Von Katharina Becker, Dow Jones

HANNOVER (ks)–Conti kehre “schrittweise zu früherer Stärke zurück”, erklärte der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart am Mittwoch. Im Gesamtjahr 2010 rechnet Conti statt bislang gut 23 Mrd Euro nun mit einem Umsatz von mehr als 25 Mrd Euro.

Auch unter dem Strich sollen nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten wieder schwarze Zahlen stehen. Das Ergebnis könne wegen unerwartet hoher Zahlungen an das Finanzamt etwa durch steuerlich nicht verrechenbarer Verluste in den USA und Deutschland mit Gewinnen in China oder Brasilien nicht mit der guten Geschäftsentwicklung mithalten, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Interview mit Dow Jones Newswires. Conti rechnet nach Abzug von rund 50% Steuern mit einem Gewinn von lediglich 400 Mio Euro nach einem Verlust von 1,5 Mrd Euro im Vorjahr.

Gestiegene Rohstoffkosten, vor allem für Naturkautschuk, die Schließung der Lkw-Reifenproduktion in Hannover, weitere Abschreibungen auf den Kaufpreis der einstigen Siemens VDO sowie hohe Zinsen für Kredite und Anleihen dürften Conti zwar weiter belasten. Dennoch wollen die Hannoveraner eine bereinigte Rendite (EBIT-Marge) von 9% nach 5,8% im Vorjahr erreichen. Im ersten Halbjahr lag die Marge bei 8,0%. Bislang hatte Conti bis zu 8,5% für möglich gehalten.

Und die Hannoveraner scheinen auf dem besten Wege: Weltweit anziehende Autoverkäufe, ein starkes Reifengeschäft und der strikte Sparkurs haben dem Hannoveraner MDAX-Konzern von Juli bis September unter dem Strich einen Gewinn von 14 Mio Euro beschert.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres schwächte sich der rasante Anstieg der Umsätze zwar wie erwartet ab. Trotz mancher Warnungen vor einer länger andauernden Krise in den USA und einem schwächeren Wachstum in Asien rechnet Conti aber nicht mit Bremsspuren im eigenen Geschäft. “Wir hören das, spüren es aber nicht”, sagte Schäfer. Auch im ersten Quartal des kommenden Jahres sehe er eine anhaltend positive Entwicklung in den USA, ein starkes Wachstum in Asien und ein stabiles Geschäft in Europa.

Erfolge konnten die Hannoveraner im bisherigen Jahresverlauf beim Schuldenabbau vermelden. Conti stand durch den VDO-Kauf Ende des Jahres 2009 mit knapp 8,9 Mrd Euro bei den Geldgebern in der Kreide. Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung im Januar von gut 1 Mrd Euro nutzte Conti zum Teil, um bis Ende September den Schuldenberg auf 8,1 Mrd Euro abzuschmelzen. Bis Jahresende will Conti seine Schulden nun deutlich unter die Marke von 8 Mrd Euro drücken.