HAMBURG (Dow Jones/ks)–”In den nächsten Tagen sind keine Zukäufe in den USA geplant”, sagte CEO Louis Gallois am Dienstagabend dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Zwar schaue sich der Vorstand die Liste möglicher Unternehmen an. Konkretes gebe es derzeit aber nicht.

Der CEO bekräftigte den Wunsch des Unternehmens nach einer Akquisition in einem Land mit dem US-Dollar als Währung. Gleichzeitig bezeichnete Gallois es aber auch als nicht schlimm, wenn EADS im laufenden Jahr kein Unternehmen kaufe. “Davon werden wir nicht sterben”, betonte er. Es bestehe kein zeitlicher Druck. Der Vorstand sei nicht zu einer Übernahme bereit, wenn das zum Verkauf gestellte Unternehmen zu teuer sei oder EADS keinen Mehrwert liefere.

Gallois ließ keinen Zweifel daran, dass der Konzern ausreichend Geld für eine Akquisition hat. Wie hoch das Budget für einen Zukauf ist, sagte er aber auch nicht. “Wir haben uns auf keine Zahl festgelegt”, beantwortete er entsprechende Fragen.

EADS will bereits seit geraumer Zeit die eigene Präsenz im Dollar-Raum steigern. Dies soll die negativen Effekte von Währungsvolatilitäten, beispielsweise vom Euro zum Dollar, mildern.

Wesentlich schlimmer würden sich die Wechselkursschwankungen auf die kleinen Zulieferer auswirken, sagte Gallois. Diese verfügten nicht über ausreichend Geld, um entsprechende Schwankungen abzufangen. EADS könne dies dank ihrer Größe und ihrer finanziellen Mittel viel besser.

Der Bau neuer Fabriken ist Gallois zufolge derzeit nirgendwo geplant. Gewinnt der Konzern allerdings den Auftrag für den Bau von US-Tankflugzeugen, will er in den USA wie zugesagt eine Produktionslinie für diese Flugzeugtypen errichten.

Gallois bekräftigte noch einmal sein großes Interesse an einem Erfolg bei der Ausschreibung. “Wir tun alles, um zu gewinnen”, sagte er. Er betonte aber auch, dass EADS mit diesem Auftrag Geld verdienen und nicht verlieren wolle. “Es ist eine Geschäftsmöglichkeit, aber eben nur eine Möglichkeit”, sagte er.

Mit Blick auf die finanzielle Performance des abgelaufenen Jahres zeigte sich der Vorstandsvorsitzende nicht zufrieden. Es seien zwar Fortschritte gemacht worden, noch liege das EBIT aber nicht da, wo es sein solle. Positive Worte fand der CEO indes für Auftragseingang und Cashflow. “Hier sind wir sehr, sehr gut”, sagte Gallois. Und mit diesen Orders und diesem Cashflow bereite EADS die Zukunft vor.

Mit Blick auf das Militärtransporterprojekt A400M zeigte er sich ebenfalls zuversichtlich. Es gebe keinen Grund, warum die ersten Flieger nicht zu Beginn des Jahres 2013 ausgeliefert werden sollen, sagte er. Bereits in den nächsten Tagen erwartet Gallois die Zustimmung des Bundestages zum vereinbarten Rahmenplan für die Bestellungen aus Deutschland.

Die von Rolls-Royce verursachte Lieferverzögerung des Trent-900-Triebwerks für die A380 bekommt der britische Hersteller Gallois zufolge immer besser in den Griff. Aus diesem Grund seien die Auswirkungen auf die Produktion des Großraumflugzeuges im laufenden Jahr nur noch “minimal”.

“Wir haben im Jahr 2010 Einiges erreicht und können deswegen von einem erfolgreichen Jahr sprechen”, betonte der CEO weiter. 2011 will der Vorstand die Rückkehr zur Profitabilität im Jahr 2012 vorbereiten. Dafür sollen mehr Flugzeuge als 2010 ausgeliefert, die Kosten bei der Fertigung der A380 gesenkt, alle Sparprogramme vollkommen umgesetzt und die Flugzeugprogramme im Zeitplan gehalten werden.

Außerdem will das Unternehmen weiter wachsen und dies am liebsten in den Nicht-Airbus-Bereichen, um zu einer balancierten Umsatzverteilung und damit Risikostreuung zu kommen. Geografisch rechnet Gallois damit, dass die größten Wachstumschancen in den Schwellenländern liegen. “China, Korea, Brasilien – da überall müssen wir hin”, sagte er. Damit werde keineswegs bestehende Industrie in Europa zerstört.

Eindeutig äußerte sich der CEO auch zu seinen eigenen Plänen. “Mein Vertrag endet im Juni 2012″, sagte er. Dann werde er 68 Jahre alt. Es sei bereits ein Verfahren zur Suche für einen Nachfolger vereinbart worden. Dieses werde dann in Gang gesetzt.