FuE-Beteiligung 2013

Laut einer Studie des ZEW fehlt es der deutschen Wirtschaft an Innovationskraft. Vor allem KMU schwächeln

Bad Tölz. Schon seit vielen Jahren lässt sich ein Trend im Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft beobachten:

…Einerseits steigen die Innovationsausgaben dank hoher Investitionen von Großunternehmen und besonders innovationsintensiven Branchen (Maschinen- und Fahrzeugbau, EDV/Telekommunikation, Elektroindustrie, Chemie-/Pharmaindustrie) weiter an.

…Allerdings stagnieren die Erfolge mit neuen Produkten und Prozessen. Die Umsätze mit neuen Produkten nehmen kaum zu, die mit Prozessinnovationen erzielten Kostensenkungen sind rückläufig.

…In der Gruppe der KMU mit fünf bis 500 Mitarbeitern ziehen sich immer mehr Unternehmen aus dem Innovationsgeschäft zurück. Die Innovatorenquote sank 2013 im dritten Jahr in Folge und liegt bei 37 %. Mit einem weiteren Rückgang ist zu rechnen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Innovationserhebung 2014 des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) für den Community Innovation Survey (CIS). Er ist seit 2005 in der EU für alle Länder gesetzlich verpflichtend. Demnach zeigt sich ein eindeutiger Trend: Die Innovationsaktivitäten in Deutschland konzentrieren sich immer mehr “auf wenige Branchen, auf große Unternehmen und innerhalb der KMU auf eine relativ kleine Gruppe innovationsstarker Unternehmen”, so die Autoren der Studie.

Dies festige zwar die bestehenden Stärken der deutschen Wirtschaft und verbessere kurzfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit. “Langfristig besteht allerdings die Gefahr, dass der Nachwuchs an innovativen Unternehmen ausbleibt und neue Innovationsthemen nicht besetzt und neue technologische Entwicklungen nicht verfolgt werden.”

Im Jahr 2013 entfielen 76 % aller Innovationsausgaben auf Großunternehmen mit 500 oder mehr Beschäftigten. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) trugen 24 % bei. Ihr Anteil an den gesamten Innovationsausgaben ist seit Langem rückläufig. Der niedrigeren Innovationsintensität der KMU stehen auch niedrigere Innovationserfolge gegenüber. Sie bleiben sowohl produkt- wie prozessseitig hinter denen der Großunternehmen zurück. Besonders groß ist der Abstand in der forschungsintensiven Industrie. Dort erzielten die Großunternehmen im Jahr 2013 einen Umsatzanteil mit neuen Produkten von 42 % gegenüber nur 15 % bei den KMU.

Dr. Christoph Rammer, Department of Industrial Economics and International Management, ZEW: “Die schwache Entwicklung der Innovationsbeteiligung von KMU und ihrer Innovationsausgaben ist schon bedenklich. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es gerade bei KMU viele Innovationsmöglichkeiten gibt, die jedoch wegen verschiedener Barrieren (so zum Beispiel fehlende Finanzierung, Fachkräftemangel, begrenztes Zeitbudget der Geschäftsführer, Unsicherheit über künftige Marktentwicklung, Gefahr der Nutzung der eigenen Innovationsergebnisse durch Dritte) ungenutzt bleiben.

Könnten diese Barrieren überwunden werden und würden mehr KMU Innovationsaktivitäten betreiben, sollte dies auch die Wettbewerbsfähigkeit des KMU-Sektors insgesamt erhöhen. Mehr Innovationen bei KMU sind kein Null-Summen-Spiel, im Sinn, dass das Mehr an Innovationen die Innovationserträge der bereits jetzt innovierenden beschneidet, sondern sollte zusätzliche Nachfrage und zusätzliche Wertschöpfung generieren.”

Der Anteil der Unternehmen insgesamt, die Marktneuheiten eingeführt haben, ging im Jahr 2013 auf knapp 8 % zurück (2010: minus 5 %). Dagegen stiegen Nachahmer-Innovationen leicht an auf
20,5 %. Die Umsätze, die mit Marktneuheiten und mit Sortimentsneuheiten erzielt wurden, waren ebenso rückläufig. Der Umsatz mit Marktneuheiten fiel gegenüber 2012 um über 8 % auf rund 136 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Anteil am Gesamtumsatz von 2,6 %.

Die forschungsintensive Industrie erzielte 2013 mit Marktneuheiten einen Umsatzanteil von 7,1 %. Dies ist der niedrigste Wert seit Mitte der 1990er Jahre. “Der leicht rückläufige Umsatzanteil mit neuen Produkten ist zum einen auf den international intensiver gewordenen Innovationswettbewerb zurückzuführen, das heißt auch andere Länder versuchen, in die Bereiche vorzudringen, in denen die deutsche Industrie besonders stark ist”, resümiert Rammer.

Zum anderen führe auch die zunehmende Internationalisierung der deutschen Industrieunternehmen dazu, dass die Umsätze mit neuen Produkten vom Standort Deutschland aus (und das ist der Wert, der in der Innovationserhebung erfasst wurde) wenig dynamisch sind. “Die großen Zuwächse sind vor allem in den neuen Märkten (China und andere Schwellenländer) zu erzielen”, so Rammer weiter. Um diese Märkte optimal zu versorgen, werde sukzessive die Produktion vor Ort ausgeweitet.

Im Jahr 2013 führten 22 % der befragten Unternehmen Prozess­innovationen ein. Der kleinere Anteil der Prozessinnovatoren (rund 8 % aller Unternehmen) erzielte mit diesen Neuerungen Kosteneinsparungen. Ein größerer Anteil (12 % aller Unternehmen) konnte mit neuen Verfahren die Qualität der Produkte und Dienstleistungen erhöhen. Ein steigender Anteil der Prozessinnovatoren (7,5 % aller Unternehmen) konnte mit ihren Prozessinnovationen weder Kostensenkungen noch Qualitätsverbesserungen erzielen.

Christiane Siemann

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