Bild: Dürr

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Seit die Autobranche wieder Gas gibt und vor allem in China boomt, geht es auch ihren Ausrüstern wieder besser.

BIETIGHEIM-BISSINGEN (Dow Jones/ks)–Im zweiten Quartal schrammte die weltweite Nummer eins bei Lackieranlagen, Dürr, nur knapp an schwarzen Zahlen vorbei, wie das im Kleinwerteindex SDAX gelistete Unternehmen aus Bietigheim-Bissigen nördlich von Stuttgart am Donnerstag mitteilte. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 2,9 Mio Euro.

Angesichts vollerer Auftragsbücher sind die Schwaben zuversichtlich, den Umsatz in diesem Jahr um mindestens 7% zu steigern. Das Unternehmen, das 85% seiner Einnahmen mit Kunden aus der Automobilindustrie macht, profitiert vor allem von Investitionen der Hersteller in Brasilien, Indien und China.

Im zweiten Quartal stieg der Wert der neuen Aufträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26% auf 375,9 Mio Euro, wie Dürr weiter mitteilte. Der Umsatz kletterte um ein Zehntel auf 287,6 Mio Euro. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdienten die Schwaben 7,1 Mio Euro. Das war mehr als fünf Mal so viel wie zwischen April und Juni vergangenen Jahres.

Im Gesamtjahr erwartet Dürr nun 15% mehr neue Aufträge als im vergangenen Jahr. Mit dem derzeitigen Orderbuch sei die Produktion bis Mitte kommenden Jahres ausgelastet. Der Auftragseingang soll bis Jahresende auf mindestens 1,36 Mrd Euro steigen, die Einnahmen auf mindestens 1,15 Mrd Euro. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll sich deutlich verbessern. Unter dem Strich strebt Dürr einen kleinen Gewinn an.

Damit hat auch Dürr die Talsohle hinter sich gelassen. Als die Autobauer im Zuge der Krise ihre Investitionen auf Eis legten, bedeutete das für den Anlagenbauer Dürr mit seinen 5.700 Mitarbeitern kaum noch Aufträge, Umsatzeinbruch, Kurzarbeit, Kündigungen und ein Verlust von 26 Mio Euro 2009.

Auf der vergangenen Hauptversammlung hatte der Konzern ein ehrgeiziges Wachstumsprogramm vorgelegt. In den kommenden Jahren will der Maschinen- und Anlagenbauer jährlich 5% bis 10% mehr einnehmen und seine Profitabilität (EBIT-Marge) auf 5% bis 6% steigern. Dazu setzt Dürr neben der Expansion in Wachstumsmärkte wie China, Indien oder Brasilien vor allem auf einen Innovationsvorsprung und neue Geschäftsfelder. Anfang des Jahres hatte Dürr den Klebetechnikspezialisten Kleinmichel übernommen. 70% der Einnahmen von 1,1 Mrd Euro stammten im vergangenen Jahr aus dem zweiten Standbein des Anlagenbauers, der Auswucht-, Diagnose- und industriellen Reinigungstechnik. Auch hier ist Dürr Weltmarktführer.

Mit 31,8% ist die Familie Dürr nach wie vor Großaktionär des seit 1990 börsennotierten Unternehmens. Der Unternehmer und Gründer der Helios-Kliniken, Lutz Helmig, hält eine Sperrminorität von 25,2%, weitere 7,9% gehören dem US-Finanzinvestor Harris.