Lieferkette

Einer aktuellen Erhebung des BME zufolge musste die Mehrheit der befragten Firmen (71 Prozent) in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette hinnehmen. - Bild: THATREE/fotolia.com

Das ist das Ergebnis der Studie „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status Quo“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und riskmethods, dem Marktführer im Bereich Supply Chain Risk Management.

Der Erhebung zufolge musste die Mehrheit der befragten Firmen (71 Prozent) in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette hinnehmen. Nur 20 Prozent haben ganzheitliche und systematische Maßnahmenpläne für diesen Fall parat, obwohl Versorgungsengpässe regelmäßig Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Auch werden Sub-Lieferanten zu selten ins Risikomonitoring mit aufgenommen, obwohl knapp die Hälfte der Lieferkettenunterbrechungen (41 Prozent) in den Sub-Lieferanten-Strukturen ihre Ursache haben.

„Trotz enormer potenzieller Kosten überwachen Betriebe die Risiken ihrer Lieferkette nicht ausreichend. 81 Prozent sehen die Gründe für Lieferkettenunterbrechungen bei direkten Zulieferern. Jedoch haben 41 Prozent der Störungen ihren Ursprung in Sub-Lieferanten-Strukturen, welche lediglich von 21 Prozent der Befragten überwacht werden“, erklärt Heiko Schwarz, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von riskmethods. Andere Ursachen von Störungen liegen bei den eigenen Produktionsstätten (29 Prozent) oder logistische Knotenpunkte wie Häfen oder Flughäfen (18 Prozent). Daher ist es ratsam immer die gesamte Lieferkette im Blick zu haben.

Organisatorische Verankerungen im Unternehmen

Dass sich Unternehmen mit dem Risikomanagement für die Lieferkette auseinandersetzen, ist in zwei von drei Fällen eine strategische Entscheidung (67 Prozent). Häufig ist es das Resultat neuer gesetzlicher Vorschriften und Normen (45 Prozent). Aber auch schlechte Erfahrung mit Unterbrechungen in der Lieferkette (44 Prozent) treiben ein Engagement voran. In drei von vier Fällen befasst sich der Einkauf mit der Thematik, seltener auch das Supply-Chain- beziehungsweise Qualitätsmanagement (22 und 18 Prozent). Mehrheitlich sind das anfallende Einkaufsvolumen (74 Prozent) und die Umsatzrelevanz (53 Prozent) die wichtigsten Parameter für die Auswahl der zu überwachenden Lieferkettenelemente. Auch bei der Einleitung von Gegenmaßnahmen ist meist der Einkauf federführend (58 Prozent).

Ganz generell bleibt das Supply Chain Risk Management in Unternehmen derzeit weit hinter den technischen Möglichkeiten zurück. Nicht weniger als 80 Prozent der befragten Unternehmen haben keine oder unzureichende Maßnahmenpläne für die wichtigsten Gefahren aufgestellt. Zwei Drittel (64 Prozent) überwachen Risiken rein manuell oder nur in geringem Maße automatisiert. Knapp die Hälfte bewertet das Ausmaß von Schäden unstrukturiert (47 Prozent): Die meisten (85 Prozent) stützen sich dabei lediglich auf Informationen zu Qualität und Performance sowie Finanzkennzahlen und Bonitäten (79 Prozent) von Lieferanten. Länderspezifische Aspekte wie die politische und wirtschaftliche Stabilität und Inhaber- sowie Managementwechsel bei Zulieferern werden von knapp der Hälfte (48 beziehungsweise 47 Prozent) bewertet. Nur 33 Prozent der Befragten halten die verfügbaren Risikoinformationen kontinuierlich auf dem neuesten Stand.

Doch es findet auch ein Umdenken statt: Gut zwei Drittel gab an, dass das Risikomanagement in Zukunft einen hohen oder sehr hohen Stellenwert einnehmen wird. Knapp die Hälfte (44 Prozent) der Befragten misst dem Einsatz von Big Data und Künstlicher Intelligenz in dem Zusammenhang eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei.

„Die gesamte Lieferkette im Auge zu behalten ist geschäftsentscheidend für Fertigungsunternehmen – ohne Einzelteile keine Produktion“, so Schwarz. „An einem vollautomatisierten, ganzheitlich aufgebauten System für das Supply Chain Risk Management führt gerade in einer globalisierten Welt kein Weg mehr vorbei.“