FRANKFURT (Dow Jones/rm). Sowohl der weltgrößte Premiumhersteller BMW als auch die Wettbewerber Mercedes-Benz und Audi erzielten in den ersten sechs Monaten zweistellige Zuwachsraten bei den Verkaufszahlen. Die Münchener verteidigten unter anderem dank erfolgreicher neuer Modelle ihre Spitzenposition. Auch auf den Plätzen blieb alles beim Alten: Mercedes-Benz konnte Audi auf Distanz halten, auch wenn die Ingolstädter näher an die Konkurrenten heranrückten.

Branchenprimus BMW verkaufte in den ersten sechs Monaten Konzernweit gut 696.000 Autos, ein Plus von 13,1%. Die Kernmarke BMW legte mit dem Rückenwind neuer Modelle um 14,1% auf 585.755 abgesetzte Einheiten zu, der Cityflitzer Mini um 7,6% auf 109.301 Wagen. Beim Wettbewerber Mercedes-Benz entwickelte sich dank der neuen E- und S-Klasse zwar die Kernmarke mit dem Stern mit einem Plus von 15,2% auf 556.700 Einheiten positiv, Sorgenkind bleibt aber der smart. Zwischen Januar und Juni brachen die Verkäufe des Stadtautos um 17% auf 50.700 Fahrzeuge ein. Die Volkswagen-Tochter Audi verkaufte mit 554.950 Autos fast ein Fünftel mehr Wagen als in den ersten sechs Monaten des Krisenjahres 2009. Die drei deutschen Premiumhersteller rückten im bisherigen Jahresverlauf also ein gutes Stück näher zusammen.

Erfolgsgarant für die drei deutschen Konzerne war in der ersten Jahreshälfte vor allem China, der inzwischen größte Automobilmarkt der Welt. Während BMW den Absatz im Reich der Mitte auf 75.615 Autos verdoppelte, steigerte die Daimler AG die Verkaufszahlen sogar um fast 120% auf 60.500 Wagen der Luxuskernmarke Mercedes-Benz. Das Plus von fast zwei Dritteln bei der Volkswagen-Tochter Audi fällt zwar am geringsten aus, allerdings sind die Ingolstädter mit einem China-Absatz von fast 110.000 Autos weiter Marktführer in dem wichtigsten der für die gesamte Industrie zukunftsträchtigen BRIC-Staaten.

Auch der im vergangenen Jahr besonders krisengebeutelte US-Markt erholte sich im bisherigen Jahresverlauf merklich: Marktführer BMW verkaufte in den ersten sechs Monaten insgesamt 121.585 Autos in den USA (+6,2%), Mercedes-Benz 103.700 (+21,8%) und Audi 48.440 (+28%). Allerdings schmolzen zuletzt die Zuwachsraten wegen der wiederaufflammenden Konjunktursorgen und der zurückgefahrenen Rabatte merklich ab.

Die positive Entwicklung in den USA und China kompensierte die Schwäche des Geschäfts in einigen Ländern Europas, speziell in Deutschland. Während Audi und Mercedes-Benz auf dem Heimatmarkt Einbußen im mittleren einstelligen Prozentbereich hinnehmen mussten, konnte BMW den Absatz hierzulande nahezu konstant halten.

Das Jahr 2009 hatte für die drei deutschen Konzerne unter keinem guten Stern gestanden; die Verkaufszahlen der drei weltgrößten Hersteller von Luxusautos gaben allesamt nach, da die Wirtschaftskrise die Nachfrage nach hochpreisigen Autos schwer belastete. Weil Audi in den USA allerdings vergleichsweise schwach aufgestellt ist und in den (asiatischen) Wachstumsmärkten von der Präsenz der Muttergesellschaft VW profitiert, traf der Einbruch die Ingolstädter im vergangenen Jahr nicht so hart wie die größten Wettbewerber. Trotzdem lagen die Konkurrenten Ende 2009 noch vor Audi, die weltweit etwa 950.000 Wagen an die Kunden brachte: Branchenprimus BMW verkaufte insgesamt 1,29 Mio Autos, davon knapp 1,07 Mio der Kernmarke, und die Daimler-Tochter Mercedes-Benz 1,13 Mio Pkws, wovon rund 1,01 Mio den Stern trugen.

Das Rennen um die Pole-Position im Luxussegment ist nach wie vor in vollem Gange: BMW peilt für 2010 ein Absatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich an, Audi will die Rekordmarke von 1 Million verkaufter Wagen aus dem Jahr 2008 deutlich übertreffen, und Mercedes-Benz will den Absatz um zumindest 7% steigern. Bis spätestens 2015 will Audi mehr als 1,5 Mio Autos der Marke mit den vier Ringen verkaufen und die Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz überholen.

Die starke Absatzentwicklung im ersten Halbjahr lenkt die Aufmerksamkeit nun auf die Veröffentlichung der Zwischenbilanz der drei Konzerne. Denn der hohe Absatz in den USA und China, wo viele große und somit rentable Wagen nachgefragt werden, dürfte auch die Finanzkennzahlen der Premiumhersteller angetrieben haben. Daimler macht mit der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz am 27. Juli den Anfang, drei Tage später folgt Audi. Am 3. August schließt BMW dann den Reigen ab.