Finanzvorstand Alexander Selent glaubt, dass Fuchs Petrolub auch in den kommenden Jahren in Asien

Finanzvorstand Alexander Selent glaubt, dass Fuchs Petrolub auch in den kommenden Jahren in Asien jeweils zweistellig wachsen wird (Bild: Fuchs Petrolub).

Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–”Wir treten nicht auf die Bremse, sondern führen unsere Wachstumsinitiativen fort”, sagte Finanzvorstand Alexander Selent im Gespräch mit Dow Jones Newswires. In neue und bestehende Werke wolle der MDAX-Konzern im kommenden Jahr mehr als 45 Mio Euro investieren, kündigte der Manager an. Das wären mehr als im laufenden Jahr, als 40 Mio bis 45 Mio Euro ausgegeben wurden, und auch deutlich mehr als 2010 mit etwa 30 Mio Euro.

Neben der Fertigstellung eines Laborgebäudes in Mannheim sind seinen Angaben zufolge Werksneubauten in Brasilien, China und Russland geplant. Darüber hinaus seien Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz in wichtigen bestehenden Werken vorgesehen. Zudem sollen mehr Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung und im Vertrieb eingestellt werden.

“Aus der gegenwärtigen Betrachtung sagen wir, dass wir diese Initiativen fortführen, weil wir an die Märkte glauben”, sagte Selent. Die größten Wachstumschancen sieht der Manager in Südamerika, Osteuropa und Asien. Haupttreiber in diesen Märkten sei die zunehmende Motorisierung und Industrialisierung.

Asien beispielsweise hat in den vergangenen 10 Jahren den Anteil am Fuchs-Konzernumsatz von ehemals 12% auf heute fast 30% ausgedehnt. “Wir gehen davon aus, dass wir jährliche zweistellige Zuwachsraten in Asien auch weiter halten können”, sagte Selent. Das gleiche gelte für Märkte wie Russland, Indien und Brasilien.

Die Staatsschuldenkrisen in Europa, den USA und Japan wird seiner Einschätzung nach zwar auch 2012 zu weniger Weltwirtschaftswachstum führen, die Nachfrage werde auf reduziertem Niveau aber immer noch zunehmen, prognostizierte er.

Eine konkrete Prognose für 2012 wollte Selent für sein Unternehmen aber noch nicht nennen. Die Prognose des Verbands der chemischen Industrie, der kürzlich für 2012 lediglich ein Wachstum der Chemieproduktion von 1% und ohne Pharma sogar nur von 0,5% in Aussicht gestellt hatte, hält der Manager aber für etwas pessimistisch.

“Der Auftragsbestand in der Automobilindustrie und im Maschinenbau zeichnet ein positiveres Bild für die nächsten Monate” erklärte er. “Die Auftragseingänge liegen bei uns weiter auf hohem Niveau, und der Auftragsbestand ist bei wichtigen Kundengruppen – wie zum Beispiel aus dem Fahrzeug- oder Maschinenbau – unverändert hoch”, sagte er.

Mit Kunden aus dem Fahrzeugbau, wozu Fuchs unter anderem auch Traktoren oder Baumaschinen zählt, erwirtschaften die Mannheimer etwa 20% der Konzernerlöse, mit Maschinenbaukunden etwa 10%.

Von Vorteil sei, dass Fuchs solide und finanziell sehr gut aufgestellt sei, sagte er. Das Familienunternehmen, an dem die Familie Fuchs 52% der Stammaktien hält, hat sich in den zurückliegenden Jahren erfolgreich auf hochwertige Produkte in margenstarken Marktnischen spezialisiert. Der Schmierstoffmarkt ist mit über 1.000 Produzenten stark fragmentiert. Fuchs gilt als der weltweit größte unabhängige Anbieter von Schmierstoffen. Größere Konkurrenten von Fuchs sind überwiegend Ölkonzerne wie Shell, Exxon, BP oder Total.

“Wir haben eine Eigenkapitalquote von über 60% und sind schuldenfrei”, sagte Selent. Die Konzernstruktur sei ausgewogen. “Wir sind mit 52 operativen Gesellschaften in 42 Ländern vertreten und liefern in mehr als 100 Länder”, sagte er. “Das Risiko der Abhängigkeit von einzelnen Gesellschaften, Produkten, Kunden, Branchen oder Regionen wird dadurch minimiert. Das sollte uns zugute kommen”.

Die Erwartungen an das vierte Quartal seien wegen der konjunkturellen Abschwächung jedoch weiter gedämpft. Insbesondere im Geschäft mit Werkstätten und Endkunden sei eine gewisse Kaufzurückhaltung zu verspüren, sagte Selent. Zurückhaltend seien die Kunden auch bei Reparaturen und Wartungen.

Für das Gesamtjahr 2011 rechnet Fuchs aber weiterhin mit einer Steigerung von Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahr. “Wir bleiben dabei, wir streben an, das bisherige Rekord-EBIT von 250 Mio Euro des Vorjahres 2011 zu übertreffen”, sagte er.

Notfallpläne im Falle einer Krisenverschärfung hat Fuchs derzeit nicht. Allerdings sei das Risikomanagement nochmals geschärft worden. Für Problemländer, insbesondere Italien, Spanien, Portugal und Griechenland, habe Fuchs bereits in der Krise 2008/2009 Frühwarnsysteme eingeführt. Bisher habe es keine größeren Ausfälle gegeben.

Mit Belastungen rechnet Fuchs 2012 auf der Rohstoffkostenseite. Die Rohstoffkosten – hauptsächlich für Grundöle, Chemikalie, Additive und Verpackung -machen bei Fuchs etwa 55% des Umsatzes aus. Einige Grundölpreise notierten zwar heute niedriger, auf Eurobasis sei die Reduktion aber nicht in vollem Umfang angekommen, sagte er. Die Preise für andere Grundölsorten verharrten hingegen auf hohem Niveau. Auch die Preise für Additive hätten vor kurzem nochmals angezogen, sagte er.

Neben organischem Wachstum will sich Fuchs 2012 auch nach Zukäufen umschauen. “Wir halten immer die Augen offen und schauen nach wertbildenden Objekten”, sagte Selent. Das Unternehmen habe ein Eigenkapital von nahezu 600 Mio Euro und keine Bankschulden. “Daher sind ausreichend finanzielle Kapazitäten vorhanden”, meinte er.