Der Vorstand der Tognum AG bestätigt erste Gespräche mit Daimler und Rolls Royce und will

Der Vorstand der Tognum AG bestätigt erste Gespräche mit Daimler und Rolls Royce und will "ein Angebot prüfen, sollte ein solches unterbreitet werden", so der Motorenhersteller (Bild: Tognum).

Von Eyk Henning und Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

STUTTGART (ks)–Daimler und die Briten wollen die Mehrheit an dem Dieselmotorenbauer nach eigenen Angaben zu gleichen Teilen übernehmen. Eine finale Entscheidung stehe jedoch noch aus.

Ein gutes Stück weiter könnte man bereits nach der heutigen Aufsichtsratssitzung bei Tognum sein. Das Kontrollgremium berät aktuell über die bevorstehende Offerte von Daimler und Rolls-Royce, wie Dow Jones Newswires aus Konzernkreisen erfuhr.

Läuft alles glatt, wollen Daimler und Rolls-Royce noch in dieser, spätestens aber in der kommenden Woche ein gemeinsames Übernahmeangebot für Tognum vorlegen, hieß es. Das Angebot sehe einen 30-prozentigen Aufschlag auf den Schlusskurs vom Freitag von 18,50 Euro vor.

Daimler hält bislang knapp 30% an Tognum, Rolls-Royce ist dagegen noch nicht beteiligt. Bei der Transaktion könnte Rolls-Royce laut den Kreisen sein Geschäft mit Schiffsmotoren mit einbringen. Grund für den überraschenden Schritt ist Beobachtern zufolge die Sorge Daimlers, dass ein anderes Industrieschwergewicht den Stuttgartern den wichtigen Zulieferer Tognum vor der Nase wegschnappen könnte. So habe es wiederholt Interessensbekundungen für die Friedrichshafener gegeben.

Bereits Ende 2010 hatte es in einem Medienbericht geheißen, Daimler wolle die ehemalige Tochter zurückkaufen. Der Stuttgarter Autohersteller hatte Tognum Ende 2005 verkauft und ist 2008 wieder mit gut 28% bei dem Unternehmen eingestiegen. Anfang des Jahres hatte Daimler-Chef Zetsche Tognum als attraktives Unternehmen bezeichnet und eine Aufstockung des Anteils nicht ausgeschlossen. Es gebe aktuell aber keine konkreten Pläne, hatte der Manager noch am Rande der Automesse in Detroit gesagt.

Tognum beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Motoren und Antriebssystemen für Anwendungen abseits der Straße sowie von dezentralen Energieanlagen. In den ersten neun Monaten 2010 erwirtschaftete das Unternehmen vom Bodensee bei einem Umsatz von 1,7 Mrd Euro ein bereinigtes operatives Ergebnis von gut 153 Mio Euro.

Die Jahreszahlen wird das Management um den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Volker Heuer am Donnerstag vorlegen. Der 57-Jährige hatte erst vor einigen Wochen in einem Interview gesagt, eine Aufstockung des Anteils durch Daimler würde aus seiner Sicht keinen Sinn ergeben. Heuer wird sein Amt im September an den Finanzvorstand Joachim Coers abgeben.

Der Motorenhersteller peilt für 2010 einen Umsatz von 2,55 Mrd Euro und eine bereinigte Umsatzrendite am oberen Ende des Korridors von 7,5% bis 9% an. Im Krisenjahr 2009 hatte Tognum mit 2,59 Mrd Euro fast ein Fünftel weniger eingenommen, die Rendite sank um 5,1 Prozentpunkte auf 7,9%.

Die Aktie des Übernahmeziels haussiert nach Bekanntwerden der Neuigkeiten – in der Spitze lag das Plus bei fast 30%. Gegen 13.24 Uhr gewinnt die Aktie fast Viertel an Wert hinzu und notiert bei 22,47 Euro. Auch die Daimler-Aktie legt zu und ist mit einem Kursplus von 1,0% zweitstärkster Wert im DAX.