• Auf Platz drei der Top-DAX-Verdiener findet sich der Vorstandsvorsitzende von HeidelbergCement, Bernd Scheifele. Er kam 2016 auf einen Verdienst von 9,99 Millionen Euro. - Bild: HeidelbergCement

    Auf Platz drei der Top-DAX-Verdiener findet sich der Vorstandsvorsitzende von HeidelbergCement, Bernd Scheifele. Er kam 2016 auf einen Verdienst von 9,99 Millionen Euro. - Bild: HeidelbergCement

  • Daimler-Boss Dieter Zetsche von Daimler musste sich im Jahr 2016 mit dem zweiten Platz in der Gehaltsrangliste der DAX-Chefs zufrieden geben. Er verdiente 13,8 Millionen Euro. Ein Rückgang von vier Prozent. - Bild: Daimler

    Daimler-Boss Dieter Zetsche von Daimler musste sich im Jahr 2016 mit dem zweiten Platz in der Gehaltsrangliste der DAX-Chefs zufrieden geben. Er verdiente 13,8 Millionen Euro. Ein Rückgang von vier Prozent. - Bild: Daimler

  • SAP-CEO Bill McDermott löste Benz-Chef Zetsche an der Spitze der DAX-Großverdiener ab. Er verdiente im jahr 2016 15,3 Millionen Euro - eine Steigerung von 163 Prozent. - Bild: SAP

    SAP-CEO Bill McDermott löste Benz-Chef Zetsche an der Spitze der DAX-Großverdiener ab. Er verdiente im jahr 2016 15,3 Millionen Euro - eine Steigerung von 163 Prozent. - Bild: SAP

Im Durchschnitt kletterten ihre Gesamtbezüge um rund 14 Prozent auf 7,1 Millionen Euro. Damit entsprach der Zuwachs 2016 in etwa dem zusammengenommenen der beiden Vorjahre von 5 und 10 Prozent.

Mit Bill McDermott von SAP und Dieter Zetsche von Daimler haben 2016 zwei der 30 DAX-Chefs deutlich mehr als 10 Millionen Euro verdient. Sie haben damit jene Obergrenze überschritten, die Volkswagen jüngst für den eigenen Konzern eingezogen hat, um die heftige Kritik an Gehaltsauswüchsen und Millionen-Abfindungen zu kontern.

Für Volkswagen-Chef Matthias Müller hätte die neue Kappungsgrenze im vergangenen Jahr ohnehin keine Relevanz gehabt. Er lag mit einer Gesamtvergütung von rund 7,8 Millionen Euro etwas oberhalb des DAX-Durchschnitts, wie die Zusammenstellung der Personalberatung HKP für alle 30 DAX-Unternehmen zeigt.

Acht Erkenntnisse zur Vergütung der DAX-Vorstände

1. Spitzenreiter ist ein US-Badener

An der Spitze steht erstmals Bill McDermott mit 15,3 Millionen Euro, der Dieter Zetsche ablöst. Der SAP-CEO kam mit 163 Prozent zudem auf die kräftigste Steigerung. Hintergrund ist das Anfang 2016 gestartete neue System variabler mehrjähriger Vergütungen, die alleine 9,2 Millionen Euro ausmachen. Der US-Amerikaner in Diensten des Badener Softwarekonzerns näherte sich damit jenen rund 17 Millionen Euro, die der damalige VW-Chef Martin Winterkorn 2011 einstrich und die eine - noch immer anhaltende - Debatte über die Angemessenheit solcher Gehaltshöhen ausgelöst hatten.

Einen Rückgang von 4 Prozent zu 2015 musste die neue Nummer 2 Dieter Zetsche hinnehmen, an den aber immer noch 13,8 Millionen Euro flossen. Er war - zusammen mit Nikolaus von Bomhard von Munich Re und Elmar Degenhardt von Continental - der einzige unter den 22 ganzjährig amtierenden CEOs mit Gehaltseinbußen.

2. Große Spanne um den Durchschnittswert von 7,1 Millionen Euro

Unter den in die Analyse einbezogenen DAX-Chefs hat die Spanne einen Faktor von knapp 4,9, ermittelt aus der Range zwischen McDermott und dem Schlusslicht im Ranking, Reinhard Ploss von Infineon, der auf 2,8 Millionen Euro kommt. Etwas mehr verdient Lufthanseat Carsten Spohr mit 3,1 Millionen Euro. Den nach McDermott größten Sprung nach vorne schaffte Thomas Ebeling von Prosiebensat1 mit 114 Prozent. Er liegt mit der 2016er Zahlung von gut 6 Millionen aber immer noch unter dem Durchschnitt.

