Maschinenbau-Aktien-Index, Best-Performer, Koenig & Bauer, Produktion, LBBW

Messraum bei Koenig & Bauer: Die Firma hat einen Restrukturierungsprozess durchlaufen und wächst jetzt wieder. Das honoriert die Börse: Der Wert der Aktie steigt in den ersten drei Quartalen um 163,3 Prozent. - Bild: Koenig & Bauer

Koenig & Bauer kann die Früchte seiner Umstrukturierung ernten: Die Aktie des Druckmaschinenherstellers entwickelte sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2015 innerhalb des Maschinenbau-Aktien-Index der Fachzeitung Produktion und der LBBW am besten. Der Wert stieg von 10 Euro auf 26,33 Euro: ein Plus von 163,3 Prozent.

Koenig & Bauer hatte die Werke Ternitz und Trennfeld geschlossen und verkauft. Weggefallenes Umsatzvolumen konnte jedoch bisher nur teilweise durch neue Geschäfte im Digital- und Verpackungsdruck ersetzt werden. KBA arbeitet deshalb mit Hochdruck an der Erweiterung des Produktportfolios und der Stärkung seiner Marktposition in Wachstumsfeldern.

In den ersten sechs Monaten des Jahres schraubte der Druckmaschinenhersteller nun seinen Auftragseingang um 33,2 Prozent auf 607,5 Millionen Euro hoch. "Durch das positive Konzernergebnis vor Steuern von 6,9 Millionen Euro im zweiten Quartal haben wir das EBT von -17,7 Millionen Euro nach den ersten drei Monaten auf -10,8 Millionen Euro verbessert", berichtet der Vorstandsvorsitzende Claus Bolza-Schünemann. Erfreulich seien die erheblichen Ergebnisverbesserungen bei den Bereichen Bogen und Digital & Web. Der gestiegene Auftragseingang bei digitalen und konventionellen Rollendruckanlagen trage zur aktuell guten Beschäftigung in diesem Segment bei.

Im weiteren Jahresverlauf erwartet KBA auch in dieser Sparte den Turnaround beim Quartalsergebnis. "Trotz des Rückstandes zur Halbzeit streben wir im Zuge des Aufholprozesses für 2015 weiterhin eine EBT-Rendite von bis zu zwei Prozent vom Umsatz an", sagte Bolza-Schünemann.

Maschinenbau-Aktien-Index, Nordex, Performance, Produktion, LBBW
Rotorblattfertigung bei Nordex: Der Hersteller profitiert gegenwärtig von einer starken Nachfrage nach Großanlagen: Das Papier notiert nach neun Monaten des Jahres 2015 62,8 Prozent höher. - Bild: Nordex

Dem Windenergieanlagenhersteller Nordex verschafft seine Umstrukturierung ebenso Rückenwind. Im zweiten Quartal konnte das in Hamburg ansässige Unternehmen seinen Umsatz um über 54 Prozent auf 603,8 Millionen emporschwingen lassen. Im gesamten ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 35 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg der Konzerngewinn im ersten Halbjahr um 123 Prozent auf 36,9 Millionen Euro. Dabei wuchsen die Strukturkosten im Vergleich zum Geschäftsvolumen unterdurchschnittlich, ihre Quote reduzierte sich von 14,8 Prozent auf 13,5 Prozent.

Die Unternehmensführung um CEO Lars Bondo Krogsgaard geht nun davon aus, dass der Umsatz im Jahr 2015 mit 2 bis 2,2 Milliarden Euro höher ausfallen wird als zuvor prognostiziert.

All diese Unternehmensnachrichten beflügelten die Nordex-Aktie: Sie verbesserte in den ersten drei Quartalen des Jahres ihren Wert um 62,8 Prozent auf 24,43 Euro. Das Papier zeigte damit die zweitbeste Performance im Maschinenbau-Aktien-Index.

Anleger, die am Anfang des Jahres die Aktie der Pfeiffer Vacuum Technology AG in ihr Depot gelegt haben, konnten ebenso eine hervorragende Rendite erzielen: Das Papier steigerte seinen Wert von 68,60 Euro auf 103,20 Euro: eine Performance von 50,4 Prozent.

Dazu trug eine Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr um 13,3 Prozent auf 224,5 Millionen Euro sowie eine Erhöhung des EBIT um 47,9 Prozent auf 30,5 Millionen Euro bei.

"Der positive Trend des Jahresbeginns hat sich im zweiten Quartal fortgesetzt und teilweise verstärkt", berichtet der Vorstandsvorsitzende von Pfeiffer Vacuum, Manfred Bender. "Die gute Entwicklung des Auftragseingangs stammt besonders von der nachhaltig starken Nachfrage aus den Bereichen Analytik und Halbleiter." Dabei bleibe zu erwähnen, dass die Aufträge von einer Vielzahl diverser Kunden kämen und nicht etwa von einmaligen Projekten.

