Von links nach rechts: Dr. Zoran Stančič, Herbert von Bose, Eduard Altmann, Prof. Dr. Heinrich

Von links nach rechts: Dr. Zoran Stančič, Herbert von Bose, Eduard Altmann, Prof. Dr. Heinrich Flegel, Klaas Vegter und Wilfried Eberhardt

von Daniela Hoffmann

BERLIN (ks). Das vom Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, Eduard Altmann, moderierte Gipfel-Gespräch brachte vor allem eines auf den Punkt: Der Antragsprozess, bei dem mehr als einhundert Seiten zu füllen sind, gestaltet sich vor allem für kleinere Unternehmen als klare Einstiegshürde. Nur wenige Hände gingen auf Altmanns Frage hin in die Höhe, wer denn in europäisch gesponserten Forschungsprojekten partizipiert. Kein Wunder: Drei Vollzeitkräfte seien beim Roboter-Hersteller Kuka für die Antragsstellung zuständig, berichtete Wilfried Eberhardt, Managing Director Sales & Marketing und Prokurist bei der Kuka Roboter GmbH. Laut Klaas Vegter, CTO bei Philips Lighting, sind es sogar 15 Mitarbeiter: Solche Zahlen liegen jenseits der Ressourcen kleinerer Mittelständler. Ohnehin können sich nur transnational konzipierte Projekte bewerben, die mehrere Länder und die Wissenschaft mit einbeziehen.

Herbert von Bose, Direktor Industrietechnologien bei der Europäischen Kommission, beschwichtigt jedoch: “Man schließt sich als KMU meist mit größeren Partnern oder zum Beispiel einem Fraunhofer Institut zusammen und muss dann nur 10 Seiten schreiben”. Den Vorwurf, KMU würden zu kurz kommen, hält von Bose nicht für gerechtfertigt: Von den Mitteln des Programms “Fabrik der Zukunft” würden von den 50%, die an die Wirtschaft gehen, beispielsweise zu 30% die KMU profitieren. Insgesamt gehen 10 bis 15% der europäischen Gelder derzeit an KMU. Dr. Zoran Stancic, Deputy Director General Europäische Kommission, begründet das komplizierte Verfahren mit der Verantwortung für Steuergelder. Dennoch sind durchaus einfachere Wege vorstellbar. „Beim Kunden muss ich meine USPs auch auf 10 Seiten erklären, nicht auf 120. Denkbar wäre eine erste Vorauswahl von zehnseitigen Anträgen, die dann im nächsten Schritt vertieft werden könnten“, so Eberhardt.

Im Forschungsrahmenprogramm (FRP) 7 standen 54 Mrd Euro bis 2013 zur Verfügung, ab 2014 soll es im Nachfolger FRP 8, auch Horizon 2020 genannt, um über 80 Mrd Euro gehen. Zum 30. November wird das FRP beschlossen, dann muss es noch die Parlamente passieren, ratifiziert wird es also erst 2014. “Die Forschungsthemen, für die sich Unternehmen heute bewerben, werden tatsächlich erst etwa 2020 in konkreten Produkten resultieren”, konstatiert Vegter, der einer der Vorsitzenden im ETP Photonics21 ist. Die Beschleunigung der Prozesse in der Forschungsförderung sei deshalb von höchster Wichtigkeit für KMUs, die meist einen kürzeren Planungshorizont als Großunternehmen haben. Ein anderer Unterschied besteht darin, dass die Unternehmen mit sehr verschiedenen Motivationslagen antreten. “Die KMU wollen Geld. Die großen Unternehmen sind daran weniger interessiert, sondern wollen die besten Research-Player in Europe anziehen und zusammen bringen”, meint Stancic.

Für die Automobilindustrie diagnostiziert Prof. Dr. Heinrich Flegel, Aufsichtsratsmitglied bei Daimler, hier einen Wandel. „Selbst Daimler wird in Zukunft nicht in der Lage sein, alles selbst zu machen – alles wird komplexer. Wir müssen bei Themen wie Hybrid oder Green Car im Vorfeld gemeinsam forschen und dann in den eigenen Wettbewerb übergehen“. Flegel, Präsident der ETP Manufuture, berichtete zwar eingangs, dass er sich wohl niemals auf das Abenteuer Europa eingelassen hätte, wenn er gewusst hätte, was da auf ihn zu kommt. Schließlich gehe es nicht nur um den europäischen Kontext, auch in jedem Land arbeiten jeweils Leute mit, in Deutschland sind es um die 1000. Auch Velger bestätigt: “Auf europäischer Ebene zu arbeiten kann sehr lohnend sein, aber sehr komplex”. Dennoch appelliert Flegel an die Unternehmen, sich im europäischen Umfeld zu engagieren. “Ich bin mittlerweile ein Europäer und ein Deutscher – und ich hoffe, dass dies auf immer mehr Leute zutreffen wird”. Zudem sei der Input der deutschen Industrie gefragt. Es entstehe derzeit eine Technology Roadmap, in der festgehalten wird, was die Bedürfnisse der Manufacturing-Branche in 2020 sein werden.

Auch von Bose forderte die Teilnehmer des Maschinenbau-Gipfels auf, die Möglichkeiten der europäischen Forschungsförderung zu nutzen. Die Industrie könne in Public-Private-Partnerships wie der “Fabrik der Zukunft” starken Einfluss darauf nehmen, wofür diese Gelder verwendet würden. “Es gibt noch eine Ausschreibung bis Ende des Jahres und eine weitere im nächsten Jahr. Im FRP 7 sind noch viele Mittel vorhanden. Es macht Sinn, sich da jetzt zu bewerben, warten Sie nicht auf auf FRP 8!”, riet von Bose.