Ob Steuerbetrug, sogenannte “Peanuts” oder organisierte Bordellbesuche: Deutsche Unternehmen haben sich in der Vergangenheit einiges einfallen lassen, um in die (negativen) Schlagzeilen zu kommen. Wir haben die 10 größten Wirtschaftsskandale zusammengetragen – garantiert subjektiv und ausdrücklich nicht wertfrei.

Platz 10: Manipulationskandal beim ADAC – Kein gelber Engel

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Wer Rankings fälscht macht sich nicht strafbar, dachte sich Michael Ramstetter. Wohl auch deshalb manipulierte der ehemalige Pressechef von Europas größtem Auomobilclub 2014 die Ergebnisse der Mitgliederbefragung des ADAC zu den beliebtesten und zuverlässigsten Autos. Bis auf den ersten Platz gestaltete er die Rangfolge der bewerteten Fahrzeuge nach seinem eigenen Geschmack.

Der finanzielle Schaden, der dem ADAC durch die Manipulation bei der Vergabe der Auszeichnung „Gelber Engel“ entstand, lässt sich zwar nicht beziffern. Fest steht aber: Nie zuvor hatte der Verein bei deutschen Autofahrern und –bauern ein so schlechtes Image wie nach dem Skandal. Bis heute hat sich der ADAC von dem Imageverlust nicht erholt.

Platz 9: Arcandor – Thomas Middelhoff veruntreut Millionen

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Obwohl es ihm nicht gelungen war, den Handelskonzern Arcandor und seine Töchter Karstadt, Quelle, Primondo und Thomas Cook zu retten, lässt sich Vorstandschef Thomas Middelhoff kurz vor der Pleite im Jahr 2009 rund 2,3 Millionen Euro Bonus auszahlen. Dafür verbüßt er derzeit eine Haftstrafe wegen Veruntreuung.

Middelhoff pendelte außerdem auf Firmenkosten für 1,1 Millionen Euro mit dem Hubschrauber von seiner Villa in Bielefeld zur Arbeit in die Essener Arcandorzentrale und ließ sich mit Privatjets in seine Villa in St. Tropez und nach New York fliegen.

Einen Beigeschmack hinterließ auch der Verkauf von fünf Immobilien an einen Fonds, an dem Middelhoff und seine Frau beteiligt waren. Der Fonds vermietete die fünf Kaufhäuser für durchschnittlich gut 8,5 Millionen Jahresmiete an Karstadt. Für ihre 164 anderen Filialen zahlte die Kette dagegen nur jeweils 1,7 Millionen Euro Miete.

Platz 8: VW-Betriebsratsaffäre – In den Puff für 2,7 Millionen Euro

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Kein anderer DAX-Konzern scheint so gern die Gesetze zu brechen wie Volkswagen. Mitte 2005 wurde bekannt, dass der Autobauer Betriebsräten Luxusreisen und Bordellbesuche für 2,7 Millionen Euro geschenkt hatte. Auch die brasilianische Geliebte des damaligen Betriebsratschefs Klaus Volkert unterhielt VW mit 400.000 Euro.

Außerdem erhielt Volkert zwei Millionen Euro „Boni“ und konnte Rechnungen für privat gekaufte Luxuswaren abrechnen. Dafür bekam er später eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Personalvorstand Peter Hartz verurteilten die Richter zur Zahlung von 576.000 Euro und einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Trockengelegt hat VW den Sumpf seitdem nicht. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue, weil Volkswagen seinem aktuellen Betriebsratschef, Bernd Osterloh, mit bis zu 700.000 Euro ein vermutlich ungerechtfertigt hohes Gehalt mit Zulagen zahlt. Pikant: Osterloh übernahm sein Amt im Zuge der Bordellaffäre von Volkert.

Platz 7: Telekom Bespitzelungsskandal – Handygate am Rhein

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Wer telefonierte wann mit wem? Wie oft und warum? Solche Fragen beschäftigen neben dem FBI auch die Deutsche Telekom. Nachdem Firmeninterna an die Öffentlichkeit geraten waren, besorgte sich der Bonner DAX-Konzern 2005 und 2006 illegal die Verbindungsdaten von 55 Managern, Journalisten und Gewerkschaftsmitgliedern sowie sieben Aufsichtsräten.

Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Zumwinkel hatten die Spionage in Auftrag gegeben. Beide zahlten später über eine Million Euro Schadenersatz an die Telekom, lehnten aber ein Schuldeingeständnis ab. Die Opfer entschädigte der Konzern. Außerdem spendete er 1,7 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen.

Platz 6: Mannesmann-Vodafone – Abfindungsaffäre bei Übernahme

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Der Deal ist perfekt. Am 4. Februar 2000 stimmt nach einer spektakulären Abwehrschlacht der Mannesmann-Aufsichtsrat der Übernahme des Industriekonzerns durch Vodafone für 178 Milliarden Euro zu. Noch am selben Tag verteilen im Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann, Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und IG-Metall-Boss Klaus Zwickel 30 Millionen Euro „Anerkennungsprämien“ an Topmanager bei Mannesmann.

