Mit smarten Lösungen will Ford am chinesischen Automobilmarkt punkten. Foto: Ford Motor Comany.

Mit smarten Lösungen will Ford am chinesischen Automobilmarkt punkten. Foto: Ford Motor Comany.

Ford Motor Co. kündigte am Montag an, in den kommenden fünf Jahren 11,4 Milliarden Yuan oder umgerechnet 1,6 Milliarden Euro in die Forschung zu investieren, um seine Fahrzeuge mit einer größeren Smartphone-Vernetzbarkeit, autonomem Fahren und anderen smarten Funktionen auszustatten. Mit dieser Investition werde die nächste Fahrzeuggeneration in China für die dortigen Kunden konzipiert, sagte Ford-CEO Mark Fields.

Der Konzern hofft darauf, dass die höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung ihm helfen, smarte Autofunktionen zu entwickeln, die für chinesische Autofahrer maßgeschneidert sind. Aktuell nutzt Ford dort für smarte Autosysteme Technologie, die der Konzern für Nutzer in anderen Märkten entwickelt hat.

"Wir sehen China als einen sehr großen Wachstumsmarkt", sagte Fields am Montag. "Es ist eine große Möglichkeit, nicht nur in unserem Kerngeschäft, dem Verkauf von Pkw und Lkw, zu wachsen, sondern den Leuten auch Dienste zur Verfügung zu stellen, die vielleicht kein eigenes Auto möchten, aber trotzdem mobil sein wollen."

Zu den möglichen Funktionen gehört etwa, den Fahrern die Möglichkeit zu geben, mehr Autosysteme über ihre Smartphones zu kontrollieren und ihre mobilen Chatfunktionen zu nutzen, vor allem während Staus. Ein Video, auf dem das Verkehrschaos während der sogenannten "Goldenen Woche" Anfang Oktober zu sehen ist, einer Ferienwoche anlässlich des Nationalfeiertages, ist in den vergangenen Tagen zum Hit geworden und verdeutlicht die Dimension des Problems.

Die Ankündigung von Ford kommt zu einer Zeit, da das Wachstum von Chinas Automarkt angesichts einer sich abkühlenden Wirtschaft und lokaler Begrenzungen des Autobesitzes zur Begrenzung der Luftverschmutzung sowie des Verkehrs stagniert. Der Neuwagenabsatz im Reich der Mitte ging im August im Jahresvergleich um 3,4 Prozent auf 1,42 Millionen Fahrzeuge zurück.

Ford und seine Wettbewerber wie General Motors und Volkswagen haben vor Kurzem ihre Preise gesenkt und lasten die Kapazität ihrer Werke zurzeit nicht aus. In den ersten acht Monaten des Jahres hat Ford in China 531.702 Fahrzeuge verkauft, das waren 1,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Fields geht davon aus, dass sich das Wachstum des chinesischen Neuwagenmarktes nach den zweistelligen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren verlangsamt. "Ich sehe die Abschwächung in diesem Jahr", sagte er. "Aber wir sehen, dass die Kunden an den Markt zurückkehren."

Der CEO, der seit Juli an der Konzernspitze steht, drängt das Unternehmen dazu, neue Wege zu finden, um weltweit eine jüngere Generation für seine Fahrzeuge zu begeistern, die vielleicht nicht in der Lage sind, sich ein Auto leisten zu können. Verkehrsstaus, Luftverschmutzung, fehlende Parkplätze und die Verfügbarkeit von On-Demand-Autobuchungs-Appanbietern wie Uber haben zudem dazu geführt, dass einige junge Konsumenten gar kein Auto mehr wollen.

Ford hofft darauf, im kommenden Jahr ein Vernetzungssystem mit dem Namen Sync 3 einzuführen, das die Freisprech-Kontrolle von Telefonen, Unterhaltungen, Klimaanlage und Navigation ermöglicht. Verbesserte Stimmerkennungstechnologie, eine smartphone-ähnlichere Schnittstelle und leichter lesbare Grafiken sollen es einfacher machen, in Verbindung zu bleiben, so Ford.

In China kommt weniger als ein Pkw auf zehn Einwohner, in den USA sind es rund acht Pkw auf 10 Einwohner. Im September führte Ford ein Pilot-Programm zur Bildung von Fahrgemeinschaften in den überfüllten Großstädten Schanghai und Peking ein. Ford und sein Partner Dida Pinche, ein chinesischer Online-Anbieter für die Bildung von Fahrgeschmeinschaften, haben bereits 170.000 Fahrten vermittelt, wie Fords China-Chef John Lawler sagte.

In Reaktion auf die Aufforderung der chinesischen Regierung, Abgase zu verringern, wird Ford zudem im kommenden Jahr zwei spritsparende Fahrzeuge in China einführen: die Hybrid-Elektroautos Ford C-MAX und Ford Mondeo.

Vor fünf Jahren hatte Ford einen ehrgeizigen, 5 Milliarden US-Dollar schweren Plan für China vorgelegt, um die dortige Produktionskapazität pro Jahr auf 1,2 Millionen Fahrzeuge zu verdoppeln. Seitdem hat Ford den Anteil am chinesischen Automarkt von 2,5 Prozent 2010 auf 5 Prozent verdoppelt, wie aus Daten des chinesischen Herstellerverbandes hervorgeht.