Emissionen, Straßenverkehr, Diesel, Pkw

Insgesamt stammen 14 % des Partikelausstoßes in Deutschland vom Straßenverkehr. - Bild: Bosch

"Nein", sagt Professor Dr. Friedrich Dinkelacker, Leiter des Instituts für Technische Verbrennung an der Leibniz-Universität Hannover. "Vergessen wird ja derzeit in der Diskussion der höhere Wirkungsgrad des Dieselmotors und damit verbunden die geringere CO2-Emission. Insbesondere im Überlandverkehr, besonders bei Nutzfahrzeugen wird der Dieselmotor wohl durchaus bleiben, vermutlich auch im Pkw-Sektor." Nach Ansicht Dinkelackers wäre dafür eine Umweltfolgenabschätzung wichtig, "die die NOx- und Russ-Emissionen in Bezug zu den CO2-Emissionen setzt, so dass eine Gesamt-Umweltbilanz möglich ist. Ich kenne so eine vergleichende Umweltfolgenabschätzung leider bisher nicht."

Noch etwas differenzierter sieht es der Motorenexperte Karl Huber, Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) für das Fachgebiet Thermodynamik und Verbrennungsmotoren: "Diese Frage ist nicht mit einem einfachen ‚Ja!’ oder ‚Nein!’ zu beantworten, zumal bei einer ganzheitlichen Betrachtung eines Fahrzeugantriebs unterschiedliche Kriterien wie Energieeinsatz, Treibhausgasemissionen, Schadstoffemissionen, Kosten zu betrachten und in Abhängigkeit des Einsatzzweckes und der Nutzungsart zu bewerten sind. Pauschal kann man jedoch sagen, dass der Diesel- im Vergleich zu einem konventionellen Ottomotor hinsichtlich des notwendigen Energieeinsatzes und der gesamten Treibhausgase in der Lebenszyklusanalyse um etwa 20 % günstiger abschneidet."

Dennoch sieht Huber die Diesel-Zukunft nicht nur rosig: "Es ist schwer vorherzusehen, wie sich die Kunden in Zukunft entscheiden werden, aber bei rationaler Betrachtung und Berücksichtigung wesentlicher Kriterien ist ein Dieselmotor in der Fahrzeugklasse unter 1.500 kg Leermasse wenig sinnvoll. Die Vision der Fahrzeughersteller, den Dieselantrieb in großen internationalen Pkw-Märkten etablieren zu können, wird nicht stattfinden. Nach dem VW-Skandal erst recht nicht. Zu stark sind mittlerweile die Alternativen, wie die Taxiflotten nicht nur in den Großstädten der USA zeigen." Das sehen nicht alle Experten so.

So sagte ein Bosch-Sprecher gegenüber dieser Zeitung: "Bei dem aktuellen Vorgang geht es nicht um ein prinzipielles Diesel-Problem. Im Gegenteil: Moderne Diesel-Technologie ist verbrennungsmotorisch das beste Prinzip und führt zu niedrigsten Schadstoffemissionen. Moderne Diesel-Antriebe sind für die Erreichung der europäischen Klimaschutzziele unverzichtbar. Der Selbstzünder bedeutet Umwelt- und Verbraucherschutz zugleich." Bosch entwickelt Einspritz- und Abgasnachbehandlungssysteme, die nach eigenen Angaben in allen Fahrsituationen und Betriebszuständen Emissionen reduzieren können – auch bei hohen Geschwindigkeiten und starkem Beschleunigen. "Der Diesel ist unverändert eine wichtige Schlüsseltechnologie um die weltweiten CO2-Ziele zu erreichen. Vor allem: Bosch sieht noch weiteres CO2-Reduktionspotenzial von bis zu 15 % beim Diesel. Bosch steht unverändert zum Diesel", so der Konzernsprecher weiter.

Elring Klinger-CEO: Dieselmotor ist kein Auslaufmodell

Stefan Wolf
Stefan Wolf: "Aus meiner Sicht stellt der Dieselmotor kein Auslaufmodell dar – im Gegenteil: Es steckt noch jede Menge Optimierungspotenzial darin." - Bild: ElringKlinger

Ähnlich sieht man es beim VW-Zulieferer ZF Friedrichshafen: "Selbst wenn der Dieselantrieb aktuell in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt, ist er neben dem Plug-in-Hybridantrieb und dem Elektromotor ein unverzichtbarer Baustein in einer zukunftsgerichteten Mobilitätsstrategie fast aller Autohersteller, um gesetzte Energieeffizienz- und Emissionsziele zu erreichen. Zudem kann der Diesel mit der richtigen Abgasnachbehandlung so sauber sein wie ein Benziner", sagt Thomas Wenzel, Leiter Technologie- und Produktkommunikation.

Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers ElringKlinger, sieht den Diesel nicht in Gefahr: "Aus meiner Sicht stellt der Dieselmotor kein Auslaufmodell dar – im Gegenteil: Es steckt noch jede Menge Optimierungspotenzial darin. Sie dürfen nicht vergessen, dass bis zum Jahr 2020 der durchschnittliche Ausstoß europäischer Neuwagen nur noch bei 95g CO2/Km liegen darf. Dieses Ziel erreichen wir meiner Ansicht nach nur mit Dieselfahrzeugen, die ja grundsätzlich umweltfreundlich und sparsam sind."

Diesel darf nicht in Misskredit gebracht werden

Matthias Wissmann
Matthias Wissmann: "Der Diesel darf trotz der aktuellen Vorkommnisse nicht in Misskredit gebracht werden – denn das hieße, dem Klimaschutz einen Bärendienst zu erweisen."Bild: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

Auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hält moderne Diesel-Antriebe für die Erreichung der europäischen Klimaschutzziele unverzichtbar: "Deshalb darf der Diesel trotz der aktuellen Vorkommnisse nicht in Misskredit gebracht werden – denn das hieße, dem Klimaschutz einen Bärendienst zu erweisen." Nach Angaben des VDA betrug der Dieselanteil bei den Neuzulassungen betrug 2014 in Deutschland 48 %. Mit diesem Anteil erreichte der Ausstoß pro Pkw 132,1 g CO2/Km. "Würde man nun in jedem Segment alle Diesel-Pkw durch entsprechende Otto-Pkw aus demselben Segment ersetzen, so ergäben sich 138,4 g CO2/Km. Umgekehrt ergäben sich 125,3 g CO2/Km, wenn man alle Benziner auf Segmentbasis durch Diesel ersetzen würde, das sind 13,1 g weniger als im reinen Benziner-Szenario. Hier zeigt sich die Überlegenheit des Diesel gegenüber dem Benziner", so der VDA-Präsident.

Dass es mit der Dieseltechnologie weitergehen wird, ist sich Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, ebenfalls sicher: "Sowohl in der Filter- als auch in der Katalysatortechnik wird ständig nach Weiter- oder Neuentwicklungen gesucht." Man vergegenwärtige sich nur die technologischen Schritte der letzten Jahre: "Die Emissionen von Dieselmotoren sind seit Einführung der Abgasgesetzgebung um weit über 90 % reduziert worden. Die Forschung geht hier natürlich weiter. Am Ende ist es eine Kosten-Nutzen-Frage für Industrie, Gesellschaft und Politik, welche Ziele man erreichen möchte. Die Diesel-Hybrid-Technik kann eine Möglichkeit sein, den Verbrauch und somit den CO2-Ausstoß noch weiter zu reduzieren."