Matthias Mueller Porsche

Porsche-Chef Matthias Müller. - Bild: Porsche

Um einen lockeren Spruch ist Porsche-Chef Matthias Müller selten verlegen. Auf die Frage, ob er Angst vor Google und Apple habe, konterte er in der Süddeutschen Zeitung jüngst mit: "Angst? Ach was!". Warum auch sollte ein Matthias Müller da Angst haben? Sein Unternehmen Porsche steht gut da, liefert Rekordgewinne, zweistellige Margen.

Müllers Leben wird sich ändern nach dem absehbaren Wechsel an die Spitze des Volkswagen-Konzerns.

In Wolfsburg herrscht Ausnahmezustand: Der Skandal um manipulierte Abgastests zieht immer weitere Kreise. Die finanziellen Ausmaße sind nicht absehbar. Die langfristigen Schäden an Image, Marke und Unternehmen erst recht nicht. Nach dem Abgang von VW-Urgestein Martin Winterkorn übernimmt nun Müller die Verantwortung für einen wankenden Riesen.

Er wird die Krise managen müssen, wird vermitteln müssen zwischen Kunden, Investoren, Eignern, Politikern, Behörden und vielen mehr. Sein Netzwerk im Konzern wird ihm dabei helfen. Auch die enge Beziehung, die er zu den Familien Porsche und Piech hält, wird ihm künftig von Nutzen sein. Sie sind die Haupteigner des Konzerns und haben damit die Kontrolle.

Dass er als Vermittler und Krisenmanager einen guten Job macht, hat Müller schon einmal bewiesen. Als er im Jahr 2010 den Job des Porsche-Vorstandschefs übernahm, hatte der kleine Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen gerade die turbulentesten Zeiten im VW-Übernahmekampf hinter sich. Doch das Vertrauen der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit war angeknackst.

Auch bei Porsche galt es deshalb zunächst, die Wogen zu glätten und zwischen den Parteien zu vermitteln. Die Mitarbeiter schließlich hatten innerhalb kürzester Zeit mit Wendelin Wiedeking und Michael Macht gleich zwei Chefs verloren. Das Vorzeigeunternehmen Porsche hatte durch die Machtspiele der Oberen ein angekratztes Image, mehr noch: seine Unabhängigkeit verloren. Ausgerechnet der in Bayern aufgewachsene Müller, dazu noch ein Abgesandter aus Wolfsburg, sollte in Schwaben die Brücken bilden.

Umgänglicher Teamplayer

Porsche ist nicht Volkswagen. Das weiß auch Müller. Porsche sei mit 20.000 Mitarbeitern "ein beinahe familiäres Unternehmen", in Wolfsburg müsse man weltweit 600.000 Mitarbeiter führen, sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung weiter.

"Führungsstil hat schon etwas mit Größe zu tun, und was hier bei uns in Stuttgart funktioniert, muss nicht unbedingt auch in Wolfsburg funktionieren". Müller beschreibt sich als "umgänglichen Teamplayer", der zumindest versucht, Entscheidungen "einigermaßen kollegial und harmonisch durchzusetzen". Allerdings: Er mag es nicht, wenn Dinge zerredet werden. Da sei er dann konsequent, sagt Müller.

Mit Konsequenz hat er auch seine Karriere im VW-Konzern vorangetrieben. Nach dem Abitur macht Müller eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Audi, studiert im Anschluss Informatik in München und kommt zurück zum Ingolstädter Konzern. Er steigt schnell auf, wird über die Jahre in verschiedenen Führungspositionen ein enger Vertrauter von Winterkorn.

Müller, lässt sich annehmen, wird bei Volkswagen zwar einiges ändern, aber wenig umkrempeln. Seine Erfahrung schließlich stammt praktisch ausschließlich aus dem VW-Imperium: Er ist den VW-Weg gegangen. Unwahrscheinlich, dass er diesen mit 62 Jahren verlässt. Müller ist kein Gegenentwurf zu Winterkorn. Auch der Altersunterschied zwischen den Managern ist gering: Müller ist sechs Jahre jünger.

Er ist zwar IT-Experte, aber er ist nicht, was heute Digital Native heißt: Er ist einer, der noch das Leben ohne Internet kennt.

Das Zukunftsthema selbstfahrende Autos jedenfalls sieht Müller mit gehöriger Skepsis. In Interviews spricht er von einem "Hype". Er betont, dass ein Porsche-Fahrer auch in Zukunft gerne selbst fahren, Gas geben, bremsen und lenken möchte. Für den Porsche-Fahrer mag das stimmen. Audi- oder VW-Fahrer dürften anders denken. An der Konzernspitze wird Müller umdenken müssen.

Müller sagte noch im Frühjahr selbst, er sei "für nichts zu alt". Er fühle sich "pudelwohl". Der Mann ist bereit für Volkswagens Chefposten. Er braucht zudem: Bereitschaft zum Wandel.