Der Essener Industriedienstleister Ferrostaal verlangt von seinem ehemaligen Mutterkonzern MAN 103 Mio Euro zurück.

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–In dem Jahresabschluss 2009 von Ferrostaal heißt es, “aufgrund von Korrekturen in den Abschlüssen der Ferrostaal AG für die Geschäftsjahre 1999/2000-2008 ergibt sich im Rahmen der für diese Geschäftsjahre existierenden Ergebnisabführungsverträge eine Forderung gegenüber der MAN SE bzw. der MAN Ferrostaal Beteiligungs GmbH für zu viel abgeführte Gewinne bzw. für zu gering ausgeglichene Verluste”.
Die Gesamtkorrektur des Bilanzpostens “Sonstige kurzfristige Vermögenswerte” liegt laut Jahresabschluss bei 103 Mio Euro. Der Jahresabschluss 2009 von Ferrostaal wurde auf der Internetseite des Bundesanzeigers veröffentlicht.
MAN hatte 2009 einen Anteil von 70% an Ferrostaal an die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi verkauft. Nach der Transaktion war Ferrostaal von einer Untersuchung wegen Bestechung betroffen, was zu einem Rechtsstreit zwischen den jetzigen und dem früheren Ferrostaal-Eignern führte. Die Ferrostaal-Bilanzen werden wegen der Untersuchung derzeit revidiert.

In dem Geschäftsbericht von Ferrostaal heißt es weiter, die Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechung dauerten weiter an. Ferrostaal habe “ein starkes Interesse daran, die zuvor benannten Vorwürfe zu klären, und führt daher einen intensiven Dialog mit der Staatsanwaltschaft in München und hat dieser die volle Kooperation bei der vollständigen und rückhaltlosen Aufklärung der erhobenen Vorwürfe zugesagt”.
Ferrostaal habe zunächst die unabhängige Anwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek mit der internen Untersuchung und Aufklärung der Vorwürfe beauftragt. Im Mai 2010 sei Debevoise & Plimpton als weitere unabhängige Anwaltskanzlei hinzugezogen worden und habe die Führung in den laufenden Untersuchungen übernommen, so Ferrostaal weiter. Ferrostaal weist in dem Jahresabschluss darauf hin, dass es “erhebliche Unsicherheiten” über die Ergebnisse und Folgen der Untersuchungen gebe.

Am Montag hatte MAN mitgeteilt, die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2010 auf den 21. März zu verschieben. Die für den 8. April vorgesehene Hauptversammlung werde ebenfalls verlegt, einen neuen Termin teilte MAN noch nicht mit. Zwei Personen aus der Industrie erklärten am Berichtstag, die Gespräche zwischen dem Münchener Nutzfahrzeug- und Motorenherstellers MAN und der IPIC wegen Ferrostaal hätten an Fahrt gewonnen. Deshalb habe sich die MAN SE entschieden, die Veröffentlichung des Jahresabschlusses zu verschieben, so die Personen.