Während sich ohne Abwrackprämie in den Autohäusern zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen auch im Juli Langeweile breit machte, gingen drei von vier in Deutschland produzierte Autos an Kunden im Ausland.Von Katharina Becker, Dow Jones

BAD HOMBURG/BERLIN (Dow Jones)–Die Branchenverbände rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einer leichten Erholung auf Europas größtem Automarkt. Im vergangenen Monat verkauften die Händler hierzulande mit 237.428 Neuwagen 30% weniger als im starken Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mitteilte und damit Informationen von Dow Jones Newswires bestätigte. Profitieren konnten neben Porsche vor allem Mercedes-Benz und Smart sowie BMW und Mini, aber auch Nissan und Land Rover. Deutliche Einbußen mussten Opel, Ford, Volkswagen, Fiat, Toyota, Peugeot oder Suzuki hinnehmen.

Die Statistik zeichnet die Lage jedoch schlechter als sie ist: Im Juli vergangenen Jahres hatte die staatliche Verschrottungsprämie die Autoverkäufe um fast ein Drittel steigen lassen. Im Vergleich zu 2008 wurden im Juli deutschlandweit ein Zehntel weniger Autos neu zugelassen.

Im bisherigen Jahresverlauf zählten die Zulassungsstellen laut der Flensburger Behörde 1,7 Millionen neu angemeldete Pkw und damit ein Minus von 29% zum Vorjahreszeitraum. Während die privaten Käufer weiter ausblieben, kehrten die Gewerbekunden langsam zurück, erklärte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) in Bad Homburg. Im vergangenen Jahr war der Anteil privater Autokäufer durch die Verschrottungsprämie stark gestiegen, während sich Handwerker, Logistiker oder Manager mit dem Kauf von Firmenwagen in der Krise zurückgehalten hatten.

Der VDIK rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Zahl der Neuzulassungen auf maximal 2,9 Millionen nach 3,8 Millionen im Vorjahr. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), in dem die heimischen Hersteller und Zulieferer organisiert sind, rechnet mit 2,8 bis 2,9 Mio Neuzulassungen.

Da vom Heimatmarkt in diesem Jahr wenig Impulse ausgehen dürften, setzt die Branche vor allem auf den Export, etwa nach China und in die USA. Im Juli führten Audi, BMW, Mercedes-Benz, VW und Co 6% mehr Autos aus, wie der VDA in Berlin erklärte. Allerdings verlangsamte sich das Tempo.

Während der deutsche Automarkt weiter schwächelte, meldete sich der in der Wirtschaftskrise stark gebeutelte Nutzfahrzeugmarkt zurück. Im Juli verzeichneten die Hersteller von Lastwagen, Transportern und Bussen hierzulande wieder mehr Aufträge. Und obwohl die Orders erst seit März wieder steigen, wurden im bisherigen Jahresverlauf bereits 8% mehr Nutzfahrzeuge verkauft, wie der VDIK erklärte. Zuvor hatten sich der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler, MAN und Volkswagen zuversichtlich für das Nutzfahrzeug- und Transportergeschäft in den kommenden Monaten gezeigt. Auch der Automobilzulieferer ElringKlinger spürte eine Erholung des Marktes.