Vorstand Siegbert Lapp: „Ob wir die amerikanischen Hersteller von den Vorzügen unseres Systems

Vorstand Siegbert Lapp: „Ob wir die amerikanischen Hersteller von den Vorzügen unseres Systems überzeugen können, wird sich zeigen.“

Sabine Spinnarke

STUTTGART. Wie die weltweiten Standardisierungsbemühungen voranschreiten und welche Rolle Lapp Kabel dabei spielt, fragt Produktion die Normungs-Experten Siegbert Lapp, Vorstand der Lapp Gruppe und Werner Becker, Geschäftsführer der Lapp Systems GmbH:

Werner Becker: In Europa sind die Standardisierungsbemühungen weit fortgeschritten. Die aktuelle VDE-Norm für Steckvorrichtung und Verkabelung wird in die  internationale IEC-Norm 60332 aufgenommen. Wir gehen davon aus, dass die meisten europäischen Automobilhersteller sich dieser Norm anschließen werden. Anders sieht es in Asien und den USA aus: dort wurde früher mit der Entwicklung von Produkten und Normen angefangen, und die asiatischen und amerikanischen Hersteller arbeiten bereits auf dieser Basis.

Siegbert Lapp: Wichtig sind die europäische Norm und die SAE-Norm, die in den USA und Asien verwendet wird. Im Groben sind es diese beiden Normen, die sich gegenüber stehen. Ob wir die amerikanischen Hersteller von den Vorzügen unseres Systems überzeugen können, wird sich in der nächsten Zeit zeigen.

Becker: Wir halten die nach VDE-Norm entwickelten Systeme für technisch umfassender, qualitativ höherwertig und ergonomisch ansprechender. Schließlich ist es gerade bei der Einführung einer neuen Technologie besonders wichtig, dass sie unproblematisch in der Anwendung ist und technisch nicht zu kurz greift.

Was umfasst die Norm?

Lapp: Unabhängig von den verschiedenen Stecksystemen, die es am Markt geben wird, sind drei verschieden Leitungsquerschnitte vorgesehen: es gibt eine Ladungsspannung für das Aufladen in der Garage, dann gibt es die Möglichkeit der Schnellladung mit höherer Spannung von unterwegs. Außerdem gibt es verschiedene Leistungsklassen von Fahrzeugen und zusätzliche Datenleitungen. Über die kommuniziert die Tankstelle mit dem Fahrzeug, um beispielsweise zu verhindern, dass das Auto während dem Ladevorgang gestartet wird. Die großen OEMS wie Daimler, BMW und Audi haben sich auf den 7-poligen Standard geeinigt, der sieht drei spannungsführende Leitungen, zwei Masseleitungen und zwei Datenleitungen vor. Dieser Norm schließen sich mehr und mehr auch andere europäische OEMs an.

Akzeptiert Europa die Norm?

Becker: Vereinzelt arbeiten andere Länder an eigenen Normen. Bei den Daten- und Steuerleitungen gehen die Normen etwas auseinander. Ich glaube aber, dass diese kleineren Normen sich nicht durchzusetzen werden.

Welche Gremien beschäftigen sich mit Elektrofahrzeugen?

Becker: In Bezug auf das Ladekabel gibt es im Großen und Ganzen zwei Normenkreise. Einer beschäftigt sich mit dem Kabel, der Isolation, der Widerstandsfähigkeit und chemische Zusammensetzungen. Der andere Kreis beschäftigt sich mit der Anschlusstechnik, dem Stecker, dem Gegenkontakt in der Tankstelle und in der Garage sowie den speziellen Anforderungen von Fahrzeugen verschiedener Leistungsklassen.

Arbeitet Lapp in den Normungsgremien mit?

Lapp: Über unseren Partner Bals Elektrotechnik sind wir bei der Steckernormung vertreten, wir selbst sind beteiligt an der Definition der Kabel und der chemischen Eigenschaften der Kabelummantelung. Becker: In den genannten Gremien sind die großen Automobilhersteller und auch verschiedene Zulieferer vertreten. Gestritten wird hier um technische Details und Formulierungen – etwa, wann welche Bestimmung greift, oder ab wann welche Sicherheitsbestimmung in Kraft tritt und ähnliches.

Werden die europäischen Standards schnell genug fertig sein?

Lapp: Nach unserem Eindruck sind wir ausreichend schnell. Es gibt bereits einen Vorab-Status der Norm, auf den viele Unternehmen bereits setzen. Ich würde sagen die Norm steht etwa zu 80% fest. Es gibt Details, die weiterhin einfließen, wie beispielsweise die Kommunikationsstandards für Abrechnungssysteme an den Ladesäulen. Unternehmen, die bislang in der Branche nicht vertreten waren, oder andere europäische Länder werden sicherlich noch Ideen beisteuern wollen.

Reicht der bisherige Status, um in die Produktion einzusteigen?

Lapp: Wir würden heute sicherlich keine Ladestecker und Kabel in Großserie produzieren, sondern agieren vorsichtig, unterstützen strategische Projekte und das parallel zur Weiterentwicklung der Norm.

E-Mobility Standards

Laut VDE führt die „Verwendung standardisierter Schnittstellen im Hochvolt-Bordnetz und bei den einzelnen Komponenten des elektrischen Antriebsstranges zu Innovationssicherheit und zu wichtigen Skalierungseffekten in der Produktion. Für die Lade-Infrastruktur einschließlich des On-board-Lademanagements, der Batterie und der Anbindung an Smart Grid und Smart Metering sind standardisierte Schnittstellen unverzichtbar. Das gilt auch für die Energiemessung und die nachgeschalteten Kommunikations- und Abrechnungssysteme.“ VDE Das von der Lapp-Gruppe in Kooperation mit der Bals Elektrotechnik GmbH entwickelte Ladesystem mit Kabeln und Steckvorrichtung entspricht der VDE-Norm.