FRANKFURT (Dow Jones/rm). Damit ist für Conti nach der erfolgreichen Emission einer 750-Mio-EUR-Anleihe sowie einer über den Erwartungen liegenden Erholung der operativen Performance die Gefahr einer weiteren Herabstufung durch Moody’s vorerst gebannt.

Allerdings gab die Ratingagentur am Donnerstag zu bedenken, dass die Möglichkeiten eine Heraufstufung der Kreditwürdigkeit trotz der Verbesserungen auf operativer Ebene durch die Unsicherheiten mit Blick auf Art und Tempo der geplanten Eingliederung in die Schaeffler-Gruppe eingeschränkt würden. Zudem sei der Großaktionär Schaeffler durch die Übernahme der Hannoveraner selber hoch verschuldet.

Bis 2012 will Conti eigentlich auch wieder für konservativere Anleger interessant werden. Bis dahin sei ein Rating im Investmentgrade-Bereich erreichbar, hatte der Finanzvorstand des MDAX-Konzerns, Wolfgang Schäfer, Anfang Mai zu Dow Jones Newswires gesagt. Derzeit gilt der Hannoveraner Automobilzulieferer für Anleger als sehr spekulative Investition.

Moody’s hatte Contis Kreditwürdigkeit im August vergangenen Jahres auf “B1″ mit negativem Ausblick gesenkt – eine Einstufung, bei der die langfristigen Zinszahlungserwartungen als “gering” beurteilt werden. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet Conti mit “B+”, also vergleichbar schwach. Als Investmentgrade gelten Bewertungen ab “Baa3″ (Moody’s) beziehungsweise “BBB-” (S&P) aufwärts.

Die angestrebte Anlagebonität beziehen sich jedoch auf Conti alleine, wie Schäfer betont hatte. Die Hannoveraner wollen mit ihrem Großaktionär Schaeffler zusammengehen; Gespräche darüber beginnen jedoch nicht vor dem nächsten Jahr. Beide Unternehmen drücken Milliardenschulden, nachdem Conti die einstige Siemens VDO zu teuer gekauft hatte und Schaeffler sich an der Übernahme von Conti beinahe verhoben hätte.

Die Einnahmen aus der jüngsten Anleihe-Platzierung wollen die Hannoveraner einsetzen, um einen Teil ihrer Kredite aus dem Kauf der ehemaligen Siemens-VDO aus dem Jahr 2007 zurückzuzahlen. Ende März stand Conti mit gut 8 Mrd EUR bei den Banken in der Kreide. Vorstandsvorsitzender Elmar Degenhart will den Schuldenberg bis zum Jahresende auf 7,8 Mrd EUR abschmelzen. Die Geldhäuser hatten darauf gedrungen, einen Teil der Darlehen durch eine Anleihe abzulösen.

Die Anleihe ist die dritte Säule in der finanziellen Neuaufstellung des Konzerns. Ende vergangenen Jahres hatte Conti von den Banken eine Finanzspritze und mehr Zeit für die Rückzahlung eines milliardenschweren Großkredites bis August 2012 bekommen. Dann werden auf einen Schlag rund 7,5 Mrd EUR fällig. Zu Jahresbeginn spülte eine Kapitalerhöhung gut eine Milliarde Euro in die Kassen des Konzerns.