Angesichts des zunehmenden Verkehrsinfarktes in großen Städten und der schleichenden Abkehr vom Auto als Statussymbol versucht Daimler, auch mit ungewöhnlichen Ideen rund ums Blech Geld zu verdienen.

Von Katharina Becker, Dow Jones

STUTTGART (Dow Jones)–58 dieser Ideen hat das Team um den Leiter des Bereiches Business Innovation, Jérôme Guillen, bislang verfolgt, von der modernen Autovermietung car2go über eine Art Mitfahrzentrale 2.0, Solardächer für Autos bis hin zum behindertengerechten Umbau der Modelle mit dem Stern. Jetzt bewirbt sich Daimler um das prestigeträchtige Projekt Autolib in Paris, das mit 3.000 Autos größte Elektroauto-Netz der Welt.

Nach drei Jahren arbeitet die Ideenwerkstatt sogar profitabel, sagte Daimlers Strategiechef Martin Zimmermann am Mittwoch in Stuttgart. Und das, obwohl das bislang größte Projekt der flexiblen Autovermietung car2go rote Zahlen schreibt. Die juwelenbesetzten Autoschlüssel versetzen japanische Teenager jedoch derart in Verzückung, dass sie gerne 380 EUR dafür ausgeben – und Daimler freut sich hier über eine Rendite von mehr als 10%. Auch in der Vermietung der Vorführ- und Testwagen in den Autohäusern für Mercedes-Kunden sehen die Schwaben Potenzial.

“Wir investieren jährlich in einem deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Bereich in Business Innovation”, sagte Zimmermann. Auch wenn die Daimler-Entwickler vieles ausprobieren dürfen – verfolgt werden am Ende nur Ideen, die ein weltweites Marktpotenzial von mindestens 1 Mrd EUR haben, sagte Zimmermann. Und die Ideen müssen nach der Umsetzung das Zeug haben, wenigstens 100 Mio EUR jährlich zum Konzernumsatz beizusteuern und mit einer Umsatzrendite von mehr als 10% äußerst profitabel sein.

Eines der lukrativsten Projekte könnte die E-Auto-Vermietung in Paris und Umgebung werden, um das sich Daimler derzeit bewirbt. Paris’ Bürgermeister Bertrand Delanoë will das vor drei Jahren gestartete Fahrrad-Vermietungssystem Vélib auf Elektroautos übertragen, um den täglichen Verkehrsinfarkt in der französischen Hauptstadt etwas zu lindern. Die 6.000 Ladestationen werden subventioniert. Daimler winken hier laut Guillen “hunderte Millionen Euro Umsatz” und ein Zwölf-Jahres-Vertrag. Die Schwaben haben sich mit den beiden französischen Verkehrskonzernen SNCF, RATP, dem Autovermieter Avis und dem Baukonzern Vinci zusammengetan.

Mit im Rennen um den städtischen Auftrag sind neben dem Daimler-Konsortium die Konzerne Bolloré und Véolia. In zwei bis drei Wochen soll die Entscheidung fallen, wer das Rennen macht. Autolib soll bereits im Juni 2011 in den Testbetrieb gehen, schon ab September soll das System nach dem Willen Delanoës laufen. Daimler rechnet sich gute Chancen aus, zumal die 3.000 Smarts für das Projekt im französischen Hambach gebaut werden, die Autos der Konkurrenten nicht.