Antonio Dordoni, Vertriebs- und Marketingleiter bei JOBS (Bild: JOBS).

Antonio Dordoni, Vertriebs- und Marketingleiter bei JOBS (Bild: JOBS).

Herr Dordoni, wie geht es Ihrem Unternehmen?

Wir können uns nicht beschweren. Obwohl die letzten paar Jahre auch für uns nicht einfach waren, haben wir Gewinne erzielt. Gegenwärtig profitieren wir vom weltweiten Boom in der Luftfahrt- und Automobilindustrie. Allerdings hat sich das Marktprofil während der letzten fünf Jahre komplett verändert.

Warum?

Der Weltmarkt ist heute offen für alle Anbieter, unabhängig von deren Fachwissen. Gleichzeitig sind Investitionsentscheidungen komplexer geworden: Kosten und technische Leistungsfähigkeit einer Maschine oder Anlage werden voneinander getrennt und sperat analysiert. Dies hat den Verkaufsprozess besonders für technisch aufwändige und komplexe Maschinen deutlich verkompliziert.    

Und wo liegen die technischen Herausforderungen für Ihr Unternehmen?  

Erste Herausforderung ist, dass die Kunden zunehmend schlüsselfertige Anlagen statt einfach nur Maschinen erwarten. Dies macht mittlerweile mehr als ein Drittel unseres Geschäfts aus. Technisch besonders anspruchsvoll ist es, weil dabei jedes Projekt neu ist und kaum ein Projekt dem anderen gleicht. Dazu kommt, dass unsere Kunden höchste Genauigkeit, Flexibilität und Geschwindigkeit auch bei der Bearbeitung von neuen und technisch besonders anspruchsvollen Materialien wie Verbundwerkstoffen erwarten. Die Erarbeitung der besten Lösungen für diese technischen Herausforderungen ist gerade unsere Stärke. Allerdings beobachten wir, dass nicht jeder uns dafür auch angemessen bezahlen will.  

Welche technischen Highlights gibt es in Ihren Maschinen?

Da wir Marktführer in den technisch extrem anspruchsvollen Branchen Luftfahrt und Automobilbau sind, nutzen wir grundsätzlich immer die fortschrittlichste Technologie in unseren Maschinen und Anlagen. Nur ein Beispiel sind Linearmotoren, die unsere Maschinen besonders schnell machen.

Eine eher umstrittene Technologie…?

Stimmt. Es wird behauptet, sie hätten einen zu hohen Stromverbrauch und würden die Maschinen durch Wärmeabgabe ungenauer machen. Wir können dies jedenfalls nicht bestätigen: Die höhere Leistunsaufnahme wird durch die Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsvorteile in den Achsen mehr als kompensiert und auch bei einem Stromausfall gibt es keine größeren Probleme. Dabei haben wir derzeit die Verfahrgeschwindigkeit auf 70 m/sec und die Beschleunigung auf 7 m/sec2 begrenzt. Es ist aber noch mehr drin und wir werden diese Parameter noch erhöhen, wenn der Markt es fordert. Weiterhin ist der Wärmeeinfluß von Linearmotoren auf die Maschine mit maximal 3° C vernachlässigbar. Da Linearmotoren keine bewegten Teile haben, gibt es keinen Verschleiß und die Laufruhe ist überzeugend. Unser positives Fazit ist objektiv, da wir auch die herkömmliche Technik verwenden und beides gut vergleichen können. 

Derzeit werden Lieferengpässe für bestimmte Komonenten von Werkzeugmaschinen beklagt. Haben Sie dieses Problem auch?

Ja, das ist für unsere gesamte Branche ein ernsthaftes Problem. Besonders Linearführungen von deutschen und japanischen Herstellern sind schwer zu bekommen. Wir versuchen also, andere Lieferanten für diese Komponenten zu finden. Es ist vollkommen unmöglich, einen Kunden bis zu acht Monate auf die Lieferung warten zu lassen.

Über JOBS:

Das norditalienische Unternehmen JOBS produziert mit rund 200 Angestellten Hochleistungs- und Hochgeschwindigkeitsfräsmaschinen mit 3 und 5 Achsen für technisch anspruchsvollste Bearbeitungen. Jobs exportiert etwa 80% seiner Produktion in die höchstentwickelten Industriestaaten und ist für die Hochleistungsfrästechnologie in den Bereichen Luft- und Raumfahrtindustrie, Automobilindustrie, allgemeiner Mechanik und Energie bekannt. Ende 2009 hat Jobs zudem das Unternehmen Sachman übernommen, um das eigene Produktangebot im Fräsbearbeitungsbereich zu verstärken.

von Sebastian Moser