Tesla

Tesla sucht Softwareingenieure. Foto: Tesla Motors.

Zwar suchte Musk nur nach rund 100 Kandidaten, die anderen Bewerber sollte er aber in Reichweite behalten. Denn der Elektroautobauer, der vor Kurzem seinen ersten SUV vorstellte und demnächst eine Batteriefabrik in Nevada eröffnet, will in den kommenden Jahren tausende neue Mitarbeiter einstellen - und mischt damit in dem Wettstreit der Autobranche um neue Technologietalente mit.

Tesla ist nicht der einzige attraktive Arbeitgeber vor Ort: Das zwölf Jahre alte Unternehmen sieht sich in Kalifornien einer wachsenden Zahl an Herstellern gegenüber, die nach Leuten suchen, die ihnen helfen Software und andere Bauteile zu entwickeln, die zum Betrieb elektrischer oder autonomer Fahrzeuge nötig sind.

Mehrere Startups haben der Tesla Motors Inc bereits Mitarbeiter für ihre eigenen Elektroautoproramme abgeworben. Gleichzeitig erweiterten Branchenschwergewichte ihre Büros im Silicon Valley und investieren in neue Unternehmen, um sich im Vergleich mit Apple oder der Alphabet-Tochter Google besser zu schlagen, die jetzt auch Automobile entwickeln. Zu den traditionellen Herstellern, die ihre großen Wetten in Teslas Hinterhof platzieren, gehören Ford und Toyota.

Der in Palo Alto ansässige Tesla beschäftigt inzwischen 14.000 Mitarbeiter, ein kräftiger Anstieg von gerade mal 899 Ende 2010. In den kommenden vier Jahren sollen allein in Kalifornien weitere 4.500 hinzukommen, das ist eine Bedingung für eine in diesem Jahr gewährte Steuergutschrift über 15 Millionen US-Dollar. Tesla hat derzeit gut 1.600 offene Stellen und umwirbt aggressiv Ingenieure für die Entwicklung seines autonomen Autos mit dem Namen Autopilot.

Weil das Geschäftsmodell des Autobauers auf explosiven Wachstumsprognosen bis zum Ende des Jahrzehnts fusst, muss der CEO seine Belegschaft schneller aufstocken als andere Hersteller mit kleinen Absatzmengen das üblicherweise tun.

Seinen 3,1 Millionen Followern auf Twitter schrieb Musk, für eine Bewerbung werde "keine bisherige Erfahrung mit Autos verlangt. Bitte fügen Sie Code-Beispiel oder Link zu Ihrer Arbeit bei". Dann fügte er hinzu, "ich werde die Vorstellungsgespräche persönlich führen, und Autopilot berichtet direkt an mich. Das hat eine super hohe Priorität".

Eine Tesla-Sprecherin sagte, Tesla sei "ein Karriereziel für extrem talentierte hard-core Softwareingenieure, und Elons Tweet hat das Tor zu einer neuen Welle von außergewöhnlichen Kandidaten geöffnet".

Dazu den Ruhm von Musk zu nutzen, dürfte eine günstigere Strategie sein als damit Headhunter zu beauftragen. Deren Erfolgshonorare für die Vermittlung von Softwareingenieuren haben sich in der Bay Area in den vergangenen zwei Jahren auf rund 30.000 bis 40.000 Dollar pro Mitarbeiter verdoppelt, sagte Paul Harty, Präsident der Personalbeschaffungsunternehmens Seven Step PRO.

Teslas Marktwert von 30 Milliarden Dollar spiegelt den Optimismus der Wall Street über die Wachstumsperspektiven, aber das Unternehmen vollführt einen finanziellen Drahtseilakt, denn es verliert weiter Geld und verbrennt es in vielen Zukunftsprodukten.

Das Unternehmen gibt nicht nur mehr aus als es hat. Tesla dehnt sich wegen des explosiven Wachstums der Belegschaft inzwischen auch über die Bay Area aus, und die Zentrale in Palo Alto ist schon längst zu klein. Weil der Parkplatz immer voll ist, werden die Autos von einem Angestellten geparkt. Ein Großteil der Büro- und Ingenieursarbeit wird heute in der Fabrik in Fremont erledigt, wo ganze Teile der Anlage von Büros in Beschlag genommen wurden. Und auch der Parkplatz in Nähe des Werkes, der einst auch Toyota und General Motors gehörte, ist restlos voll.

Musk stellte im September den Neubau einer Zentrale in Aussicht, allerdings ohne einen Zeitpunkt dafür zu nenen. Fest stehe nur, dass das Unternehmen in Kalifornien bleiben werde.

Inzwischen arbeiten Tesla-Mitarbeiter in acht Gebäuden in der Bay Area. Das Unternehmen beschäftigt relativ viele Mitarbeiter im Vergleich zu anderen Premiumherstellern. Jaguar Land Rover zum Beispiel dürfte 2015 rund 500.000 Fahrzeuge verkauft haben und beschäftigt 36.000 Mitarbeiter. Das entspricht einer Quote von 13,8 Fahrzeugen pro Mitarbeiter.

Tesla wird in diesem Jahr wohl etwa 52.000 Fahrzeuge an die Kunden übergeben. Bei 14.000 Mitarbeitern entspricht das einer Quote von gerade mal 3,7. Die Differenz rührt zum Teil daher, dass das Unternehmen derzeit noch aufrüstet und in Zukunft mit einem sehr viel höheren Absatz rechnet, aber auch daher, dass Tesla viele Arbeitsschritte im eigenen Haus erledigt. So ersetzte Tesla etwa vor Kurzem den Zulieferer eines Sitzes für das Model X durch Mitarbeiter in der eigenen Produktion - etwas das in der Autobranche außergewöhnlich selten ist.