Chiptuning Fotolia Kzenon

Chiptuner kennen sich in der Motorensteuerung genau aus: Durch nachträgliche Änderung der KfZ-Software steigern sie die Leistung. - Bild: Kzenon/Fotolia

"Für uns sind das alles alte Kamellen", sagt Dietmar Domröse, Inhaber der Tuningfirma Domröse Diesel. "Wir wissen schon seit mindestens acht Jahren, dass diese Softwarestruktur auf den Steuergeräten implantiert ist. Das Problem ist natürlich, dass es für Nicht-Fachleute kaum einsichtig ist, was da passiert", erklärt Domröse und ergänzt: "VW hätte die Sache mindestens drei Mal auf dem kleinen Dienstweg klären können – aber vielleicht vor drei, vier, fünf Jahren... Die haben das aber aus Arroganz so lange laufen lassen, bis die EPA den großen Hammer rausgeholt hat."

Im Gegensatz zu Chiptunern, die quasi wie ein Hersteller ein neues Programm für die Motorsteuerung schreiben, hat VW laut Domröse zwei parallele Programmstrukturen installiert – einmal für den Prüfstand und einmal für die normale Straße.

Das machen alle so

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Nach Einschätzung von Bosch-Chef Volkmar Denner werden Verbrennungsmotoren noch lange als Übergangstechnologie zum Elektroantrieb gebraucht. - Bild: Bosch

Mit diesem Trick arbeite allerdings nicht nur VW: "Das machen alle so, da gibt es überhaupt keine Unterschiede. Der Hersteller dieser Steuergeräte hat die Grundstruktur mit den zwei unterschiedlichen Programmen geschaffen. Im Fall von VW ist das Bosch, aber das machen andere Steuergerätehersteller genauso", weiß der Tuning-Spezialist.

Allerdings komme es bei den Manipulationen und den entstehenden Abweichungen stark darauf an, wie schlecht der Motor in Wirklichkeit sei. "BMW etwa steht besser da und liegt viel näher an den offiziellen Werten", sagt Domröse. Außerdem verkaufe BMW in den USA kaum Dieselfahrzeuge, während VW sich mit massiven Werbekampagnen "in die Nesseln gesetzt" habe.

Hinzu kommt, das BMW in den USA kaum Diesel verkauft, sie spielen zahlenmäßig keine Rolle. "VW hat hingegen auf das Dieselpferd gesetzt und mit einer riesen Kampagne den Clean Diesel beworben. Insbesondere mit dem Werbefirm mit den ‚Älteren Damen‘ hat sich VW in die Nesseln gesetzt. Ein hochrangiger Kontrolleur in den USA hat es so ausgedrückt: In Amerika kommt es gar nicht gut an, wenn man alte Mütterchen verarscht."

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Umfrage zur Messung der Pkw-Abgas- und Verbrauchswerte unter realen Bedingungen. Quelle: Greenpeace

Geld darf das doch jetzt nicht kosten!

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Dieselmotor eines VW-Pkw. - Bild: VW

Dass die nun von VW angekündigte Rückrufaktion ohne eine Beeinträchtigung der Fahrzeugeigenschaften auskommt, hält der Chiptuner für sehr unwahrscheinlich: "Wenn man nur den Prüfstandmodus mit den guten Abgaswerten drauf lässt, werden die Autos weniger Leistung haben. Und ich glaube nicht, dass VW größere Katalysatoren oder andere teure Teile einbauen wird – Geld darf das doch nicht kosten! Das muss alles mit einem Software-Update gehen."

Wie scharf die Behörden dann am Ende tatsächlich kontrollieren, wer den Rückruf mitgemacht hat und wer nicht, das sei bislang nicht absehbar. Aber natürlich könne es sein, dass VW die Liste mit den angeschriebenen Fahrern auch an die Behörden weitergeben müsse. Denjenigen, die sich dem Rückruf verweigern, könnte dann der Entzug der Zulassung drohen.

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