Seit dem 1. September 2017 ist Bram Schot im Vorstand der Audi AG und verantwortet das Ressort Vertrieb und Marketing. Am 19. Juni 2018 wurden ihm kommissarisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übertragen.

Seit dem 1. September 2017 ist Bram Schot im Vorstand der Audi AG und verantwortet das Ressort Vertrieb und Marketing. Am 19. Juni 2018 wurden ihm kommissarisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übertragen. - Bild: Audi

Der Audi-Aufsichtsrat hat Vorstandschef Rupert Stadler am Dienstag beurlaubt und Vertriebsvorstand Bram Schot zum kommissarischen Nachfolger ernannt. Stadler werde vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden, "bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat", teilte die VW-Tochter mit. Arbeitnehmervertreter erwarten jetzt allerdings einen Neuanfang.

Stadler sitzt seit Montag in Augsburg in Untersuchungshaft und kann seine Aufgaben zumindest vorerst nicht mehr erfüllen. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm beim Dieselskandal Betrug und geplante Beeinflussung von Zeugen oder Mitbeschuldigten vor.

Damit das Tagesgeschäft bei Audi weiterlaufen kann, mussten die Aufsichtsräte von Audi und des Mutterkonzerns VW rasch entscheiden. Beratungen am Montag zogen sich bis in die Nacht, am Dienstag ging es dann schnell. Stadler selbst habe um seine Beurlaubung gebeten, teilten VW und Audi mit. Dieser Bitte hätten die Aufsichtsräte entsprochen. Bram Schot "übernimmt mit sofortiger Wirkung kommissarisch den Vorstandsvorsitz von Audi", teilte der Autobauer mit. Zugleich werde er «als Gast an den Sitzungen des Konzernvorstands» von VW teilnehmen.

Stadler gehört als Audi-Vorstandschef auch dem VW-Konzernvorstand an, VW-Chef Herbert Diess hat ihm erst im April die Verantwortung für den Vertrieb im Konzern übertragen. Bram Schot gehört dem Audi-Vorstand seit September an und leitet dort für den Vertrieb. Der 56-jährige Holländer war zuvor fünf Jahre lang Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeuge.

Mit der Interimslösung halten sich die Aufsichtsräte von VW und Audi alle Optionen offen. Der Betriebsratschef und stellvertretende Audi-Aufsichtsratschef Peter Mosch fand aber deutliche Worte: "Unsere Belegschaft und unser Markenimage dürfen nicht weiter unter der belastenden Situation leiden."

Das ist Bram Schot

Bram Schot wurde am 12. Juli 1961 in Rotterdam, Niederlande, geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Sein Studium an der University of Bradford schloss er mit einem Master of Business Administration ab. Während seiner beruflichen Laufbahn absolvierte er weitere berufsbegleitende Studienprogramme unter anderem an der Harvard Business School und der Insead Fontainebleau Business School. 

1986 begann er als Management-Trainee in der ABN-AMRO Bank.

Ein Jahr später wechselte er zur Mercedes-Benz AG und stieg dort ins Executive Management Programm ein. Nach verschiedenen Positionen bei Mercedes Benz Niederlande, unter anderem als Assistent des Vertriebsleiters für Nutzfahrzeuge, Leiter Unternehmensstrategie & Planung sowie Marketing Direktor für den Bereich Nutzfahrzeuge wurde Bram Schot 1998 Geschäftsführer Mercedes Car Group für DaimlerChrysler Niederlande. 2003 übernahm er die Funktion des Präsidenten und CEO von DaimlerChrysler Niederlande.

Von 2006 bis 2011 verantwortete er als Präsident und CEO DaimlerChrysler/ Mercedes-Benz Italien.

2011 wechselte der Niederländer in den Volkswagen-Konzern, wo er strategische Projekte im Bereich Konzern-Vertrieb betreute. Bram Schot war ab 2012 in der Geschäftsleitung von Volkswagen Nutzfahrzeuge für den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortlich.

Seit dem 1. September 2017 ist Bram Schot im Vorstand der AUDI AG und verantwortet das Ressort Vertrieb und Marketing.

Am 19. Juni 2018 hat der Aufsichtsrat der AUDI AG beschlossen, Bram Schot kommissarisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden zu übertragen.

IG-Metall-Vorstandsmitglied und Audi-Aufsichtsrätin Irene Schulz sagte: "Auch wenn die Unschuldsvermutung für Herrn Stadler gilt, ist er bis auf weiteres von seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Audi AG entbunden. Das ist aus Arbeitnehmersicht die richtige Entscheidung." Die Belegschaft "braucht eine klare Perspektive und die Sicherheit, dass sich das Unternehmen in vollem Umfang den Zukunftsfragen der Branche stellen kann", sagte die Gewerkschafterin.

Schot soll Audi in ruhiges Fahrwasser bringen

Von Schot erwartet der Betriebsrat, dass er Audi "wieder in ruhigeres Fahrwasser bringt", die Aufklärung des Dieselskandals vorantreibe und den Wandel in Richtung Elektroauto und Digitalisierung "im Sinne der Belegschaft" vorantreibt. In Ingolstadt beschäftigt Audi 44 000, im württembergischen Neckarsulm 17 000 Mitarbeiter. Die beiden ersten E-Automodelle von Audi werden in Brüssel gebaut.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt im Dieselskandal nicht nur gegen Stadler, sondern auch gegen einen weiteren, namentlich nicht genannten Audi-Vorstand. In München sitzt außerdem ein ehemaliger Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft, der früher Motorenentwickler bei Audi war.

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