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Dieselmotor eines VW-Pkw. - Bild: VW

„Die offizielle Typgenehmigung der betroffenen VW-Dieselfahrzeuge wurde unter falschen Voraussetzungen erteilt: Es ist klar, dass die eingesetzte ‚Optimierungssoftware‘ hierzulande auch nicht erlaubt ist. Wenn das Auto mit so einer Software rumfährt und die Abgaswerte deswegen nicht einhält, erlischt dadurch eigentlich die Betriebserlaubnis“, kommentiert Stefan Bratzel, Direktor der Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Allerdings komme es jetzt stark darauf an, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die ganze Sache einschätze und was Volkswagen an den Autos ändern werde. Bis zum 7. Oktober muss VW dem KBA einen Plan vorlegen, wie die betroffenen Fahrzeuge künftig die Abgas-Grenzwerte der geltenden Typgenehmigung einhalten werden.

Typgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts

"Der Inhaber einer Typgenehmigung erhält das Recht, sein Produkt in unbegrenzter Menge zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Im Gegenzug ist er verpflichtet, die Übereinstimmung der Produktion mit der ursprünglich erteilten Genehmigung sicher zu stellen. Es dürfen also ausschließlich nur genehmigungskonforme Produkte auf den Markt gebracht werden."

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

VW hat bereits angekündigt, die betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen zu wollen – was dabei gemacht werden soll, ist aber noch offen. Nach Ansicht von Experten könnte es mit einem Software-Update nicht getan sein. Zudem stellt sich die Frage, ob sich Verbrauch und Leistung der Fahrzeuge nach der Überarbeitung ändern.

Was kann die Lösung sein?

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Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). - Bild: CAM

„Hochspannend ist, ob sich an den Eigenschaften des Fahrzeugs durch den von VW angekündigten Rückruf etwas ändert. Denn die Höhe der Abgase hängt zusammen mit der Leistung: Wenn ich weniger Leistung einprogrammiere, dann werden auch die Abgase zurückgehen und umgekehrt. Und wenn der Katalysator öfter ausgebrannt werden muss, dann könnte auch der Spritverbrauch steigen. Ein weiterer Punkt ist die Langlebigkeit der Teile: Was passiert mit den Abgasanlagen, wenn sie stärker beansprucht werden als ursprünglich vorgesehen? Dazu kommen Kosten, wenn zusätzliche Teile eingebaut werden müssen“, fasst Bratzel die vertrackte Situation der Wolfsburger Ingenieure zusammen.

Dass sich auf die Schnelle eine einfache Lösung für das Problem finden wird, erscheint unwahrscheinlich – hat VW doch die ‚Optimierungssoftware‘ genau deswegen entwickelt, weil die Faktoren Leistung, Verbrauch und Emission offenbar nicht angemessen unter einen Hut gebracht werden konnten.

 

Rückruf könnte Fahrzeugeigenschaften verschlechtern

Eine möglicherweise negative Beeinflussung der Fahrzeugeigenschaften durch den geplanten Rückruf dürfte zumindest entscheidend für die Frage sein, ob Kunden etwa den Kaufvertrag für betroffene Autos nachträglich anfechten können. Im Gegensatz zu den USA sind die Hürden für Privatpersonen dafür in Deutschland allerdings ziemlich hoch – nicht zuletzt wegen der rechtlich fehlenden Möglichkeit von Sammelklagen.

Eine berechtigte Frage für Fahrzeughalter ist daher: „Soll ich angesichts der möglichen negativen Folgen des Rückrufs für die Fahrzeugeinschaften denn überhaupt an dem Rückruf teilnehmen?“

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat sich auf Anfrage von Produktion nicht dazu geäußert, welche Folgen Fahrzeughaltern drohen, die ihr Fahrzeug so wie es ist weiter fahren wollen. „Erst einmal müsse der Maßnahmenplan von VW abgewartet werden“, sagte ein Sprecher der Behörde. Eine ‚Konformitätsprüfung‘ durch das KBA könnte aber anstehen.

Auf der Webseite des KBA heißt es dazu: „Treten schwerwiegende Abweichungen [von der Typgenehmigung] auf, die beispielsweise die Verkehrssicherheit oder Umweltbelastung beeinflussen, kann dies zum Widerruf der Genehmigung führen.“ Und das könnte dann den Entzug der Zulassung bedeuten.

VW hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA und in Europa mit einer verbotenen Software so manipuliert zu haben, dass sie im Testbetrieb weniger giftige Stickoxide ausstoßen als im normalen Betrieb. Dem Konzern drohen nun milliardenschwere Strafzahlungen.

 

Diese Volkswagen-Modelle sind betroffen

Volkswagen hat in der Zwischenzeit eine Webseite bereitgestellt, in der Fahrer nachsehen können, ob ihre Wagen von dem Abgas-Skandal betroffen sind.

Zur Prüfung geht’s hier.

Die dafür nötige Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) finden die Fahrer vorne im Service-Handbuch oder im unteren Bereich der Windschutzscheibe.