Die für das kommende Jahr geplante Fusion der Volkswagen AG mit der Porsche Automobil Holding SE könnte sich verzögern.
Von Katharina Becker, Dow Jones

STUTTGART (Dow Jones/ks)–Neben offenen steuerlichen Fragen müssten die in Deutschland und den USA laufenden Gerichtsverfahren abgewartet werden, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz des Sportwagenbauers in Stuttgart. Wie lange sich die Fusion verschieben könnte, sei noch nicht abzusehen, sagte Pötsch. An dem Zusammenschluss werde jedoch nicht gerüttelt, betonte der Vorstandsvorsitzende der Porsche-Dachgesellschaft und Volkswagens, Martin Winterkorn. “Unser erklärtes Ziel ist und bleibt die Verschmelzung.”
Unklar ist bislang, wie die Optionsgeschäfte auf VW-Aktien, mit denen Porsche Milliarden verdient hatte, steuerlich zu bewerten sind. Bis zur Klärung durch das Bundesfinanzministerium sei keine verbindliche Aussage vom Finanzamt zu bekommen, erläuterte Pötsch das Problem. Schlimmstenfalls könnten auf Porsche Steuerzahlungen von 1,25 Mrd Euro plus Zinsen zukommen, für die der Konzern Rücklagen gebildet habe.
Die beiden Autobauer warten zudem ab, wie sich das juristische Tauziehen mit Investoren in den USA entwickelt. Zahlreiche Investmentfonds verklagen Porsche vor einem Bundesgericht in Manhattan auf mehr als 2 Mrd Dollar Schadenersatz. Porsche wird vorgeworfen, Investoren beim Versuch zur Übernahme von Volkswagen getäuscht und belogen zu haben.
Als die Stuttgarter Ende Oktober 2008 bekannt gaben, wie viele Aktien des Wolfsburger Konzerns sie tatsächlich direkt und indirekt besaßen, ließ dies den Kurs der VW-Aktie rasant ansteigen und machte Volkswagen kurzzeitig zum teuersten Unternehmen der Welt. Investoren hatten allerdings auf fallende Kurse gewettet und erlitten heftige Verluste. Mitte Januar entscheidet sich, ob die Klage vor einem US-Gericht zugelassen wird.
Die Schwaben haben stets betont, sich an die geltenden Kapitalmarktgesetze gehalten zu haben, auch wenn Experten hier von einer Regelungslücke sprechen.
Im Heimatland ermitteln Strafverfolger gegen Porsche: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft seit August 2009 den Verdacht auf Marktmanipulation.
Porsche hatte sich bereits 51% an Volkswagen gesichert, als mitten in der Finanzkrise der Plan zusammenbrach, Europas größten Autohersteller zu übernehmen. Letztlich willigten die Stuttgarter ein, als zehnte Marke unter das Dach der Wolfsburger zu schlüpfen. Als erster Schritt zur Fusion hatte Volkswagen im Dezember für 3,9 Mrd Euro 49,9% an dem operativen Sportwagengeschäft von Porsche erworben.
Nun muss die Porsche-Dachgesellschaft, unter der neben dem Sportwagengeschäft auch die Beteiligung an Volkswagen gebündelt ist, ihren Schuldenberg abtragen. Dazu wollen sich die Stuttgarter im ersten Halbjahr 2011 über die Ausgabe neuer Stamm- und Vorzugsaktien 5 Mrd Euro frisches Kapital besorgen. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piech könnten zudem den Autohändler Porsche Salzburg Holding an VW verkaufen, um mit den Erlösen an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Mit dem Geld will Porsche auch den ersten Teil des 8,5 Mrd Euro schweren Kredits ablösen. 2,5 Mrd Euro werden zum Ende des ersten Halbjahres fällig. Die Banken würden Porsche auch bis Ende Oktober Zeit lassen, sollte es bei der Kapitalerhöhung Verzögerungen geben, sagte Pötsch.
Sollte die Fusion nicht wie geplant durchführbar sein, gebe es einen Plan B, sagte Pötsch. Volkswagen könnte zwischen Mitte November 2012 und Ende Januar 2015 für knapp 3,9 Mrd Euro den restlichen Anteil am Sportwagengeschäft von Porsche kaufen. Die Porsche Dachgesellschaft könnte ihre Schulden mit dem Kaufpreis und der Kapitalerhöhung abzahlen. Am Ende stünde ebenfalls ein gemeinsamer Autokonzern aus Volkswagen und Porsche.