Obwohl eine Stuttgarter Kanzlei deshalb am 24. Februar Anzeige wegen des Verdachts auf Untreue erstattet, verteilt der Ausschuss im März weitere 32 Millionen Euro an bereits pensionierte Mannesmann-Vorstände. Das Oberlandesgericht Düsseldorf spricht Ackermann, Funk und Zwickel zunächst vom Vorwurf der Untreue frei. Später hebt der Bundesgerichtshof das Urteil auf.

Platz 5: MAN – Schmiergeldauszahlungen in bar

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Dreist: Wer im Dienste der Volkswagentochter MAN bis 2009 Kunden schmieren wollte, ließ sich die erforderliche Summe in bar an der Kasse auszahlen. Später verschleierte der Münchner Nutzfahrzeughersteller die Korruption mit Briefkastenfirmen und Scheinverträgen mit vermeintlichen Beratern in Slowenien und Liechtenstein.

Die insgesamt rund 50 Millionen Schmiergelder schlug MAN auf den Preis für seine Busse und Lkw drauf. So ließen sich die Münchner den Betrug von den Steuerzahlern in den Abnehmerstaaten finanzieren. Im Jahr 2009 flogen die Machenschaften auf.

Die Affäre kostete MAN über 250 Millionen Euro – größter Posten war mit 150,6 Millionen Euro die Geldbuße der Staatsanwaltschaft.

Platz 4: HeidelbergCement – höchstes Bußgeld deutscher Geschichte

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Seit den siebziger Jahren sprachen HeidelbergCement, Schwenk Zement, Dyckerhoff, Lafarge Zement, die Alsen sowie die Readymix AG  Lieferquoten und Preise für Zement ab. Außerdem kauften sie konkurrierende Anbieter auf und legten ihre Werke still. Der Wettbewerb auf dem deutschen Zementmarkt kam zum Erliegen.

Das Bundeskartellamt bestrafte den Marktmissbrauch 2003 mit Bußgeldern in Höhe von 660 Millionen Euro. Nie zuvor hatte das Amt eine höhere Strafe verhängt. Sechs Jahre später reduzierte das Oberlandesgericht Düsseldorf nach einem der längsten Kartellverfahren der deutschen Geschichte die Geldbußen auf 330 Millionen Euro.

Platz 3: Siemens – Größter Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte

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Am 15. November 2006 durchsuchen Fahnder Büros an 30 Siemens-Standorten. Auch Privatwohnungen führender Manager des Konzerns blieben nicht unbehelligt. Sie finden Beweise für wenigstens 4.300 Schmiergeldzahlungen. Damit hatte sich der Elektronik- und Telekommunikationskonzern zwischen 1999 und 2006 Aufträge in Ägypten, Saudi-Arabien, Indonesien und Griechenland erkauft. Insgesamt 1,3 Milliarden Euro blätterten die Münchner dafür hin.

Außerdem unterhielt der DAX-Konzern mit mehreren Hundert Millionen Euro gefüllte schwarze Kassen in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz und machte sich so der Geldwäsche schuldig. Aufsichtsratchef Heinrich von Pierer und Vorstandsvorsitzender Klaus Kleinfeld müssen ihren Hut nehmen. Der Skandal kostet Siemens rund 2,9 Milliarden Euro an Strafen, Steuernachzahlungen und Anwaltskosten.

Platz 2: Volkswagen-Dieselbetrug – Größter Industrieskandal der deutschen Geschichte

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In der Motorsteuerung von wenigstens elf Millionen Fahrzeugen verbaute Volkswagen bis 2015 illegale Abschalteinrichtungen. Damit ist „Dieselgate“ der größte Industrieskandal der deutschen Geschichte und ein schamloser Betrug an Kunden und Behörden.

Verwickelt in die kriminellen Machenschaften sind fast alle Marken des Konzerns sowie der Zulieferer Bosch. Die Konzerntochter Audi soll bei der Entwicklung der verbotenen Software eine Vorreiterrolle gespielt haben.

Der Dieselbetrug kostete den langjährigen VW-Chef Martin Winterkorn den Job. Gegen den aktuellen Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft. Insgesamt hat der Betrug Volkswagen bislang fast 23 Milliarden Euro gekostet.

Platz 1: Cum-Ex-Skandal – Größter Steuerbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik

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Die kriminelle Energie deutscher Banken und ihrer Anleger kennt keine Grenzen. Mit „Cum-Ex“- und „Cum-Cum“-Wertpapiertransaktionen zwischen mehreren Anlegern rundum den Dividendenstichtag einer Aktie verwirrten die Kreditinstitute von 2005 bis 2011 gezielt den Fiskus. So sehr, dass Finanzbeamte am Schluss nicht mehr erkennen konnten, welcher Bankkunde auf die Ausschüttung Kapitalertragsteuer gezahlt hatte, und welcher nicht.

So konnten sich auch Anleger die Steuer zurückerstatten lassen, die sie gar nicht bezahlt hatten. Insgesamt prellten Banken und Aktionäre den deutschen Steuerzahler so um bis zu 32 Milliarden Euro – der größte Steuerbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik.