Nach dem Absturz eines Airbus-Militärtransporters A400M in Spanien haben Ermittler die Blackboxen

Nach dem Absturz eines Airbus-Militärtransporters A400M in Spanien haben Ermittler die Blackboxen gefunden. Die Auswertung der Boxen könnte entscheidende Hinweise zur Ursache des Absturzes der Maschine liefern. - Bild: Airbus/Ramadier

Bei dem Unglück am Samstag bei Sevilla waren vier Menschen ums Leben gekommen und zwei weitere schwer verletzt worden.

Der für die Türkei bestimmte A400M war am 9. Mai kurz nach dem Start abgestürzt, während die Crew noch versuchte, nach einem abgesetzten Notruf zur Basis zurückzukehren. Vier der sechs Airbus-Mitarbeiter an Board starben bei dem Unfall. Die beiden anderen wurden mit schweren Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Absturz fällt in eine schwierige Phase des A400M-Programms, dass bereits um Milliarden teurer geworden ist als gedacht. Jahrelange Verzögerungen bei der Entwicklung und Produktion des viermotorigen Turbo-Propellermaschine haben das Projekt für Airbus zu einem Verlustbringer gemacht.

Die Maschine war Samstag in Sevilla zu ihrem ersten Flug nach der Fertigstellung gestartet und kurz darauf rund 1,6 Kilometer nördlich des Flughafen in ein Feld gestürzt. Dabei krachte der A400M auch gegen einen Sendemast und fing Feuer.

Die beiden Blackboxen des Transportflugzeuges wurden am Sonntagmorgen gefunden und sind dem für die Ermittlungen zuständigen Richter übergeben worden, teilte das spanische Ministerium für öffentliche Arbeiten mit.

Wie bei Verkehrsflugzeugen ist auch der A400M mit Blackboxen ausgestattet, die die Gespräche zwischen den Piloten und die Funktionen der Systeme aufzeichnen. Diesen beiden Aufnahmegeräte, die auch Abstürze und Feuer überstehen können, sollten also nicht nur Gespräche zwischen den Crewmitgliedern vollständig aufgezeichnet haben, sondern auch tausende von Daten darüber liefern, wie die Systeme gearbeitet haben.

Nach Angaben eines Regierungsvertreters wurden die Geräte bei dem Crash beschädigt. Die Ermittler können unter solchen Umständen üblicherweise aber dennoch gespeicherte Daten aus den Blackboxen auslesen. Sie werden vor allem darauf achten, ob ein Systemfehler aufgetreten ist, der auf ein Problem beim Bau der Transportmaschine hinweist, oder ob ein Problem bei der Entwicklung die Ursache war, das noch nicht aufgetreten ist, seit der erste A400M vor fünfeinhalb Jahren seinen Jungfernflug absolvierte. Auch das Verhalten der Crew wird genauestens rekonstruiert werden. Ebenso werden Daten der Flugsicherung ausgewertet.

Maschine war für türkische Luftwaffe bestimmt

Das abgestürzte Flugzeug hätte im Juni an die Türkei übergeben werden sollen. Es war der erste Absturz eines A400M, der vor 13 Jahren von sieben Nato-Staaten als Ersatz für die veralteten Transall-Maschinen in Auftrag gegeben worden war. Zur möglichen Ursache machte Airbus zunächst keine Angaben. Experten seien von der Zentrale in Toulouse nach Sevilla geschickt worden, wo das Endmontagewerk für den A400M steht.

Airbus kündigte an, die Untersuchung zu unterstützen, an der sich nach Angaben des Ministeriums für öffentliche Arbeiten auch das spanische Verteidigungsministerium beteiligt.

Weitere Flüge zunächst ausgesetzt

Das britische Verteidigungsministerium erklärte, es habe Flüge mit Großbritanniens beiden A400M-Maschinen vorübergehend ausgesetzt. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, bis mehr über die Absturzursache des Militärtransporters bekannt sei. Die deutsche Luftwaffe, die eine solche Maschine besitzt, zog am Samstagabend nach. Auch Malaysia und die Türkei behielten den A400M am Boden, Frankreich erklärte, man warte auf weitere Informationen.

Ein Airbus-Sprecher sagte, das Unternehmen haben nicht die Absicht, Flüge mit dem A400M auszusetzen. Auch die Produktion werde nicht beeinflusst, bis weitere Informationen aus den Ermittlungen vorlägen.

Airbus steht unter Druck, das Programm voranzutreiben. Im Januar hatte der Konzern aus Toulouse aus den Problemen um den Militärtransporter personelle Konsequenzen gezogen und den für das Geschäft mit Militärflugzeugen zuständigen Manager ausgetauscht. Airbus-Chef Tom Enders hatte sich für die Pannen entschuldigt.

Von den insgesamt 174 bestellten Maschinen, die jeweils rund 170 Millionen US-Dollar kosten, wurden bislang nicht mehr als zwölf ausgeliefert. 2013 wurde die erste Maschine an Frankreich ausgeliefert, zehn Jahre nach Beginn der Entwicklung. Deutschland erhielt erst im vergangenen Dezember mit vier Jahren Verspätung seinen ersten von 53 bestellten A400M.

Laut Airbus-Vertretern braucht der Hersteller mehr Bestellungen, um jemals Geld mit dem Projekt zu verdienen. In diesem Jahr liege die Priorität deshalb auf Export-Kampagnen, sagten Airbus-Vertreter. Neben einer Gruppe von sechs europäischen Ländern und der Türkei, die die Entwicklung stützen, ist aber Malaysia der einzige Kunde.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke