Bernhard Mattes: "Langfristig bleibt Russland ein wichtiger Baustein der Geschäftsstrategie. Wir

Bernhard Mattes: "Langfristig bleibt Russland ein wichtiger Baustein der Geschäftsstrategie. Wir haben dort die Kapazitäten und die Produktion entsprechend angepasst." - Bild: Ford

In Europa ist der US-Autobauer Ford nach Angaben von Deutschland-Chef Bernhard Mattes “sehr gut” ins neue Jahr gestartet und auch die Verkäufe im Februar sehen seiner Ansicht nach gut aus.

“Viele Märkte haben sich sehr gut entwickelt” und würden dazu beitragen, dass Ford seine Marktposition in Europa weiter stärke, sagte Mattes im Interview mit “Dow Jones Newswires”.

So habe man die Tagesproduktion in den Werken Saarlouis und Köln Anfang des Jahres erhöht, um die Nachfrage abzudecken, die saisonal bedingt vor allem ab März und April anziehe. Ähnlich hatte sich das bereits im vergangenen Jahr gezeigt. So war die Tagesproduktion in den ersten Monaten des Jahres zunächst erhöht worden, im weiteren Jahresverlauf musste Ford jedoch sogar Kurzarbeit fahren, um auf die geringere Nachfrage zu reagieren.

Den Vorwurf der schlechten Produktionsplanung will sich Mattes jedoch nicht gefallen lassen. Damit reagiere Ford auf die saisonal schwankende Nachfrage. Ob dementsprechend nicht auch in diesem Jahr später im Jahr wieder Kurzarbeit nötig werden könnte, wollte Mattes nicht beantworten.

“Viele Märkte haben sich sehr gut entwickelt”

Doch der Manager ist für die europäischen Märkte recht optimistisch. Nicht nur in Deutschland, auch in wichtigen Märkten wie Spanien und Italien stabilisiere sich die Nachfrage. In Frankreich habe Ford den eigenen Marktanteil stabilisieren können. Auch im Osten Europas sei Ford nach wie vor gut vertreten. Es seien also nicht nur ein oder zwei Märkte, auf die Ford den eigenen Erfolg fuße, sondern es zeige sich in Gesamteuropa ein gutes Bild.

Nicht so jedoch in Russland. Dort leidet Ford, wie auch andere Autobauer der Branche, unter dem massiven Absatzeinbruch in Folge des politischen Konfliktes. Langfristig bleibe Russland jedoch ein wichtiger Baustein der Geschäftsstrategie. Man habe dort die Kapazitäten und die Produktion entsprechend angepasst. “Wir sind jedoch überzeugt, dass sich die Nachfrage in Russland langfristig entwickeln wird”, bekräftigte der Manager.

Trotzdem war unter anderem das schlechte Geschäft in Russland dafür verantwortlich, dass Ford seine Prognose für Europa im vergangenen Jahr hatte kappen müssen. “Wir gehen davon aus, dass wir in Europa den Verlust in diesem Jahr gegenüber 2014 verringern werden”, bekräftigte Mattes nun das neue Ziel. Die Prognose enthalte jedoch keine detaillierte Zahl mehr, auch einen Blick über das aktuelle Jahr hinaus wollte Mattes nicht wagen.

Ursprünglich hatte Ford für sein Europa-Geschäft angekündigt, ähnlich wie auch die GM-Tochter Opel, Mitte des Jahrzehnts wieder schwarze Zahlen zu schreiben. 2014 hatte Ford in Europa noch einen Verlust von 1,2 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte dagegen in Genf einmal mehr bekräftigt, 2016 in Europa wieder einen Gewinn erreichen zu wollen.

Mattes bleibt jedoch optimistisch für Europa. Der Autobauer würde nicht in neue Produkte und Technologien sowie in seine europäischen Werke investieren, wenn Ford nicht weiter an den europäischen Markt glaube. Zudem habe man die Kapazitäten in Europa in den vergangenen Jahren um 18 Prozent gekappt. So hatte Ford in Belgien und Großbritannien Produktionsstätten geschlossen. Damit sei man gut aufgestellt, die Anpassungen seien auch abgeschlossen.

Den Blick zur Konkurrenz scheut Mattes deshalb auch nicht. “Wir sind die Nummer zwei in Europa und damit einer der wesentlichen Anbieter, und das wollen wir auch bleiben”, betonte Mattes. Er sei überzeugt davon, dass Ford derzeit das breiteste und innovativste Produktportfolio seit langem habe und auch die Nischen gut besetze. “Da brauchen wir uns im Wettbewerb überhaupt keine Sorgen zu machen”, betonte er.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke