richten die chinesischen Interessenten ihr Augenmerk auf neue Branchen in Deutschland. So werden Investitionen in die Bereiche Konsumgüter, Umwelt- und Automatisierungstechnik sowie in Gewerbeimmobilien zulegen. In den vergangenen fünf Jahren investierten chinesische Käufer bevorzugt in deutsche Industrieunternehmen, insbesondere in Maschinen- und Anlagenbauer sowie in die Automobilbranche.

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland damit nach Großbritannien eines der wichtigsten Zielländer für chinesische Investoren. Die bislang größte abgeschlossene Transaktion auf dem deutschen Markt war der Verkauf des niedersächsischen Waste to Energy-Unternehmens EEW an Beijing Enterprises für mehr als 1,4 Mrd. Euro Anfang 2016.

Strategische Überlegungen gewinnen bei den Transaktionen ebenfalls deutlich an Gewicht. Chinesische Investoren füllen ihre Rolle als neue Gesellschafter in den übernommenen Unternehmen zunehmend mehr aus und investieren über den Kaufpreis hinaus in ihre Beteiligungsunternehmen. "Für einen chinesischen Investor muss sich die Investition nicht kurzfristig amortisieren", sagt Schwarzer. "Sehr häufig wird auch die Vereinbarung getroffen, dass die Gewinne der ersten Jahre nach der Übernahme nicht ausgeschüttet werden."

Während bis 2010 vorwiegend chinesische Staatsunternehmen in Deutschland auf Einkaufstour gingen, treten seither zunehmend auch Privatunternehmen insbesondere aus Südchina in Erscheinung, die deutlich aktiver als die meisten Staatsunternehmen vorgehen. "Beim Verkaufsprozess zeigt sich insgesamt, dass die chinesischen Investoren und ihre M&A-Teams immer professioneller auftreten", erläutert Schwarzer. Entsprechend hat die Zahl der Fehlinvestitionen deutlich abgenommen.