v.l.n.r.: Andreas Mihm, Journalist, Thomas Bareiß, MdB, Dr. Peter Fath, Vorstand Centrotherm,

v.l.n.r.: Andreas Mihm, Journalist, Thomas Bareiß, MdB, Dr. Peter Fath, Vorstand Centrotherm, Klaus-Dieter Rennert, Geschäftsführung Hitachi Power, Thomas Richterich, Vorstand Nordex (Bild: Anna McMaster).

Im Rahmen des Maschinenbaugipfels diskutieren Energie-Unternehmer die Chancen und Risiken der Energiewende mit MdB Thomas Bareiß, dem Koordinator für Energiepolitik der CDU.

von Sabine Spinnarke

BERLIN. Die Zusammensetzung der Gipfelgesprächsrunde “Energiepolitik – Rahmenbedingungen in Deutschland: Worauf muss die Industrie sich einstellen?” verheißt eine hitzige Diskussion; neben Vertretern der erneuerbaren Energien sitzt Klaus-Dieter Rennert, Vorsitzender der Geschäftsführung Hitachi Power Europe, einem Hersteller ‘konventioneller’ thermischer Kraftwerke. Sein Blick auf atomstromfreie Zeiten ist pessimistisch: “Die uns zugedachte Lückenbüßer-Rolle  ist uns nicht recht.” Wer will denn noch in thermische Kraftwerke investieren, fragt Rennert. Aufträge würden storniert werden, potenzielle Investoren seien durch die Ankündigung der Energiewende verunsichert.

Eine Verdoppelung des Umsatzes hingegen hätte das ursprüngliche Einspeisegesetz dem Maschinenbauer Centrotherm Photovoltaics beschert. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik-Industrie sieht die Energiewende als “gewollt” und umsetzbar – auch wenn Subventionen gekürzt würden. Als Experte für den gesamten Produktionsprozess könne er beurteilen, wie hoch die tatsächlichen Kosten für die Erzeuger sind und ob “sie noch Luft nach oben haben”. Dieses Wissen würde er gerne der Politik bei einer Umgestaltung des Einspeisegesetzes zur Verfügung stellen. Sein Ziel ist es, die Kosten für die Energieerzeugung durch Photovoltaik  zu senken. “Der Maschinenbau will auf Erzeugungskosten in Höhe von 10 cent pro kW/h kommen.”

“Die Weiterentwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist für uns die größte Herausforderung”, bestätigt der Politiker Bareiß. Den Spagat zwischen bezahlbarem Strom – “was mir ein persönliches Anliegen ist” – und der “Riesen-Aufgabe” die Zubaurate in kürzester Zeit zu verdoppeln ist nicht ohne Risiken. Zu teurer Strom könnte dazu führen, dass energieintensive Industrien abwandern. Hitachi Power spielt bereits mit diesem Gedanken: “Wenn es für uns in Deutschland keinen Markt gibt, warum sollten wir hier ein Unternehmen halten?”, fragt Rennert. Auch wenn Gaskraftwerke weiterhin gebraucht würden, um bei Wind- oder Solarflaute zugeschaltet zu werden, “fehlt die Grundlage für Investitionen in diese Technologie.” Dies sei ein systemisches Problem, durch Vorgaben der Politik entstanden. “Es gibt keine sichere Rentabilität mehr für thermische Kraftwerke”, ist sich Rennert sicher. Zu hohe Subventionen für den Ausbau der Infrastruktur und die Einspeisung alternativer Energien hingegen schaden der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller, so Bareiß.

Dass der Strompreis künftig nicht mehr verlässlich vorausberechenbar sind und damit Investitionen ein höheres Risiko mit sich bringen, sieht auch Thomas Richterich, Vorstandsvorsitzender des Windkraftunternehmen Nordex. Richterich geht soweit, Investitionen in Offshore-Windparks als “pures Abenteuer” zu bezeichnen. Er sieht die Energiewende zwar als “mutigen Schritt” und blickt ihr naturgemäß zuversichtlich entgegen, betont aber dennoch, dass es viele Probleme zu lösen gäbe. Sowohl die Anlagentechnologie müsse verbessert werden, als auch die ‘costs of energy’ gewaltig gesenkt werden. Auch er spricht sich gegen den Anreiz durch höhere  Einspeisevergütung aus “die Mittel sollten eher Richtung Forschung und Entwicklung fließen.”

Bareiß trifft mit seinem Vorschlag eines Kraftwerksbeschleunigungsgesetzes auf allgemeine Zustimmung. Würden rechtliche Hürden abgebaut und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, könne dies ein Anreiz für Investoren sein. Dies könnte ein Schritt auf dem Weg der Umsetzung der Energiewende sein, den die Politik machen könnte.