3. Gehälter über 10 Millionen Euro haben Seltenheitswert

Während McDermott erstmals in der Verdienergruppe 10 Millionen plus auftauchte, hat Zetsche in dieser Hinsicht bereits Erfahrung. In den Vorjahren übersprungen zudem Winterkorn von VW, Topmanager der Deutschen Bank sowie 2015 der damalige Fresenius-Chef Ulf M. Schneider mit 13,9 Millionen Euro die Marke. Insgesamt bleiben zweistellige Millionenbeträge aber (noch?) die Ausnahme.

4. Warum gibt es große Unterschiede bei Gehaltsangaben zur gleichen Person?

Hat McDermott nun 15,3 oder 11,9 Millionen Euro verdient? Es ist eine Frage der Sicht- und Berechnungsweise. Die beiden Personalberatungen HKP und Willis Towers Watson liefern sich einen zeitlichen wie Deutungs-Wettstreit bei der Auswertung der Vergütungsberichte der DAX-Unternehmen. Die einen - HKP - setzen auf die All-in-Methodik und rechnen alles inklusive der Altersversorgung ein, was im Jahr gezahlt wurde. Die anderen - Willis Towers Watson - lassen die Pensionsansprüche außen vor und nennen die "erwartete Direktvergütung", die das Grundgehalt, den für das Geschäftsjahr ausbezahlten Bonus und die erwartete langfristige Vergütung für 2016 summiert.

5. Die Deutsche Bank ist immer noch Spitze - partiell

Lange Jahre bildeten die Ackermanns, Jains und Fitschens in der Topetage der Deutschen auch die Topliga unter den DAX-Verdienern, unabhängig davon, dass Investmentbanker aus dem Hause sogar deutlich höhere zweistellige Millionenbeträge verdienten. In Zeiten von Boni-Streichung oder -Kappung ist das jedoch Vergangenheit. Das angepasste Vergütungsmodell sorgt für höhere Grundgehälter und eine reduzierte variable Komponente. Als Folge erhält CEO John Cryan mit 3,8 Millionen Euro das höchste Grundgehalt im DAX-Umfeld. Am anderen Ende der Skala steht Rolf Buch von Vonovia mit genau 1 Million.

6. Wo stehen die Verdienste der DAX-Chefs international?

In Europa - ausgehend von den Unternehmen im Stoxx- bzw Euro-Stoxx-50 - etwas unter dem Durchschnitt und im Vergleich zu den USA bei weniger als einem Drittel. Bei den Direktvergütungen (wegen der besseren Vergleichbarkeit) kommen die DAX-Chefs auf 5,56 Millionen Euro, die Europäer auf 6,07 Millionen und die DJIA-Chefs in den USA auf umgerechnet 18,78 Millionen Euro. Allerdings haben in Europa und den USA erst jeweils weniger als die Hälfte der Konzerne die Vergütungszahlen genannt, die Tendenz dürfte aber bleiben. Spitze in Europa ist bislang der Roche-CEO mit rund 13,2 Millionen Euro, in den USA der Nike-Chef mit rund 42 Millionen Euro.

7. Wer sollte über die Topmanager-Gehälter entscheiden?

Die Festlegung durch die Hauptversammlung wird in den laufenden Diskussionen in Deutschland über Manager-Bezahlung als eine Alternative genannt. Dann aber würden mehrheitlich institutionelle Investoren von Fondsgesellschaften und auch Hedgefonds die Vergütung festlegen, merkt Michael H. Kramarsch, Manager Partner bei HKP, an. Interessant sei, dass Großbritannien und die Schweiz, wo die Aktionäre entscheiden, im europäischen Vergleich die Gehaltsspitze bilden. Andererseits sei in Deutschland mit dem Aufsichtsrat ein Gremium verantwortlich, das zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern gebildet wird.

8. Wie ist die Relation zwischen Durchschnittsgehalt und Topverdiener?

Auch ein anderes Element der aktuellen Gehaltsdiskussion, eine bestimmte Relation zwischen den Gehältern der "normalen" Beschäftigten und der Führung als Obergrenze festzulegen, hat seine Tücken. Mit 233 den höchsten Faktor zwischen dem durchschnittlichem Personalaufwand je Mitarbeiter und dem Chefgehalt weist die Deutsche Post aus. Beim Spitzenverdiener McDermott von SAP ist es hingegen "nur" das 126-Fache. Der Unterschied ergibt sich aus den großen Unterschieden bei den Personalkosten. Bei der Post liegen sie etwas oberhalb von 40.000 Euro pro Jahr und Mitarbeiter, bei SAP etwas unter 130.000 Euro, so Kramarsch.

Erläuterung

HKP errechnet die Gesamtvergütung auf Basis der Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) nach dem Zufluss-Modell. Sie setzt sich zusammen aus dem Grundgehalt sowie den ein- und mehrjährigen variablen Komponenten. Hinzu kommen Nebenleistungen und der Versorgungsaufwand einschließlich der betrieblichen Altersvorsorge.

Die komplette Mitteilung finden Sie hier.