Das Bieterduo Daimler und Rolls-Royce ist nach dem anfangs zähen Ringen um Tognum jetzt am Ziel und

Das Bieterduo Daimler und Rolls-Royce ist nach dem anfangs zähen Ringen um Tognum jetzt am Ziel und hält nun knapp 80% der Anteile an dem Großmotorenhersteller (Bild: Tognum AG).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Da die Mindestannahmeschwelle von 30% deutlich übertroffen wurde und das Angebot somit erfolgreich ist, kommt nun die zweiwöchige sogenannte “Zaunkönig-Regelung” zum Tragen. Laut deutschem Übernahmegesetz haben bisher unentschlossene Aktionäre die Möglichkeit, ihre Aktien noch 14 Tage nach Ablauf der eigentlichen Andienungsfrist zu den gegebenen Konditionen zu verkaufen. Diese Nachfrist endet am 20. Juni um Mitternacht, anschließend wird dann das endgültige Ergebnis des Übernahmeangebots veröffentlicht werden.

Daimler und Rolls-Royce zeigten sich mit Blick auf das Erreichte “sehr erfreut”: “(Das Resultat) stellt einen Meilenstein bei der Übernahme von Tognum dar und bildet eine starke Basis für die künftige Zusammenarbeit der drei Unternehmen.” Die Bieter gehen nach eigenem Bekunden davon aus, in den kommenden zwei Wochen weitere Aktien angedient zu bekommen.

Das dürfte auch nötig sein, um die geplanten Synergien in Gänze heben zu können. Früheren Angaben zufolge kann das Potenzial nur voll ausgeschöpft werden, wenn die Stuttgarter und die Briten mindestens drei Viertel an Tognum halten. Denn erst dann kann Rolls-Royce wie geplant das unter dem Namen Bergen geführte Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit in Tognum einbringen.

Nachdem das ursprüngliche Angebot bei den Tognum-Aktionären auf wenig Resonanz dafür aber viel Kritik gestoßen war, erkauften sich Daimler und die Briten die Zustimmung von Vorstand, Aufsichtsrat und Anteilseignern Mitte Mai mit einer Aufstockung der ursprünglichen Offerte um 2 Euro auf 26 Euro je Aktie. Die Offerte bewertet Tognum mit insgesamt rund 3,4 Mrd Euro.

Das im Mittelwerteindex MDAX notierte Papier hatte zuvor wochenlang deutlich über dem ursprünglichen Angebotspreis notiert. Im Zuge der Aufbesserung nahmen Daimler und Rolls-Royce zudem die Mindestannahmeschwelle auf 30% von zuvor 50% plus einer Aktie zurück, um sicherzustellen, dass die Übernahme tatsächlich zustande kommt.

Der im Herbst scheidende Tognum-Vorstandsvorsitzende Volker Heuer begrüßte am Montag den neuen Mehrheitseigentümer: “Mit der Annahme des Angebots durch unsere Aktionäre starten Tognum, Daimler und Rolls-Royce in eine vielversprechende gemeinsame Zukunft.” Besonders hob der Manager neue Marktchancen, vor allem in den wachstumsstarken BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China hervor.

Anfang März hatte das deutsch-britische Bieterduo ein gemeinsames Übernahmeangebot für Tognum angekündigt. Daimler und Rolls-Royce wollen das Objekt ihrer Begierde regional breiter aufstellen und zu einem weltweit führenden Anbieter von Antriebssystemen in den Bereichen Marine, dezentrale Stromerzeugung und industrielle Anwendungen machen.

Daimler hatte Tognum Ende 2005 – damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen – für 1,6 Mrd Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse; 2008 stiegen die Stuttgarter wieder bei der ehemaligen Tochter aus Friedrichshafen ein.