DÜSSELDORF (gk). Nachdem der weltweite Markt für Mergers & Acquisitions (M&A) in den vergangenen zwei Jahren stark vom wirtschaftlichen Abschwung betroffen gewesen war, zeigen sich in der ersten Jahreshälfte deutliche Anzeichen einer Belebung. Während das Transaktionsvolumen voraussichtlich auf einem geringen Niveau verbleiben wird, wird sich die Anzahl der Mehrheitsübernahmen um etwa 8% erhöhen. Genauso wie in der Zeit vor der Krise wird dabei die Anzahl der Akquisitionen, die durch Unternehmen aus Schwellenländern in Industrieländern getätigt werden, mit einem Anstieg von etwa 15% deutlich über dem weltweiten Durchschnitt wachsen und damit als wesentlicher Treiber fungieren. Das geht aus einer aktuellen Studie der Managementberatung A.T. Kearney hervor, die belegt, dass sich die Kräfteverschiebung zwischen etablierten und aufstrebenden Volkswirtschaften weiter fortsetzt. Der schärfer werdende Wettbewerb übt massiven Druck auf die Rentabilität der etablierten Unternehmen aus, die dem stärker werdenden Wettbewerb aus Schwellenländern entschlossen entgegen treten sollten.

Ein Blick auf die globale Entwicklung des M&A-Marktes zeigt: Nach einer Phase enormen Wachstums zwischen 2004 und 2007 sind sowohl Anzahl als auch Volumen der Transaktionen aufgrund der Kreditkrise und reduzierten Börsenbewertungen stark zurückgegangen. Nach dem absoluten Tiefpunkt 2009 zeichnet sich für 2010 wieder moderates Wachstum ab. Dabei forcieren vor allem Unternehmen aus Schwellenländern ihre M&A-Aktivität. Die Anzahl an Transaktionen zwischen Unternehmen aus Schwellenländern und etablierten Ländern wird von 1705 im Jahr 2009 auf voraussichtlich 1972 Deals in diesem Jahr ansteigen. Dies würde einen Zuwachs von 16% bedeuten, während der Gesamtmarkt um voraussichtlich lediglich 8% ansteigen wird. „Der Ansturm der Unternehmen aus Schwellenländern auf etablierte Unternehmen gewinnt weiter an Fahrt“, sagt Dr. Jürgen Rothenbücher, Partner und Leiter der A.T. Kearney Strategy-Practice.

Die Transaktionen zwischen Schwellenländern und etablierten Ländern werden sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite von asiatischen Unternehmen dominiert. Die meisten Käufer aus Schwellenländern kommen aus China, Indien und Malaysia mit nahezu der Hälfte aller Transaktionen. „Eines der bedeutendsten Angebote kommt in diesem Jahr aus China. Der Autohersteller Geely unterzeichnete kürzlich einen Vertrag mit Ford über die Übernahme von Volvo Cars“, sagt Studienautor Dr. Joachim von Hoyningen-Huene: „Diese Übernahme ist symptomatisch für die Strategie indischer und chinesischer Unternehmen auf diese Art und Weise prominente Marken und führende Technologien zu erwerben. Dafür gibt es eine ganze Reihe aktueller Beispiele. So plant der indische Nutzfahrzeugbauer Mahindra & Mahindra die Übernahme des koreanischen Geländewagenspezialisten SsangYong. Die China Huaneng Group will einen 50-prozentigen Anteil am US-amerikanischen Kraftwerksbetreiber InterGen NV übernehmen.“

Der Hauptgrund für die zunehmende Bedeutung der Schwellenländer im weltweiten M&A-Markt ist die stetig wachsende wirtschaftliche Stärke ihrer Unternehmen, die auch in der Global Fortune 500-Liste immer präsenter werden. So hat sich seit 2002 die Anzahl der Unternehmen aus Schwellenländern in der Global Fortune 500-Liste von 20 auf 75 erhöht – eine jährliche Wachstumsrate von 18%. Auch hier spielen wiederum die chinesischen Unternehmen die größte Rolle: Ihre Anzahl in der Global Fortune 500-Liste stieg von 20 in 2006 bis auf 46 in diesem Jahr – bereits mit einigen Top-10 Platzierungen mit Sinopec (Rang 7), State Grid (Rang 8) und China National Petroleum (Rang 10).

„Unsere Zahlen belegen, dass sich die weltweiten wirtschaftlichen Machtverhältnisse weiter verlagern. Hier zeichnet sich ohne Zweifel ein nachhaltiger und langfristiger Trend ab, der mittelfristig die Wettbewerbspositionen der etablierten Unternehmen in den meisten Branchen bedroht“, so von Hoyningen-Huene.

Durch die Übernahme etablierter Unternehmen bringen sich die Schwellenländer in eine immer bessere Wettbewerbsposition. Sie können dadurch vor allem auch in den westlichen Märkten einen enormen Preisdruck ausüben – zu Lasten der Rentabilität etablierter Unternehmen. Dieser Effekt wird häufig noch nicht ausreichend bei der Bewertung von potenziellen Übernahmekandidaten aus etablierten Ländern berücksichtigt. „Den Wettbewerb mit höheren Kaufpreisen einzudämmen, ist eine Möglichkeit, die drohende Margen-Erosion zu reduzieren, reicht aber sicherlich alleine nicht aus, um den Mega-Trend zu stoppen“, erklärt Dr. Joachim von Hoyningen-Huene.

Gleichzeitig müssen die etablierten Unternehmen jedoch auch ihre internen Prozesse und ihre Organisation auf Effektivität und Wachstum trimmen. „Das heißt vor allem durch Innovationen zu wachsen, durch den Einsatz geeigneter Technologie nachhaltiger zu werden sowie nachhaltige Produkte zu entwickeln als auch die Unternehmens-Performance durch das Managen von Komplexität in globalen Produktions- und Lieferketten zu verbessern“, sagt Rothenbücher.