Laut einer aktuellen Fraunhofer-Studie kostet die Umstellung auf Elektromobilität in Deutschland zehntausende Jobs

Laut einer aktuellen Fraunhofer-Studie kostet die Umstellung auf Elektromobilität in Deutschland zehntausende Jobs. - Bild: Pixabay

Elektromotoren brauchen meist weniger Einzelteile als Verbrenner, sie können daher von weniger Menschen gebaut werden. Eine neue, besonders detaillierte Untersuchung zeigt weitreichende Auswirkungen für die Arbeit in der Autobranche - und mögliche Lösungsansätze.

Das härteste Szenario geht dabei von einem Neuwagen-Elektroanteil von 90 Prozent im Jahr 2030 aus. Demnach würde mehr als die Hälfte der rund 210 000 Menschen, die derzeit noch Motoren und Antriebe in Deutschland bauen, ihre Arbeit verlieren. Insgesamt waren in der deutschen Autoindustrie im vorigen Jahr 840 000 Beschäftigte tätig.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann geht zwar von einem verzögerten Umbau aus, weil der Aufbau der Lade-Infrastruktur seiner Einschätzung nach nur langsam vorankommt. Doch auch unter der Annahme eines Elektroanteils von 40 Prozent dürfte der Untersuchung zufolge im Jahr 2030 jeder dritte Antriebs-Job wegfallen, wenn die allgemeinen Produktivitätsfortschritte berücksichtigt sind. Auch andere Branchen wie Stahlhersteller oder Maschinenbauer würden getroffen.

Die Ergebnisse böten aber keinen Grund zur Angstmacherei, sondern zeigten, dass die Herausforderungen zu bewältigen seien, meinte der Gewerkschafter. «Die Politik muss den notwendigen Strukturwandel durch eine zielgerichtete Industrie- und Beschäftigungspolitik flankieren, die Unternehmen müssen vor allem mit einer massiven Qualifizierungsoffensive dafür sorgen, dass die Beschäftigten in diesem Wandel nicht unter die Räder kommen», erklärte Hofmann. Die IG Metall gehört neben dem Verband der Automobilindustrie (VDA) ebenfalls zu den Initiatoren der Studie.

  • Gerade einmal 37.979 E-Autos hat Volkswagen (im Bild die Studie I.D. Vizzion) im Jahr 2017 weltweit verkauft. Damit schaffen es die Wolfsburger gerade noch auf Platz 10 ins Ranking.

    Gerade einmal 37.979 E-Autos hat Volkswagen (im Bild die Studie I.D. Vizzion) im Jahr 2017 weltweit verkauft. Damit schaffen es die Wolfsburger gerade noch auf Platz 10 ins Ranking. - Quelle: Statista, Bild: Volkswagen

  • Schon mal etwas von Roewe gehört? Nein? Damit sind Sie nicht alleine. Dennoch verkauften die Chinesen im Jahr 2017 genau 38.387 E-Autos wie den e50 hier im Bild. Das macht Platz 9 im Ranking.

    Schon mal etwas von Roewe gehört? Nein? Damit sind Sie nicht alleine. Dennoch verkauften die Chinesen im Jahr 2017 genau 38.387 E-Autos wie den e50 hier im Bild. Das macht Platz 9 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: Navigator84/Wikimedia/CC by SA 4.0

  • Von Zhidou, dem Hersteller auf Platz 8, haben hierzulande auch noch nicht extrem viele E-Auto-Käufer (im Bild der ZD D1) gehört. Dennoch haben die Chinesen im Jahr 2017 insgesamt 41.213 Elektrofahrzeuge losgeschlagen.

    Von Zhidou, dem Hersteller auf Platz 8, haben hierzulande auch noch nicht extrem viele E-Auto-Käufer (im Bild der ZD D1) gehört. Dennoch haben die Chinesen im Jahr 2017 insgesamt 41.213 Elektrofahrzeuge losgeschlagen. - Quelle: Statista, Bild: Abxbay/Wikimedia/CC by SA 4.0

  • Der neben Volkswagen größte Autohersteller der Welt, Toyota, landet lediglich auf Platz 7 des Rankings. Die Japaner verkauften im Jahr 2017 genau 46.476 E-Autos (im Bild der iRoad).

    Der neben Volkswagen größte Autohersteller der Welt, Toyota, landet lediglich auf Platz 7 des Rankings. Die Japaner verkauften im Jahr 2017 genau 46.476 E-Autos (im Bild der iRoad). - Quelle: Statista, Bild: Toyota

  • Auf Platz 6 liegt Nissan (im Bild der 2018er Leaf). Im Jahr 2017 setzten die Japaner weltweit 48.148 E-Autos ab.

    Auf Platz 6 liegt Nissan (im Bild der 2018er Leaf). Im Jahr 2017 setzten die Japaner weltweit 48.148 E-Autos ab. - Quelle: Statista, Bild: Nissan

  • Auf Platz 5 im Ranking der Hersteller mit am häufigsten verkauften E-AUtos im Jahr 2017 landet Chevrolet (im Bild der Bolt Modell 2018). Die Amerikaner setzten weltweit 48.481 E-Fahrzeuge ab.

