Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung von Freudenberg. Bild: Freudenberg

Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung von Freudenberg. Bild: Freudenberg

WEINHEIM (buc). Der Umsatzeinbruch aus dem Jahr 2009 konnte vollständig kompensiert werden, heißt es. Mit 5.481,4 Millionen Euro lag der Umsatz um 30,5% über dem Vorjahr (VJ. 4.200,8 Millionen Euro) und 8,5% über dem Vorkrisen-Niveau des Jahres 2008 (5.050,1 Millionen Euro). Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) ist überproportional um 592,2 Millionen Euro auf 430,6 Millionen Euro gewachsen und lag damit auch deutlich über dem guten Wert von 2008, so das Unternehmen. Damit zählt das Jahr 2010 bei Umsatz und Gewinn zu den erfolgreichsten Geschäftsjahren, so Freudenberg.

„Die schnelle wirtschaftliche Erholung, die während der Krise verbesserten Strukturen, das strikte Finanzmanagement in allen Geschäftsgruppen und nicht zuletzt das Engagement und die Flexibilität unserer Mitarbeiter sind die Hauptgründe für das gute Abschneiden im abgelaufenen Geschäftsjahr“, sagte Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung Freudenberg. „Die größte Herausforderung war das schnelle Umschalten von einer krisenbedingt gedrosselten Produktion auf starkes Wachstum. Hier hat sich die organisatorische Flexibilität in allen Geschäftsgruppen bestens bewährt. Einhergehend mit wichtigen organisatorischen Weichenstellungen sind wir somit deutlich gestärkt aus der Krise hervorgegangen und in das Jahr 2011 gestartet“, betonte Dr. Bettermann.

Die Ende 2008 und 2009 eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung und das verbesserte Working Capital Management machten sich beim Ergebnis positiv bemerkbar, heißt es.  Ursächlich waren vor allem die Deckungsbeiträge aus dem gestiegenen Umsatz. Der Konzerngewinn betrug 321,7 Millionen Euro und lag um 571,3 Millionen Euro über dem des Vorjahres (minus 249,6 Millionen Euro). Durch fokussiertes Cash Management konnte der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit um 12,0 Millionen Euro oder 2,6 % auf 468,1 Millionen Euro erhöht werden, berichtet Freudenberg.

Der Free Cash Flow betrug trotz gesteigerter Investitionstätigkeit und umsatzbedingt stark gewachsener Außenstandsvolumina 198,3 Millionen Euro (VJ. 260,9 Millionen Euro). Dabei wurde die ergebnisbedingte Verbesserung durch die umsatzbedingte Erhöhung des Working Capitals teilweise kompensiert. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich auf 47,4 % (VJ. 44,5 %). Insgesamt beschäftigte die Unternehmensgruppe Freudenberg zum Jahresende 34.319 Mitarbeiter, 2.177 oder 6,8 % mehr als zum Stichtag 2009 (VJ. 32.142).

Aktuelle Entwicklung

Die positive wirtschaftliche Entwicklung des abgelaufenen Geschäftsjahres setzt sich auch zu Beginn des Jahres fort, bereichtet Freudenberg. Dafür sprechen der aktuelle Auftragsbestand und Auftragseingang, heißt es. Das sind klare Indizien für einen anhaltend positiven Trend im ersten Halbjahr 2011. In der zweiten Jahreshälfte rechnet Freudenberg mit einer Abschwächung der Wachstumsdynamik. Beim Ergebnis bestehen deutlich wachsende Risiken bei Preisen und Verfügbarkeiten von Rohstoffen. „Wir wollen die in den Krisenjahren bewährte Struktur eigenverantwortlich handelnder Geschäftseinheiten weiter stärken und die dazugewonnene Flexibilität erhalten“, ergänzte Dr. Bettermann.

Geschäftsentwicklung im Einzelnen

Im abgelaufenen Geschäftsjahr bewährte sich die konservative Finanzpolitik der Unternehmensgruppe Freudenberg, sagt die Firma. Die gute Liquidität zählt neben einer überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalquote, einem stabilen Bestand an Gesellschaftereinlagen sowie umfassenden Kreditlinien zu den besonderen finanziellen Stärken Freudenbergs. Die Ende 2008 und 2009 ergriffenen Maßnahmen als Gegenreaktionen auf die Wirtschafts- und Finanzkrise wie fokussiertes Cash-Management, Rationalisierungen, Flexibilitätserhöhungen und Kapazitätsanpassungen, wurden im Jahr 2010 konsequent weiter umgesetzt. Sie führten dazu, dass Freudenberg sehr erfolgreich von der Konjunkturbelebung profitieren konnte, so das Unternehmen.

Geschäftsjahr 2010 in Zahlen

Mit 5.481,4 Millionen Euro lag der Umsatz 8,5 % über dem Niveau von 2008 und 30,5 %t über dem krisenbedingt niedrigen Vorjahreswert, heißt es. Bereinigt um Effekte aus Akquisitionen und Desinvestitionen von per Saldo 292,4 Millionen Euro sowie um umrechnungsbedingte Wechselkurseffekte lag der Umsatz um 18,7 % über Vorjahr und noch leicht über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2008. Auch beim Ergebnis machten sich die während der Krise eingeleiteten und im Jahresergebnis 2009 verkrafteten Maßnahmen sowie das verbesserte Working Capital Management positiv bemerkbar.

Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit stieg überproportional um 592,2 Millionen Euro auf 430,6 Millionen Euro, vor allem durch die Deckungsbeiträge aus dem gestiegenen Umsatz. Die Nettoverschuldung ist im Vergleich zum Vorjahr um 129,4 Millionen Euro auf 301,8 Millionen Euro gesunken. Damit konnte die finanzielle Situation der Unternehmensgruppe weiter gestärkt werden, heißt es. Derzeit beträgt die Eigenkapitalquote 47,4 % (Vorjahr 44,5 %). Ursachen hierfür sind fast ausschließlich das positive Ergebnis sowie die Wechselkursentwicklung. Aufgrund der positiven Entwicklungen im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Rating Agentur Moody’s für das Baa1-Rating den Ausblick auf „stabil“ angehoben. Damit verfügt Freudenberg über eine gute „Investment Grade“ Bewertung.

Neuorganisation spiegelt die strategischen Geschäftsfelder wider

Durch ein verstärktes Engagement in definierten Wachstumsbereichen wird sich die Unternehmensgruppe zudem neue Umsatzpotenziale erschließen, berichtet das Unternehmen. Dies gilt sowohl für die drei neuen Geschäftsgruppen (wirksam ab 1. Januar 2011) Helix Medical (Medizintechnik), Freudenberg Oil & Gas und Freudenberg Schwab (Schienenverkehr) als auch für die Integration der SurTec als „vierte Säule“ in die Geschäftsgruppe Freudenberg Chemical Specialities, sagt Freudenberg.

Um die Position dieser Geschäftsgruppen weiter auszubauen, hat Freudenberg im Berichtsjahr den Bereich Medizintechnik durch den Kauf von 50 % der Anteile von VistaMed Ltd., Carrick-on-Shannon, Irland, gestärkt. Außerdem hat die Helix Medical Europe KG, Kaiserslautern, die Produktion von Silikon- und Thermoplastformteilen und Silikonschläuchen für die medizinische Anwendung aufgenommen, heißt es. Die Aktivitäten im Öl- und Gasgeschäft wurden mit der Eröffnung einer Niederlassung in Kasachstan und dem Erwerb des Unternehmens Offshore Seals (Asia) Pte. Ltd. in Singapur, einem Spezialisten für Dichtungen in der Öl- und Gasindustrie, vorangetrieben.

Um die schwingungstechnischen Aktivitäten im Bereich Schienenfahrzeuge auszubauen, hat die Geschäftsgruppe Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik Europa alle Anteile ihres langjährigen Joint-Venture-Partners Schwab Holding AG, Zug, Schweiz, an der Schwab Schwingungstechnik AG, Adliswil, Schweiz, und an der Freudenberg Schwab GmbH, Hennigsdorf, übernommen. Außerdem wurde laut Angaben zum 1. Januar 2011 das klassische Freudenberg-Dichtungsgeschäft neu organisiert. Das bislang regional separat in den Geschäftsgruppen Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik für Europa und Freudenberg-NOK General Partnership für Nord- und Südamerika geführte Geschäft ist jetzt unter dem Dach der neuen Geschäftsgruppe Freudenberg Sealing Technologies gebündelt.

Weiterer Ausbau und Neuausrichtung der Geschäftsfelder

Vibracoustic übernahm zu Jahresbeginn 2010 alle Anteile seines Joint-Venture-Partners Anvis Netherlands B.V., Venlo, Niederlande und wurde damit zum alleinigen Anteilseigner von Vibracoustic do Brasil Ltda., Taubaté-SP, Brasilien. Damit kann der südamerikanische Markt noch effizienter bedient werden. Im Oktober wurde in Yantai, China, der neue Standort von Vibracoustic eröffnet. Hier werden schwingungstechnische Komponenten und Nutzfahrzeug-Luftfedern für die chinesische Automobilindustrie produziert, um die Kunden direkt vor Ort bedienen zu können.

Freudenberg Filtration Technologies übernahm in Australien eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen Micro Fresh Filters (Aust.) Pty. Ltd., Braeside, Australien. Diese Gesellschaft firmiert jetzt unter dem Namen Freudenberg Filtration Technologies (Aust) Pty. Ltd. Sie stellt Filter für Bergwerksfahrzeuge und Maschinen her. Zur Stärkung der Geschäftsgruppe Freudenberg Chemical Specialities wurde das Oberflächentechnik-Unternehmen SurTec International GmbH mit Hauptsitz in Zwingenberg übernommen. SurTec bietet kundenspezifisch entwickelte Produkte und Lösungen für Oberflächenbehandlung und Galvanotechnik.

Die 2009 eingeleitete Neuausrichtung der Freudenberg Anlagen- und Werkzeugtechnik GmbH, Laudenbach, wurde ebenfalls abgeschlossen. Teile des Unternehmens wurden in die Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik Europa und Vibracoustic integriert, die Teilbereiche Maschinentechnik und Sonderwerkzeuge sowie Teile des Bereichs Produktionssysteme an die AWETIS Engineering + Manufacturing GmbH, München, verkauft.

Auch die Minderheitsbeteiligung an der Freudenberg Mektec Europa GmbH, Erkelenz, wurde mit Wirkung zum 30. Juni 2010 an den langjährigen Joint-Venture-Partner NOK Corperation, Tokio, Japan, übertragen, so Freudenberg. Darüber hinaus wurde der Verkauf des Zylinderkopf- und Abgas-Dichtungsgeschäfts für die Automobil-Erstausrüstung und den herstellergebundenen Ersatzteilmarkt an die ElringKlinger AG, Dettingen an der Erms, eingeleitet. Der Übergang erfolgte zum Jahresbeginn 2011.