Prof. Dr. Günther Schuh

"Der digitale Schatten ist die Black Box der Produktion", sagte Prof. Dr. Günther Schuh. Bild: Anna McMaster

Katrin Laudensack, Diehl Controls
„Suchen Sie sich eine vergleichbare Konkurrenzsituation in China, Polen oder wo auch immer", riet Katrin Laudensack von Diehl Controls. - Bild: Anna McMaster

Als hätten Katrin Laudensack von Diehl Controls und Rupert Hoellbacher von der Robert Bosch GmbH den Ruf von Prof. Dr. Schuh nach dem „digitalen Schatten als Black Box der Produktion“ antizipiert, stellten sie beide Systeme vor, die dank cleverer Daten-Auswertung schnelle Entscheidungsprozesse und Wettbewerbsvorteile ermöglichen.

Laut Prof. Dr. Schuh ist der digitale Schatten die „wichtigste Pflicht, um den Schritt zu Industrie 4.0 zu schaffen.“ Er sorge für eine echtzeitfähige Auswertungsbasis.

Komplett ohne IT zeigte Werksleiterin Katrin Laudensack von Diehl Controls Wangen, welche Maßnahmen am Standort Wangen umgesetzt wurden. Die heutige ‚Fabrik des Jahres‘ fertigte noch im Jahr 2008 mit drei Fertigungsstufen und insgesamt neun Mitarbeitern in fünf bis sechs Tagen Leiterplatten. Heute sind alle Fertigungsstufen verkettet, nur noch eine Linie umfasst 72 Module auf 86 Metern. Die Anlagen werden per Kamera überwacht, die Ergebnisse digital erfasst und sind direkt überprüfbar.

„Die Bemerkung eines Mitarbeiters war der Schlüssel. Er sagte, es würde ihm sehr helfen, wenn er nicht nur wüsste, wann die Maschine ausfällt, sondern auch warum“, so Laudensack. Zwei Ratschläge gab sie künftigen Anwärtern auf den Preis „Die Fabrik des Jahres“ mit. Zum ersten: man könne diesen nur gewinnen, wenn es auch „der Chef will und anschiebt, vor allem dann, wenn die Motivation mal wieder im Keller ist.“ Der zweite Rat: „Suchen Sie sich eine vergleichbare Konkurrenzsituation in China, Polen oder wo auch immer. Nur nicht in Deutschland. Der Abstand ist zu gering.“

„Digitalisierung wird die Wertschöpfungskette radikal verändern. Mit Bosch Blaichach sehen wir, was die Besten heute schon machen“, sagte Dr. Marc Lakner, Partner bei A.T. Kearney in seiner Laudatio auf den Sieger der Kategorie „Hervorragende Digitalisierung“, die erstmals vergeben wurde.

Bosch fertigt ABS- und ESB-Systeme in einem weltumspannenden Fertigungsverbund mit 11 Werken, die zu 98 Prozent vernetzt sind, Alle Daten sind per Smartphone abrufbar. „Bei uns gilt: Hat die Maschine eine Controller, wird sie vernetzt, egal wie alt sie ist, denn wir wollen an die Daten ran“, sagt Hoellbacher. Das Ergebnis: umfassende tägliche Berichte zum Zustand der Anlagen. „Heute haben wir ein ganz anderes Problem“, so Hoellbacher, „wir werden überschüttet von diesen Informationen. Wichtig ist, das Wesentliche herauszuziehen. Daran arbeiten wir. Zugleich machen wir ein tägliches Benchmarking. Der Vorteil ist, wir müssen die Probleme nur einmal lösen und können die Lösung übertragen.“

Entsprechend sei die Produktivität der Automatiklinien Jahr für Jahr um 22 Prozent gestiegen. Hoellbachers Fazit: „Industrie 4.0 ohne Menschen funktioniert nicht, denn um Information zu bewerten, ist der Mensch unerlässlich.“ So wächst beispielsweise dank „Likes“ für fachmännische Lösungen an der Linie unternehmensübergreifend eine Wissensdatenbank heran.

Was den digitalen Schatten betrifft, so bestehe hier noch großer Bedarf - ob bei RFID oder bei der intelligenten Bremseinheit, die ihren Zustand vom Auto des Kunden direkt ins Werk meldet.

Rupert Hoellbacher, Robert Bosch Blaichach
"Bei uns gilt: hat die Maschine eine Controller, wird sie vernetzt, egal wie alt sie ist", sagte Rupert Hoellbacher, Robert Bosch Blaichach