Besonders das bayrische Molassebecken und der Oberrheingraben eignen sich für Tiefen-Geothermie

Besonders das bayrische Molassebecken und der Oberrheingraben eignen sich für Tiefen-Geothermie (Bild: Herrenknecht).

Gunnar Knüpffer

LANDSBERG. Als der Bohrtechnik-Spezialist Daldrup & Söhne 2007 an die Börse ging, generierte das Unternehmen mit Geothermie-Aktivitäten 45 % der Gesamtleistung des Unternehmens. Daldrup steigerte den Geothermie-Anteil kontinuierlich, so dass dieser 2010 rund 90 % des Umsatzes in Höhe von 58 Mio Euro ausmachte.
Generell werden die Kapazitäten, die Kraftwerke mit Hilfe der Geothermie bereitstellen, nach einer Studie von Trend Reserach in den nächsten Jahren steil ansteigen. Nach einem  Szenario  könnte der Anteil 2020 bereits rund ein Fünftel der installierten Kraftwerkskapazität betragen. Derzeit beträgt der Anteil der Geothermie an den erneuerbaren Energien jedoch erst 0,5 %. Nach Ansicht von Alexander Hundertpfund, Mitarbeiter der Marketingabteilung der Herrenknecht AG, die Tiefbohranlagen herstellt, kann die bis zur Serienreife entwickelte tiefe Geothermie „bis 2050 einen nenneswert hohen Anteil des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland“ zur Verfügung stellen.
Von Tiefen-Geothermie sprechen Fachleute, wenn heißes Wasser aus Erdtiefen von mehr als 500 Metern an die Oberfläche befördert und für die Wärme- und Stromerzeugung genutzt wird.  Ein Vorteil gegenüber anderen regenerativen  Energien wie Solarkraft und Windkraft besteht darin, dass die Geothermie grundlastfähig ist. „Wir haben keine Schwankungen und sind immer am Netz“, sagt Dietmar Brockhaus von Daldrup & Söhne. Geothermie sei permanent vorhanden.
Gute Chancen bieten sich für die Geothermie in Deutschland durch  das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Vergütungssätze über 20 Jahre sichert. „Es gibt eine gute Planungssicherheit, die den Unternehmen mit der etwas erhöhten Vergütung ermöglicht, auch Projekte, die an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit sind, zu realisieren“, sagt Brockhaus. 80 Projekte sollen die Chance zur Realisierung haben, behauptet der Erfahrungsbericht der Bundesregierung zur Anpassung des EEG.
„Jetzt muss gezielt und umfassend in diese Technik investiert werden, damit durch F&E, Weiterentwicklung in der Technik und der Anwendung, die enormen Potenziale ausgeschöpft werden können, die Erkundungssicherheit erhöht werden kann und größere seismische Ereignisse ausgeschlossen werden können“, fordert Hundertpfund. Denn als limitierenden Faktor hat das Fraunhofer-Institut für Windenergie- und Energiesystemtechnik die Kapazitäten für Explorationsmaßnahmen und die Bohrkapazitäten ausgemacht.
Und das, obwohl große Öl- und Gasbohrfirmen wie Itag, Hekla Energy und KCA Deutag Drilling in den Markt drängen. Profitieren dürfte zudem die Zulieferindustrie, zum Beispiel Turbinen-, Unterwasserpumpen- und Röhren-Hersteller sowie Kraftwerksbauer.