Europa investiert laut einer aktuellen Studie zu wenig, um beim Wettlauf um die Herstellung wettbewerbsfähiger und kostengünstiger Antriebsbatterien mithalten zu können. Machen die Vorreiter USA und Asien das Rennen, dann müssen Batterien in Zukunft in großer Stückzahl importiert werden.


MÜNCHEN (ks). Weltweit hat ein enormer Investitionswettbewerb begonnen, wer am schnellsten kostengünstige Antriebsbatterien für Elektroautos – sogenannte Traktionsbatterien – in großen Stückzahlen und hoher Qualität produzieren kann. Vorreiter sind Unternehmen aus Japan, Korea und China, die bereits heute Marktführer bei Lithium-Batterien sind – vor allem Sanyo, Sony, Samsung, BYD, LG, Panasonic und Hitachi. Aber auch in den USA werden derzeit allein im Großraum Detroit rund vier Milliarden US-Dollar in neue Produktionsanlagen für Auto-Traktionsbatterien investiert. Das geht aus der aktuellen Studie der Unternehmensberatung Bain & Company „Li-Ion Battery Market for Automotive Applications“ hervor.

Europa droht bei dieser Technologie als Standort zurückzufallen und zum Importeur von Batterien zu werden. Obwohl hier jährlich über 15 Millionen Pkw für den heimischen und den Weltmarkt produziert werden, sind die Investitionen in den Aufbau von Batteriefertigungen bisher gering. Derzeit gibt es konkrete Investitionspläne von rund einer Milliarde Euro bis 2015. Nach den Analysen von Bain & Company sind bis zu fünf Milliarden Euro notwendig. Der Verlust der technischen Eigenständigkeit bei einer zentralen Komponente gefährdet demnach die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie.

Langfristig entsteht in Europa ein attraktiver Markt für Traktionsbatterien. Laut Bain-Studie wird er bis 2020 auf 20 bis 22 Milliarden Euro anwachsen. „Diesen Megamarkt gilt es jetzt für europäische Unternehmen zu erschließen“, fordert Dr. Gregor Matthies, Partner und Automobilexperte bei Bain &Company. „Auch die europäischen Staaten sind gefordert, den Unternehmern mit Fördermitteln den Start zu erleichtern. Denn zu Anfang werden die Stückzahlen nicht hoch genug sein, um die Batteriekosten auf Massenmarktniveau zu senken.“ In Asien und den USA werden die entstehenden Batteriefabriken bereits stark gefördert. So sind von den vier Milliarden US-Dollar Investitionen rund um Detroit 1,4 Milliarden US-Dollar Fördermittel.

„Den amerikanischen oder asiatischen Wettbewerbern die Wertschöpfung bei dem Kernelement künftiger Automobiltechnik zu überlassen, kann keine Alternative sein“, warnt Matthies. „Langfristig würde die technologische Eigenständigkeit der europäischen Automobilindustrie leiden. Das ist heute ihr wesentlicher Wettbewerbsvorteil.“

Die Batterie ist in einem Elektroauto die mit Abstand teuerste Einzelkomponente, ähnlich dem Verbrennungsmotor in einem konventionellen Fahrzeug. Bei einem rein batteriebetriebenen Auto mit 18-kWh Speicher kostet die Batterie bei heutigen Weltmarktpreisen rund 9.000 Euro und kann mehr als 45 Prozent der Gesamtherstellkosten ausmachen. „Die Traktionsbatterie wird über den Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität entscheiden und damit letztlich über die Zukunft der Automobilindustrie”, erklärt Matthies.

„Für den kurzfristigen Erfolg der Elektromobilität auf diesem Preisniveau gibt es eine relativ einfache Formel mit zwei Determinanten“, sagt der Bain-Berater. „Entweder die Kosten für Benzin, Diesel, CO2-Ausstoß und Großstadt-Zufahrtsberechtigungen steigen drastisch oder die Preise für die Batterien sinken schnell um mindestens 60 bis 70 Prozent. Ersteres sind Maßnahmen, die zu Zwangsinnovationen führen, was politisch nicht immer durchsetzbar ist. Letzteres bietet unternehmerische Chancen.“ Wie die Herstellungskosten für die Traktionsbatterie gesenkt werden können, hat Bain & Company analysiert. Entscheidend ist die Massenproduktion. Bei Lithium-Ionen-Akkus für Laptops konnten die Herstellkosten durch Massenproduktion in den letzten zehn Jahren um mehr als 80 Prozent gesenkt werden.