Tesla Model S, Produktion

Tesla produziert das Model S in seinem Werk in Kalifornien. - Bild: Tesla

Das berichten verschiedene Medien, unter anderem der SWR. "Von jetzt an wird nur noch für Tesla produziert" - diese neue Geschäftsausrichtung bestätigten sowohl Tesla als auch der Vorsitzende des Betriebsrates dem SWR. Mit dieser Ankündigung gab der Hersteller von Montagemaschinen für die Batterie- und Elektronikfertigung auch bekannt, dass der Gründer und bisherige Geschäftsführer Klaus Grohmann aus dem Unternehmen mit sofortiger Wirkung ausscheide.

Bestehende Großaufträge sollen entweder sofort abgebrochen oder zurückgegeben werden, heißt seitens des Betriebsrats. Aktuell stehe die Geschäftsleitung in engem Austausch mit den Auftraggebern. Es gehe darum, wie der Maschinenbauer aus den bestehenden Verträgen herauskommt. Die Liste der Kunden des Prümer Unternehmens ist prominent besetzt: BMW, Mercedes, Volvo sowie Bosch.

Welche Folgen hat das für die Autobauer?

Für BMW und Daimler kam die Neuigkeit, dass Grohmann als Zulieferer wegfällt, scheinbar nicht ganz überraschend. Bereits 2016 sagte Michael Rebstock, BMW Sprecher, gegenüber der Zeitung Trierer Volksfreund, man habe "Grohmann in der Vergangenheit schätzen gelernt als zuverlässigen und guten Lieferanten". 2014 zeichnete der Münchener Automobilkonzern das Unternehmen aus Prüm, damals noch nicht in Tesla-Hand, noch in der Kategorie "Produktivität" mit dem BMW Supplier Innovation Award aus.

Damals war sich BMW noch nicht sicher, wie sich diese neue Unternehmensstruktur bei Grohmann auf die Beziehungen auswirken würde. Man werde aber im Zweifelsfall "die notwendigen Konsequenzen ziehen", so Rebstock. Nachdem die deutschen Automobil-Schwergewichte Daimler und BMW davon unterrichtet wurden, zitiert der Trierer Volksfreund den BMW-Pressesprecher mit den Worten: „Die Neuigkeiten gäben keinen Anlass zur Freude."

Der Grund für die Entscheidung Teslas

Der Hersteller von Elektroautos brauche die Kapazitäten des Werks in der Eifel selbst – vor allem für das Model 3, das in den Startlöchern steht. Das habe absolute Priorität, heißt es in einer Stellungnahme Teslas gegenüber dem SWR.

Automotive-Experte Stefan Bratzel sieht das ähnlich. Gegenüber finanzen.net erklärte der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach, dass die Übernahme des deutschen Anlagebauers vor allem eins zeige: Den enormen Druck, welcher auf Tesla bei der Produktion des Model 3 lastet. Denn eine solche Übernahme sei in der Branche "ein ungewöhnlicher Schritt".

Gleichwohl sei es die einzige Möglichkeit für Tesla die Produktion schon im nächsten Jahr auf 500.000 Fahrzeuge zu steigern. Deswegen setze Tesla-Boss Elon Musk nun auf Automatisierung – und das im ganz großen Stil. Die Tesla-Geburtsstätten sollen eine "Maschine, die Maschinen baut" werden. Dafür brauche der E-Auto-Hersteller das deutsche Traditionsunternehmen Grohmann.

Welche Folgen hat das für die Grohmann-Mitarbeiter?

Wie aus übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht, schwanke die Stimmung der Mitarbeiter zwischen Aufbruchsstimmung und Angst um den Arbeitsplatz. Schließlich sei es bislang Strategie des Firmengründers Klaus Grohmann gewesen, sich breit aufzustellen. Das sollte verhindern, dass das Unternehmen in Schieflage gerät, sollten Aufträge einzelner Kunden ausbleiben.

Auf der anderen Seite sieht insbesondere der Betriebsrat eine große Chance in der Exklusivität nur für Tesla zu arbeiten. Mit mehr Finanzkraft für Forschung und Entwicklung könne sich das Unternehmen zu einer „Edelschmiede“ entwickeln. Damit das gelingt sei Tesla bereist auf der Suche nach zusätzlichen Ingenieuren für Grohmann. Sogenannte Job Recruiter sollen nach geeigneten Kandidaten suchen. Aktuell beschäftigt Grohmann am Standort Prüm 750 Mitarbeiter.

Pikant: Gleichzeitig kämpfen die Grohmann-Mitarbeiter derzeit um einen Tarifvertrag. Die Gewerkschaft IG Metall fordert die Geschäftsleitung auf, nach Ostern mit den Verhandlungen zu beginnen. Wie die Zeitung Trierer Volksfreund berichtet, habe es deshalb gestern (11.4.2017) eine Demonstration vor dem Werk gegeben. „Tarifvertrag wollen wir – darum sind wir heute hier“, skandierten etwa 100 Mitglieder der Gewerkschaft.

Bisher sei nicht erkennbar, dass Grohmann-Eigner Tesla darüber verhandeln wolle. „Wir haben Tesla eine ausreichend lange Erklärungsfrist eingeräumt und sind nach wie vor an einer friedlichen Lösung interessiert“, sagte Gewerkschaftssekretär Patrick Georg gegenüber der Zeitung. „Aber wir sind auch auf eine Auseinandersetzung vorbereitet.“