Commerzbank, Zentrale

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. - Bild: Commerzbank AG

Das ist auch gut so, denn die Herstellung von "Kraftwagen und Kraftwagenteilen", wie es in der amtlichen Statistik heißt, ist nicht nur für Deutschland, sondern auch für einige osteuropäische Länder ein wichtiges wirtschaftliches Standbein.

"Daimler, Volkswagen und BMW verfügen über ausreichende Liquidität im Konzern. Die Kosten der Rückrufe und auch einer möglichen Kartellstrafe sind daher zu verkraften", schreiben die Volkswirte Bernd Weidensteiner und Marco Wagner in einer Studie. Sie sind der Ansicht, dass diese Unternehmen den bevorstehenden Rückruf von 5,3 Millionen Dieselfahrzeugen wegen ihrer hohen Bruttoliquiditätsausstattung nicht fürchten müssen. Die Commerzbank beziffert diese Liquidität bei Volkswagen auf 38,5 Milliarden Euro, bei Daimler auf 21,8 Milliarden und bei BMW auf 20,5 Milliarden.

Zukunft des Diesel auch von Exportmärkten abhängig

Eine andere Frage ist, wie die Zukunft des Diesels aussieht. In Deutschland ist sein Anteil von einem Viertel im Jahr 2008 auf aktuell ein Drittel gestiegen. Das war politisch gewollt, der Staat besteuert Diesel weniger hoch als Benzin. Zuletzt zeigten die Zulassungszahlen jedoch eher nach unten. Entscheidend wird aber auch sein, wie sich ausländische Absatzmärkte verhalten werden. 2016 wurden drei Viertel der in Deutschland produzierten Autos exportiert.

China, dessen Markt in den vergangenen Jahren die größten Zuwachsraten aufwies, könnte sich vor dem Hintergrund des Diesel-Skandals laut Commerzbank erneut als Glücksfall für Volkswagen, Daimler und BMW erweisen. "Den Autoherstellern könnte zupass kommen, dass gerade in den Wachstumsmärkten das Umweltbewusstsein geringer ist als in europäischen Ländern und den USA", schreiben Weidensteiner und Wagner.

Für Deutschland hängt vom Erfolg seiner Autobauer einiges ab. Laut Commerzbank ist die Automobilbranche mit einem Anteil von 18 Prozent an der Bruttowertschöpfung der wichtigste Wirtschaftszweig im verarbeitenden Gewerbe, das selbst wiederum 23 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung ausmacht.

2 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im Automobilsektor

Alleine im Automobilsektor - die offizielle Statistik grenzt dies unter dem Begriff der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen ab - arbeiten 840.000 Personen, also rund 2 Prozent der Erwerbstätigen. Der Automobilsektor ist sehr zyklisch und damit wichtiger Impulsgeber für die deutsche Industrie.

Nach dem tiefen Einbruch in der Krise von 2008 fuhr er sehr schnell aus dem Konjunkturtal und ließ andere Wirtschaftszweige des verarbeitenden Gewerbes hinter sich. So erreichte die Produktion im produzierenden Gewerbe (ohne Kraftfahrzeuge) das Vorkrisenniveau erst 2017, die Automobilbranche brauchte dafür nur drei Jahre.

Auch für andere Länder, vor allem osteuropäische, ist der deutsche Autosektor wichtig. 2016 fertigten deutsche Autobauer nur ein gutes Drittel ihrer Fahrzeuge im Inland, 5,7 Millionen. Im Ausland wurden dagegen über 10 Millionen Fahrzeuge hergestellt.

Mehr als 10 Prozent der deutschen Importe entfallen auf Kraftwagen und Kraftwagenteile. Die vornehmlichen Lieferländer sind Tschechien, Spanien und Ungarn - typische Herstellerländer von Kfz-Vorprodukten. Zugleich machen Kraftwagen und Kraftwagenteile rund 18 Prozent der deutschen Exporte aus, wobei die USA, Großbritannien und China die drei wichtigsten Zielländer sind.

Die Mobilität der Zukunft

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