    Auf Platz 5 im Ranking der Hersteller mit am häufigsten verkauften E-AUtos im Jahr 2017 landet Chevrolet (im Bild der Bolt Modell 2018). Die Amerikaner setzten weltweit 48.481 E-Fahrzeuge ab. - Quelle: Statista, Bild: Chevrolet

  • Mit 84.556 verkauften Elektroautos im Jahr 2017 landet der chinesische Riese BAIC (im Bild der Concept 900) auf Platz 4 des Rankings der absatzstärksten Elektroautohersteller.

    Mit 84.556 verkauften Elektroautos im Jahr 2017 landet der chinesische Riese BAIC (im Bild der Concept 900) auf Platz 4 des Rankings der absatzstärksten Elektroautohersteller. - Quelle: Statista, Bild: El Monty/Wikimedia/CC by SA 3.0

  • BMW (im Bild ein i8 in der Leipziger Fabrik) landet mit 85.612 verkauften Elektroautos im Jahr 2017 auf Platz 3 im Ranking.

    BMW (im Bild ein i8 in der Leipziger Fabrik) landet mit 85.612 verkauften Elektroautos im Jahr 2017 auf Platz 3 im Ranking. - Quelle: Statista, Bild: BMW

  • Der vielleicht bekannteste E-Autobauer der Welt landet auf Platz 2: Tesla (im Bild der Roadster). Exakt 89.013 Autos konnte Chef Elon Musk als "verkauft im Jahr 2017" branden.

    Der vielleicht bekannteste E-Autobauer der Welt landet auf Platz 2: Tesla (im Bild der Roadster). Exakt 89.013 Autos konnte Chef Elon Musk als "verkauft im Jahr 2017" branden. - Quelle: Statista, Bild: Tesla

  • Auf Platz 1 der Hersteller mit den weltweit am häufigsten verkauften E-Autos im Jahr 2017 liegt unangefochten BYD (im Bild der e6). Die Chinesen setzten 93.792 Elektroautos ab.

    Auf Platz 1 der Hersteller mit den weltweit am häufigsten verkauften E-Autos im Jahr 2017 liegt unangefochten BYD (im Bild der e6). Die Chinesen setzten 93.792 Elektroautos ab. - Quelle: Statista, Bild: BYD

In einzelnen Regionen könnte es ohne ein Gegensteuern zu heftigen Problemen am Arbeitsmarkt kommen. Bosch-Konzernbetriebsrat Hartwig Geisel weist beispielsweise auf die Werke im saarländischen Homburg und im fränkischen Bamberg hin, deren 13 000 Beschäftigte nahezu ausschließlich Teile für Verbrennungsmotoren bauen. «Da wird die Luft extrem dünn. Neue Technologien müssen hier angesiedelt werden, um die industrielle Basis zu erhalten», mahnt der Arbeitnehmervertreter. Fraunhofer-Studienleiter Oliver Riedel sieht auch kleinere, auf Verbrennungsmotor-Komponenten spezialisierte Zulieferer gefährdet.

Kern der E-Mobilität ist die Batterie, die bislang vor allem in den Händen chinesischer und südkoreanischer Hersteller ist. «Die Zelle ist der Kolben von morgen», mahnt Hofmann, um Kompetenzen langfristig zu sichern. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh setzt sich dafür ein, dass zumindest die nächste Batterie-Generation der Feststoffzelle in Europa gebaut wird. Jetzt noch in die konventionelle Lithium-Ionen-Technologie zu investieren, hält er für falsch.

Trotz erheblicher Investitionen in die Elektromobilität - allein VW hat für die kommenden fünf Jahre rund 30 Milliarden Euro angekündigt - würden künftig auch die Markenhersteller weniger Arbeitsplätze bieten, ist Osterloh überzeugt. Ein Elektro-Antriebsstrang bestehe aus 200 Teilen im Vergleich zu rund 1200 bei konventioneller Technik. Die notwendige Montagezeit pro Auto sinke von derzeit etwa 20 auf unter 15 Stunden. Die IG Metall will nun möglichst für jeden Betrieb eine kleine Studie zu den konkreten Arbeitsplatz-Folgen erstellen.

Auf die Umwälzung hin zu den E-Antrieben seien die Unternehmen vorbereitet, erklärte der VDA. Gerade die mit der Elektrifizierung verbundenen Beschäftigungseffekte verlangten eine gemeinsame Anstrengung von Industrie, Gewerkschaft und Politik. Der Verband warnte vor zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen und verlangte eine angemessene Berücksichtigung der beschäftigungsintensiven Plug-in-Hybride als Übergangstechnologie. Zudem müsse der Aufbau der Ladeinfrastruktur europaweit vorangetrieben werden.

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