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Kann der Maschinenbau in Sachen Digitalisierung mit der IT-Welt Schritt halten? - Bild: Gerhard Schubert GmbH

Der Kongress ‚Maschinenbau vorausgeDACHt’ ist der erste Kongress, zu dem die drei Maschinenbauverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz - VDMA, dem Fachverband Metalltechnische Industrie und Swissmem - gemeinsam einladen. Im Vorfeld der Veranstaltung (16. & 17. März 2017 in Salzburg) haben wir einige Referenten zum Thema ‚Digitalisierung der Produktion’ befragt. Im Interview mit uns sagte Thomas Wengi, Managing Director GF Machining Solutions International SA, dass der Maschinen- und Anlagenbau die Geschwindigkeit der IT-Welt nicht gewohnt sei. Die kurzen Zyklen und der Innovationsgrad seien die Herausforderungen.

Thomas Wengi, GF Machining
Thomas Wengi spricht am 17. März 2017 (Thema: ‚Industrie 4.0 bei GF Machining Solutions und wie es weitergehen könnte’) auf dem Kongress ‚Maschinenbau vorausgeDACHt’, den VDMA, dem Fachverband Metalltechnische Industrie und Swissmem, die Maschinenbauverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, veranstalten. - Bild: GF Machining

Produktion: Welches Potential steckt in der Digitalisierung der Produktion im Rahmen von Industrie 4.0 für die Maschinenbauer und hinsichtlich des konkreten Kundennutzens für die Abnehmer?

Thomas Wengi: "Wie das Potential tatsächlich ist und welche Bereiche betroffen sein werden, ist noch immer schwierig abzuschätzen. Für einen Maschinenbauer sehe ich auf der administrativen und organisatorischen Seite noch viel Potential - gerade hinsichtlich der Verbindung von ERP, CAD, CRM oder QM, um manuelle Abläufe durch Workflows zu ersetzen.

Zum Beispiel wurden die Montageanleitungen in unserem Werk in Zandone (CH) voll digitalisiert und können bei Bedarf umgehend angepasst werden. Auch im Beriech des Kundenservice eröffnen sich neue Möglichkeiten. Mit ‘rConnect’ bietet GF Machining Solutions etwa eine Lösung an, mit der im Bereich Customer Service viel effizienter gearbeitet werden kann. Am Ende wird rConnect den zuverlässigen Betrieb jeder Anlage von GF erlauben. Durch die vom System gesteuerte Wartung und die ‚Vorausschauende Instandhaltung’ werden ungeplante Ausfälle vermieden.

Die Maschine kann Verbrauchsmaterialen selbständig planen und sofern gewünscht über rConnect auch automatisch wieder beschaffen. Was den Kundennutzen betrifft, so ist festzuhalten, dass komplexe Anlagen immer einfacher und vor allem intuitiver bedient werden können. So kann zum Beispiel ein Bediener die GF-Schneiderodiermaschine CUT E mit dem neuen HMI von GF innerhalb von zwei Arbeitstagen bedienen und damit anspruchsvolle Arbeiten verrichten."

Produktion: Ist Europa auf dem richtigen Weg, um die Vorreiterrolle bei I 4.0, IoT oder IIoT auszubauen und zu festigen?

Wengi: "Die Maschinenindustrie als solches ist den ‘Speed’ der IT-Welt nicht gewohnt. Die kurzen Zyklen und der Innovationsgrad werden für unsere Industrie eine Herausforderung. Eine neue App, eine neue Software kann zu massiven Veränderungen im Kundenverhalten führen und dies unter umständen in einem Jahr.

Die Frage ist doch, welcher Maschinenbauer wird sich als erster zu einem IT-Unternehmen wandeln, das auch die nötige Hardware zur Realisierung liefert? Oder welches IT-Unternehmen wird sich als erstes einen Maschinenbauer einverleiben, um auch noch die nötige Hardware liefern zu können. Bis heute stand die Werkzeugmaschine im Zentrum einer Beschaffung unserer Industrie: ich bin überzeugt, dass dies in 5 bis 10 Jahren nicht mehr der Fall sein wird.

Haben wir keine Angst, gehen wir es noch aggressiver an, um Trendsetter zu sein und nicht nacheifern zu müssen. Wir sind von Innovation getrieben und haben es dank dieser Innovation auf dem Weltmarkt geschafft, noch immer konkurrenzfähig zu sein. Dies ist eine Stärke von Europa, jedoch könnten wir diese noch viel effizienter einsetzen."

Produktion: Liegt eine große Chance für den Erfolg von I 4.0 auch beim Thema ‚Kollaboration’? Mehr Teamwork, mehr Spezialisierung und weniger Fertigungstiefe?

Wengi: "Wenn man sich anschaut, wie die Produktionen von Mobiltelefonen funktioniert, wie tief die Lieferanten in den Fertigungsprozess eingebunden sind, dann sind wir schon sehr weit. Leider ist vielen noch nicht bewusst, was dort passiert, wie eng und wichtig die Zusammenarbeit geworden ist.

Alleine hat man keine Chance. Jene, die auf Partnerschaften setzen, etwa in der Industrie mit Universitäten, aber auch mit Partnern außerhalb unserer Industrie, werden erfolgreich sein. Man stelle sich vor, ein Team von jungen Programmierern und erfahrenen Applikationstechnikern schafft es, eine Werkzeugmaschine so einfach bedienbar zu machen wie das iPhone...!"

Das ist der Kongress „Maschinenbau VorausgeDACHt“

Erstmals laden drei große Maschinenbauverbände zusammen mit der Fachzeitung Produktion länderübergreifend gemeinsam ein. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Fachverband Metalltechnische Industrie, Österreich, und der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) wissen um die enorme Bedeutung und die großen Chancen der Digitalisierung und unterstützen ihre Mitglieder schon seit Jahren in der Umsetzung von Industrie 4.0.

Stärken wir gemeinsam den Dialog zum Thema Industrie 4.0 innerhalb der Maschinenbaubranche. Seien Sie dabei!

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