Auch konnte Pfeiffer Vacuum einen Kunden zurückgewinnen, der einst zu den größten des Unternehmens zählte, bis er durch eine Akquisition plötzlich eine eigene Vakuumsparte hatte und als Konsequenz dazu überging, die eigenen Produkte einzusetzen.

Bender bestätigte den Ausblick für das Geschäftsjahr 2015, der für Pfeiffer Vacuum einen Umsatz von 430 bis 450 Millionen Euro und eine deutliche Verbesserung des Betriebsergebnisses und der EBIT-Marge gegenüber dem Vorjahr vorsieht.

Fulminante Neubewertungsralley

Maschinebau-Aktien-Index, Kursentwickung, drei Quartale, Produktion, LBBW
Die Entwicklung der Werte in den ersten neuen Monaten innerhalb des Maschinenbau-Aktien-Index, der von der Fachzeitung Produktion und der LBBW geschaffen wurde. Die Daten stellte Datastream bereit. - Bild: Produktion/LBBW/Datastream

Die marktenge Aktie des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer wurde Anfang 2015 vom Kapitalmarkt wiederentdeckt und startete von einer niedrigen Basis aus mit einem Kursplus von 163 Prozent eine fulminante Neubewertungsrallye.

Nach diversen Gewinnwarnungen hatte der Konzern 2014 die versprochene Ertragswende vollzogen und Vertrauen zurückgewonnen. Ein weitgehend umgesetztes, tiefgreifendes Restrukturierungs- und Strukturprogramm nährte die Hoffnung auf ein dynamisches Ertragswachstum in den kommenden Jahren. Zumal die Abhängigkeit vom bisher belastenden medienabhängigen Neumaschinengeschäft (insbesondere Zeitungsdruck) massiv gesenkt wurde. Dessen Umsatzanteil fiel von einst 65 Prozent auf nur noch 15 Prozent.

Zudem erholte sich die Nachfrage in dem nun im Fokus stehenden Verpackungsdruck im ersten Halbjahr überraschend stark, wenngleich die berichteten Umsatz- und Ertragszahlen abrechnungsbedingt noch nicht die Jahresziele absichern konnten. Positiv bewertete der Kapitalmarkt darüber hinaus die Einführung einer feingliedrigeren Segmenteinteilung. Die neue Struktur erhöht die interne und externe Transparenz und Marktfokussierung, erschwert die in der Vergangenheit kritisierte Quersubventionierung und damit suboptimale Kapitalallokation und bringt mehr strategische Flexibilität mit sich. Eine klare Unternehmenskommunikation und nachvollziehbare Mittelfristziele rundeten den im Kapitalmarkt als attraktiv bewerteten Investment Case ab.

Europas Hersteller von Windkraftanlagen standen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres ganz oben in der Gunst der Anleger. Die Aktie des deutschen Anbieters Nordex stieg um 63 Prozent, die spanische Gamesa verteuerte sich um 64 Prozent und die Titel des dänischen Players Vestas Wind Systems zeigten einen Kursanstieg von 53 Prozent.

Dabei befinden sich die "Wind-Aktien" seit Ende 2012 in einem weitgehend intakten Aufwärtstrend, der durch sukzessiv erhöhte Ertragserwartungen getrieben wurde. Die Attraktivität des Sektors erklärt sich durch eine überraschend dynamisch steigende globale Nachfrage nach Windkraftanlagen, mit denen der Anteil an regenerativen Quellen im Energiemix erhöht werden soll.

Gleichzeitig erntet die Branche die Früchte des in den letzten Jahren vorgenommenen Abbaus von Überkapazitäten und der implementierten Effizienzsteigerungsmaßnahmen. So hat auch Nordex ausländische Montagewerke geschlossen. In Verbindung mit einer anziehenden Nachfrage kehrte der Konzern nach zwei Verlustjahren 2013 in die Gewinnzone zurück. Vom Tiefpunkt 2011 mit einem Umsatz von 920 Millionen Euro startete Nordex einen Höhenflug, der 2015 in die Umsatzregion von 2,0 – 2,2 Milliarden Euro führen soll. Nach einem rasanten Wachstum im ersten Halbjahr und prall gefüllten Orderbüchern hob der Konzern den Jahresausblick für den Auftragseingang und Umsatz Ende Juli an. Auch die Zahlung einer Dividende für das laufende Geschäftsjahr wird vom Management erwogen.

Stefan Maichl, Senior Analyst der LBBW