Evonik treibt sein Sparprogramm voran und forciert den Umbau zum Spezialchemiekonzern

Evonik treibt sein Sparprogramm voran und forciert den Umbau zum Spezialchemiekonzern. - Bild: Evonik

Im vergangenen Jahr trieben eine gute Nachfrage nach Materialien für die Auto- und die Kunststoffindustrie sowie Übernahmen den Gewinn an. Als Wermutstropfen zeigte sich das Geschäft mit Tierfutterzusätzen. Hier will Evonik nun mit zusätzlichen Einsparungen gegensteuern.

Für das laufende Jahr hat sich Evonik weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn vorgenommen. Beim operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) stellt der Konzern 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro in Aussicht. Dabei rechnet das Unternehmen mit einer weiterhin guten Nachfrage, die den Absatz antreiben soll. Evonik sei gut ins Jahr gestartet, hieß es.

Einsparungen sollen das Ergebniswachstum unterstützen. Bei den Anlegern kam das aber nicht wirklich gut an. Die Papiere sanken zum Handelsstart um mehr als ein Prozent. Das vierte Quartal sei schwächer als erwartet ausgefallen, hieß es bei JPMorgan.

Der seit Mai amtierende Evonik-Chef Christian Kullmann baut Evonik zu einem Spezialchemiekonzern um. In der Spezialchemie sind in der Regel höhere Gewinnmargen zu erzielen als im Geschäft mit Basischemikalien. Für den Wandel braucht Evonik aber auch Geld. Zur Disposition steht nun das Methacrylat-Geschäft mit etwa 3700 Mitarbeitern, das zur Sparte Performance Materials gehörte. Es erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.

Die Geschäfte hätten im Wettbewerb "führende Positionen", erklärte Kullmann. Die Sparte profitierte zuletzt besonders stark von einer guten Nachfrage der Auto- und der Lackindustrie. Der aktuell "sehr profitable" Bereich könnte laut dem Analysten Heiko Feber vom Bankhaus Lampe einen attraktiven Preis erzielen.

Ausgleich durch gute Geschäfte einzelner Sparten

Die Ergebnisse fielen im Rahmen der Markterwartungen aus. Der Konzernumsatz stieg 2017 um 13 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro. Dabei profitierte Evonik von der miilliardenschweren Übernahme des Geschäfts mit Spezialadditiven vom US-Konkurrenten Air Products sowie dem Kauf des Kieselsäuregeschäfts von J.M. Huber. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 9 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zu.

Gut laufende Geschäfte der Sparten Performance Materials und Resource Efficiency glichen den Rückgang des operativen Ergebnisses im Segment Nutrition & Care im Gesamtjahr mehr als aus. Unter dem Strich verdienten die Essener mit 717 Millionen Euro zwar 15 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das lag aber auch an den Kosten im Zusammenhang mit Übernahmen. Die Dividende soll mit 1,15 Euro je Aktie stabil bleiben.

Das Geschäft mit Tierfutter-Zusätzen litt unter niedrigen Verkaufspreisen, wenngleich sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte aufhellte. Nun soll gespart werden: Bis Ende 2020 sollen die Kosten um 50 Millionen Euro sinken. 2018 sollen es bereits 10 Millionen Euro sein. Diese auf den Geschäftsbereich konzentrierten Maßnahmen werden zusätzlich zum bereits bekannten, konzernweiten Sparprogramm ergriffen.

Wie bereits bekannt, will Evonik in Verwaltung und Vertrieb die Kosten bis Ende 2020 um 200 Millionen Euro jährlich senken, 2018 sollen 50 Millionen Euro ergebniswirksam werden, ab 2021 dann der gesamte Betrag. Mehr Details dazu soll es spätestens im Juni geben. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Evonik für Beschäftigte in Deutschland weiter aus.