Prof. Achim Kampker vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen: Durch die E-Mobilität wird es

Prof. Achim Kampker vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen: Durch die E-Mobilität wird es im Maschinenbau zu neuen Produktionstechnologien kommen. (Bild: Katharine Zepf).

FRANKFURT (pd). “Durch die E-Mobilität wird es im Maschinenbau zu neuen Produktionstechnologien kommen. Dementsprechend muss sich der Maschinenbau neu aufstellen”, erklärte Prof. Achim Kampker vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen. „Es ist der falsche Ansatz, ein Produkt zu entwickeln und sich erst im Anschluss über die Produktionstechnologien Gedanken zu machen.“ Es sei auch der falsche Ansatz, bei der Ersteinführung von Elektrofahrzeugen über Reichweiten zu diskutieren, da ein breiter Markt von E-Fahrzeugen vorhanden ist, mit dem man nie mehr als 100 Kilometer am Tag fahre. Problematisch sind allerdings noch die derzeit hohen Preise für E-Fahrzeuge. „Wir können bei den Produktionstechnologien ansetzen, um das Pricing für ein wettbewerbsfähiges E-Fahrzeug zu verbessern, dann kann der Preis für einen Kleinwagen mit Elektroantrieb bei ca. 17000 Euro liegen“, so Kampker. Über die geringeren Verbrauchskosten relativierten sich die immer noch relativ hohen Anschaffungskosten für den Endverbraucher.

Kampker verweist in diesem Zusammenhang auf den Druck, der aus China komme: „Die Chinesen sind in diesem Markt angetreten, um uns in der gesamten Breite bis in die Ausrüstungsindustrie zu schlagen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass wir das aus eigener Stärke noch verhindern können. Wenn wir uns richtig aufstellen, haben wir eine gute Chance, aber wir wissen nicht genau, wann und mit welchen Stückzahlen der Markt kommt – da spielt die Skalierbarkeit von Produktionssystemen eine große Rolle.”

Unsichere Technologieentwicklung und Systemkompetenz

Unsichere Technologieentwicklung und Systemkompetenz tragen zudem nicht zur Übersichtlichkeit bei. “Wenn ich mir die E-Motoren anschaue – also von Radnabenmotoren und radnahen Motoren spreche, aber auch von der Zellentechnologie bei Batterien – da gibt es noch relativ viele Fragezeichen”, so der Professor. Es stelle sich die Frage, was wirklich zum Durchbruch verhelfe. So gelte es, überlegt zu handeln. “Ich kann nur davor warnen, zu frühzeitig Standards zu setzen, denn unsere Stärke liegt darin, dass wir verschiedene Themenfelder vorantreiben”, erläuterte Kampker.

Er verwies auch darauf, dass der deutsche Motorenbauer neben den theoretischen Erfahrungen für den konventionellen Antriebsstrang auch viel Bauchgefühl habe mit einbringen können. “Das haben wir im Bereich des elektrischen Antriebsstrangs nicht. Damit besteht auch eine gewisse Unsicherheit bezogen auf die Auslegung der Anlagentechnik, die dahintersteht”, befand Kampker.

Kampker sprach auch den großen Preisdruck an, den man nicht wegdiskutieren könne: “Da liegt aber auch eine große Chance drin, denn ein Großteil der Wertschöpfung findet im Antrieb und in der Batterie statt.” Bei der Batterieproduktion hätten die Asiaten einen klaren Vorsprung. “Dennoch ist die Produktion von Zellen und Batteriepacks ein zentrales Thema für Deutschland als Elektromobilitätsstandort”, verlangt Kampker. Von größter Wichtigkeit sei dabei die Qualität für die Zellen- und Batterieproduktion, wie Dr. Detlev Repenning, Geschäftsführer der OMT Oberflächen- und Materialtechnologie GmbH in Lübeck, unterstrich. “Die Zelle wird ein mitwettbewerbsentscheidendes Teil sein, das sollten wir uns nicht aus der Hand schlagen lassen”, ergänzte Kampker.

Maschinenbau als tragende Säule

Bei der Elektromobilität geht es längst nicht nur um die Automobilindustrie. Auch Energiewirtschaft, Batterieherstellung und Elektroindustrie gehören dazu. Die tragende, zentrale Säule in diesem Konstrukt bildet der Maschinenbau, da er für die Fertigung sämtlicher Komponenten der Fahrzeuge und Systeme verantwortlich zeichnet. Der Maschinenbau ist Enabler mit seiner Produktionstechnik, denn ohne die Produktion der Elektromobilität gibt es weder Arbeitsplätze noch Wertschöpfung. Der Maschinenbau sorgt mit seinen Strategien für den risikoarmen Anlauf aller Konzepte eben durch Wandlungsfähigkeit und Skalierbarkeit aller Fertigungslinien. Er sorgt für die kostenreduzierte Produktion der Batteriezellen durch optimalen Materialeinsatz und minimalen Ausschuss. Der Maschinenbau ist aber auch Anwender z.B. bei mobilen Maschinen und Flurförderfahrzeugen.

Schließlich wird im internationalen Wettbewerb um die Technologien und Marktführerschaft entscheidend sein, wer es zuerst schafft, E-Mobilität kostengünstig und in großen Stückzahlen zu produzieren.