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Bei ausreichend Freiraum könne in Sachen Industrie 4.0 "Erstaunliches" entstehen. - Bild: Scheinast

Thomas Wengi, Managing Director beim Hochpräzisions-Fertigungstechnologie-Anbieter GF Machining Solutions International SA, hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, wenn es um Industrie 4.0 geht. Unter anderem beliefert das Unternehmen auch die Dentalindustrie. Vor einigen Jahren erklärte Wengi ein Kunde, Leiter eines Dentallabors, dass er sich das Fräsen ganz anders vorstellt.

„Ein Steuerpult mit hundert Knöpfen wollte er nicht“, berichtet Thomas Wengi. Stattdessen wünschte sich der Kunde eine vollautomatisierte, ohne Vorkenntnisse bedienbare Fräsmaschine und einen komplett digitalen Prozess, ohne zusätzlich manuell etwas tun zu müssen – und zwar innerhalb von drei Monaten. Ein Ding der Unmöglichkeit, dachte Wengi. Doch GF ging das Risiko ein, entwickelte eine neue Software.

„Sie glauben nicht, wie viele Leute mir gesagt haben, das geht nicht. Heute ist die ‚dark factory‘ Realität“, so Wengi. Während des Prozesses habe man sich um Dinge gekümmert, mit denen man sich vorher nie beschäftigt hatte, zum Beispiel wurden die Kundenwünsche der Zahnärzte aufgenommen. Vom Erfassen des 3D-Modells bis hin zur Abrechnung wurde der gesamte Prozess abgebildet, die eigene Lösung „zum Drucker degradiert“.

Kunden können mitentwickeln

Der Kunde stellt das Produkt heute mit Additive Manufacturing her, auch für die Verpackung wird automatisch gesorgt. „Damit haben wir eine Zelle kreiert, die wir in verschiedenen Applikationen verwenden können“, berichtet Thomas Wengi. Zum Beispiel drucke eine Krankenschwester in Asien damit Implantate. Das mit den hundert Knöpfen, die niemand will, habe man sich gemerkt, sagt Wengi. Jetzt gibt es auch für Schneidemaschinen ein neues HMI (Human Machine Interface). Die Kunden könnten aber auch ihr Expertenwissen einbringen und die Lösungen mit weiterentwickeln.

Generell arbeite GF eng mit Kunden zusammen. Die Fragestellung sei häufig, wie sich Produkte vom CAD/CAM-System aus direkt  – ohne manuelle Zwischenschritte – in die Maschine bringen lassen, berichtet der Managing Director. Dabei stoße man immer wieder auf das Problem, dass Kunden Angst haben, ihr Kernwissen aus der Produktion weiterzugeben, um eine Lösung zu entwickeln. „Wir müssen unser Wissen teilen, sonst werden wir nicht vorwärts kommen“, ist sich Wengi sicher.

Es gehe darum, nur das zu schützen, was wirklich schützenswert ist – oft seien das nur drei bis vier Prozent dessen, was Unternehmen behüten wollen. Seine Erfahrung zeigt, dass die enge Zusammenarbeit an Innovationsthemen Spaß macht und motiviert.

Der eigene Industrie 4.0-Fahrplan sieht vor, dass 2017 ein Messenger entsteht, der Benutzer Meldungen von den GF-Maschinen auf das Smartphone schickt. 2018 sollen Condition Monitoring und Proactive Maintenance verfügbar sein, parallel dazu E-Tracking und Digitaler Zwilling. 2019 schließlich sind  Predictive Maintenance und Remote Ordering geplant, dann will man auch die Auslastung alle Werke standortübergreifend Cloud-basiert optimieren.

Im Kernkompetenzbereich Werkzeugformenbau hat GF ein Projekt namens T.R.U.E. initiiert. Dabei soll  jeder automatisch aus dem CAD/CAM-System erzeugte Job ein Produkt hervorbringen, das auf 5 µ genau ist – ohne Input erfahrener Mitarbeiter und in der perfekten Produktionsreihenfolge. Dafür wurde bereits ein Formenwerkzeugmacher gefunden, der beim Zukunftsprojekt mitmachen will. „Eine tolle Vision, viele graue Haare“, scherzt Wengi.

Er rät den Kongressteilnehmern: „Haben Sie, wenn Sie über Industrie 4.0 diskutieren, klare Visionen. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter motivieren, erreichen Sie in kurzer Zeit Unglaubliches“. Besonders wichtig bei seinem eigenen Dentallabor-Projekt sei ihm gewesen, dass sein Chef den Freiraum gegeben habe, den Job so zu machen, wie das Team es für richtig hielt. Dann könne sich Industrie 4.0 wirklich als Revolution entfalten. Schrittweise auf Industrie 4.0 zuzugehen, sei nicht die Aufgabe des Managements, meint Thomas Wengi: „Unsere Aufgabe im Management ist es, Freiräume zu schaffen, damit man schrittweise darauf zugehen kann“.

Maschinenbau vorausgeDACHt: Drei Länder - ein Kongress

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    Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

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    Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

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    Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

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    Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

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    Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

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    Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

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    Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

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    VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

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    Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

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    Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion